Die US-Regierung rückt Afrika in ihrer neuen Anti-Terror-Strategie stärker in den Fokus. Die Strategie wurde im Mai 2026 vom Weißen Haus veröffentlicht. Washington nennt Westafrika, den Sahel, das Tschadseebecken, Mosambik, Sudan und Somalia als Regionen, in denen islamistische Gruppen neue Operationsräume nutzen. Die USA wollen dabei keine neuen groß angelegten Nation-Building-Einsätze aufbauen, sondern mit afrikanischen Regierungen, regionalen Partnern und eigenen Geheimdienstmitteln gegen Gruppen wie ISIS, al-Qaida und Al-Shabaab vorgehen.
Washington sieht neue Rückzugsräume für Terrorgruppen
Die Strategie beschreibt Afrika als einen zentralen Schauplatz der veränderten Terrorbedrohung. Nach Darstellung des Weißen Hauses hätten sich Überreste von ISIS nach dem Verlust ihres früheren Herrschaftsgebiets im Irak und in Syrien unter anderem nach Afrika und Zentralasien verlagert. Dort nutzten sie schwach kontrollierte Räume und staatliche Lücken aus.
Genannt werden besonders Westafrika, die Sahelzone, das Tschadseebecken, Mosambik, Sudan und Somalia. In Somalia verweist die Strategie auf ISIS-Strukturen und die fortbestehende islamistische Aufstandsbewegung Al-Shabaab. Für die USA steht dabei vor allem die Frage im Vordergrund, ob Gruppen von dort Anschläge gegen amerikanische Interessen planen können.
Die Strategie ordnet Afrika in eine breitere Sicherheitslage ein. Washington sieht drei Hauptbedrohungen: Drogenkartelle und transnationale Banden, etablierte islamistische Terrorgruppen sowie gewaltbereite linke Extremisten. Für Afrika liegt der Schwerpunkt klar auf islamistischen Gruppen und deren Fähigkeit zu grenzüberschreitenden Operationen.
Zwei Ziele für Afrika
Für Afrika nennt die US-Regierung zwei zentrale Ziele. Erstens soll verhindert werden, dass islamistische Gruppen Stützpunkte aufbauen, von denen aus sie Angriffe gegen die Vereinigten Staaten oder amerikanische Interessen weltweit planen können. Zweitens will Washington Christen schützen, die nach Darstellung der Strategie von islamistischen Gruppen angegriffen werden.
Das Weiße Haus grenzt diesen Ansatz ausdrücklich von früheren Interventions- und Nation-Building-Konzepten ab. Die USA wollen ihre globale militärische Präsenz verkleinern und zugleich Gruppen bekämpfen, die aus amerikanischer Sicht zu internationalen Angriffen fähig sind.
Dafür sollen bilaterale Anti-Terror-Beziehungen mit afrikanischen Regierungen ausgebaut werden. Die Strategie nennt nachrichtendienstliche Zusammenarbeit und den Aufbau von Partnerkräften als zentrale Instrumente. Afrikanische Staaten sollen zugleich mehr Verantwortung für die Bekämpfung gemeinsamer Bedrohungen übernehmen.
Weniger US-Präsenz, mehr Lastenteilung
Washington setzt in Afrika auf eine begrenzte militärische Präsenz. Die US-Regierung erwartet von regionalen und nahegelegenen Partnern, einen größeren Teil der Anti-Terror-Aufgaben zu übernehmen. Dazu zählen Informationsaustausch, gemeinsame Lagebilder und die Schwächung bewaffneter Gruppen, sobald diese entstehen oder sich ausbreiten.
Die Strategie spricht von einer neuen Phase der Lastenteilung. Auch europäische Partner werden in diesem Zusammenhang genannt. Europa solle mehr Verantwortung für eigene Sicherheit und für Anti-Terror-Operationen in Afrika übernehmen.
Damit verbindet Washington Sicherheitspolitik mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Die Strategie verweist auf Handels- und Wirtschaftsbeziehungen als stabilisierenden Faktor. Als Beispiel nennt sie das von Präsident Donald Trump vermittelte Abkommen zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo und beschreibt Sicherheit als Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung.
