Ex-Außenminister soll teure Napoleon-Statuetten aus Afrika erhalten haben

France 2 erhebt neue Vorwürfe gegen Dominique de Villepin: Zwei Napoleon-Statuetten im Wert von 125.000 Euro sollen über Robert Bourgi an ihn gegangen sein. Eine Spur führt zum früheren Präsidenten Burkina Fasos, Blaise Compaoré.

Dominique de Villepin soll als französischer Außenminister zwei Napoleon-Statuetten im Gesamtwert von 125.000 Euro über den Lobbyisten Robert Bourgi erhalten haben. Die Vorwürfe wurden am 30. April durch das France-2-Magazin „Complément d’enquête“ öffentlich. Eine der Figuren soll vom damaligen Präsidenten Burkina Fasos, Blaise Compaoré, bezahlt worden sein, die andere von einem italienischen Unternehmer mit Afrika-Geschäften. De Villepin bestreitet, die Herkunft der Geschenke gekannt zu haben, und erklärte, er hätte sie andernfalls „niemals“ angenommen.

France 2 verweist auf Rechnungen über 75.000 und 50.000 Euro

Robert Bourgi, eine bekannte Figur der alten französisch-afrikanischen Netzwerke, behauptet in der Sendung, er habe de Villepin zwei Napoleon-Figuren zukommen lassen. Die erste soll 2002 von Blaise Compaoré bezahlt worden sein, damals Präsident Burkina Fasos. Die zweite soll vom italienischen Unternehmer Gian Angelo Perrucci stammen.

„Complément d’enquête“ veröffentlichte nach eigenen Angaben Rechnungen einer Pariser Galerie. Eine Bronzebüste Bonapartes soll 75.000 Euro gekostet haben, eine weitere Statuette Napoleons auf St. Helena 50.000 Euro. Die Galerie habe gegenüber der Redaktion bestätigt, dass die Rechnungen echt seien, zu den genannten Werken gehörten und von Compaoré sowie Perrucci beglichen worden seien.

De Villepin erklärte in der Sendung, die Objekte seien Geschenke von Robert Bourgi gewesen. Den Preis und die Herkunft habe er nicht gekannt. Vor der Rechnung über 75.000 Euro sagte er, die Büste sei ihm nicht vom Präsidenten Burkina Fasos geschenkt worden.

De Villepin weist Kenntnis der Herkunft zurück

Der frühere Premierminister und Außenminister sagte, er hätte die Gegenstände nicht angenommen, wenn er ihre Herkunft gekannt hätte. „Ich hätte diese Objekte niemals akzeptiert, wenn ich gewusst hätte, woher sie stammen“, erklärte de Villepin in der Sendung.

Zu der zweiten Statuette sagte de Villepin, auch sie sei ihm von Bourgi geschenkt worden. Den Wert schätzte er auf etwa 10.000 Euro. France 2 führt dagegen eine Rechnung über 50.000 Euro an, ausgestellt auf Gian Angelo Perrucci.

Perrucci bestätigte der Redaktion telefonisch, die Statuette an de Villepin verschenkt zu haben. Er habe den früheren Minister zuvor zweimal getroffen. De Villepin sagte, er habe keine Erinnerung an den italienischen Unternehmer.

Nach dem Interview erklärte de Villepin gegenüber der Redaktion, die Rechnung über 75.000 Euro entspreche nicht der Büste Napoleons. Zugleich sagte er, er sei bereit, die Objekte zurückzugeben.

Umfeld spricht von Manövern aus dem Sarkozy-Lager

Das Umfeld de Villepins wies die Darstellung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP scharf zurück. Es sprach von einem „Nebelvorhang“, verbreitet durch einen „treuen Relais von Nicolas Sarkozy“. Bourgi sei bekannt für wechselnde Erzählungen und politische Manöver.

Die Reaktion verweist auf den alten Rivalitätskonflikt zwischen de Villepin und Sarkozy. De Villepin bereitet eine mögliche Kandidatur für die französische Präsidentschaftswahl 2027 vor. Sarkozy steht zugleich im Berufungsprozess zur Affäre um mutmaßliche libysche Wahlkampffinanzierung seines Präsidentschaftswahlkampfs von 2007.

Bourgi erklärte in der Sendung, Sarkozy habe mit den neuen Aussagen nichts zu tun. Zugleich sagte er, er sei de Villepin wegen dessen Äußerungen zur Inhaftierung Sarkozys im vergangenen Jahr gram und wolle alles tun, um ihn daran zu hindern, in den Élysée-Palast einzuziehen.

Robert Bourgi und das Erbe der Françafrique

Robert Bourgi war über Jahrzehnte mit den politischen und finanziellen Netzwerken Frankreichs in früheren afrikanischen Kolonien verbunden. Sein Name steht in Frankreich bereits für eine frühere Affäre um teure Geschenke: 2017 hatte Bourgi dem damaligen Präsidentschaftskandidaten François Fillon Anzüge im Wert von 13.000 Euro geschenkt. Der Vorgang belastete Fillons Wahlkampf. Ermittlungen wegen des Verdachts auf Einflussnahme endeten später mit einer Einstellung.

Bourgi hatte 2011 außerdem behauptet, er habe zwischen 1997 und 2005 Geldkoffer aus afrikanischen Staaten an Jacques Chirac und Dominique de Villepin überbracht. Eine Untersuchung wurde eröffnet und im November 2011 ohne weitere Verfolgung eingestellt. De Villepin bezeichnete diese Darstellung in „Complément d’enquête“ als „vollkommen abwegig“ und Bourgi als „wunderbaren Geschichtenerzähler“.

Die neuen Vorwürfe treffen de Villepin zu einem Zeitpunkt, an dem er politisch wieder stärker sichtbar ist. Der ehemalige Premierminister gilt in Frankreich als möglicher Bewerber für die Präsidentschaftswahl 2027, hat seine Kandidatur aber noch nicht offiziell erklärt.

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