Sahel, Somalia und Mosambik im strategischen Blick
Die regionale Aufzählung zeigt, wo Washington die größten Risiken auf dem afrikanischen Kontinent sieht. In der Sahelzone haben sich in den vergangenen Jahren mehrere bewaffnete Gruppen ausgebreitet, die mit al-Qaida oder ISIS verbunden sind. Im Tschadseebecken bleibt die Bedrohung durch islamistische Gruppen ebenfalls Teil der regionalen Sicherheitslage.
Somalia nimmt in der Strategie eine besondere Stellung ein. Al-Shabaab wird als islamistische Aufstandsbewegung beschrieben, während ISIS dort ebenfalls erneut Strukturen aufgebaut habe. Mosambik wird als weiterer Schauplatz genannt, in dem islamistische Gewalt für die US-Terrorbekämpfung relevant bleibt.
Sudan erscheint in der Strategie ebenfalls als Teil des afrikanischen Bedrohungsraums. Zugleich nennt das Papier die Bezeichnung sudanesischer und ägyptischer Kapitel der Muslimbruderschaft als ausländische Terrororganisationen als Instrument der amerikanischen Anti-Terror-Politik.
Bruch mit früherer US-Politik
Die Strategie ist stark durch den innenpolitischen Kurs der Trump-Regierung geprägt. Das Weiße Haus stellt sie als Abkehr von früheren Ansätzen dar und verbindet Terrorbekämpfung mit Grenzsicherung, Drogenbekämpfung, Migrationspolitik und dem Schutz amerikanischer Staatsbürger.

Präsident Trump schreibt im Vorwort, seine Regierung stelle Amerika wieder an erste Stelle. Terroristen jeder Art sollten keinen sicheren Hafen erhalten, weder in den USA noch im Ausland. Die Strategie verwendet dafür den Begriff „Peace through Strength“, also Frieden durch Stärke.
Im operativen Teil nennt die Regierung drei Funktionen: Terrorakteure und Anschlagspläne früh erkennen, Waffen-, Finanzierungs- und Rekrutierungswege abschneiden und etablierte Bedrohungsgruppen zerstören. Dazu sollen diplomatische, finanzielle, geheimdienstliche, militärische, polizeiliche und Cyber-Instrumente eingesetzt werden.
Nahost und westliche Hemisphäre bleiben zentrale Felder
Trotz des stärkeren Afrika-Fokus bleibt die westliche Hemisphäre der erste Schwerpunkt der Strategie. Drogenkartelle und transnationale Banden werden als terroristische Bedrohung behandelt. Das Weiße Haus verweist auf die Einstufung von Kartellen als ausländische Terrororganisationen und auf militärische Schläge gegen Drogenschmuggel auf See.
Im Nahen Osten nennt die Strategie Iran als größte Bedrohung aus der Region. Teheran wird als Unterstützer von Terrorgruppen und als Gefahr durch nukleare und ballistische Fähigkeiten dargestellt. Auch Hezbollah, Hamas, al-Qaida, ISIS, die Huthi und die Muslimbruderschaft werden im Nahostteil der Strategie behandelt.
Die USA wollen zudem verhindern, dass strategische Wasserwege wie die Straße von Hormus oder das Rote Meer durch staatliche oder nichtstaatliche Akteure blockiert werden. Für Afrika ist dieser Punkt auch wegen der Verbindung zwischen Rotem Meer, Horn von Afrika und globalen Handelsrouten relevant.
Waffen und neue Technologien als Sonderrisiko
Ein eigener Abschnitt befasst sich mit Massenvernichtungswaffen. Die US-Regierung beschreibt die Verhinderung eines Terroranschlags mit chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Waffen als Aufgabe, die nicht scheitern dürfe.
Die Strategie nennt auch neue Technologien als Sicherheitsrisiko. Dazu gehören Drohnen, künstliche Intelligenz, additive Fertigung und autonome Systeme. Solche Technologien könnten Terrorgruppen neue Möglichkeiten verschaffen. Washington will deshalb mit Partnern verhindern, dass gefährliche Materialien, Technologien oder Informationen in die Hände nichtstaatlicher Gruppen gelangen.

