Pressefreiheit in Afrika rutscht unter Druck von Kriegen und Sicherheitsgesetzen ab

Kriege, Sicherheitsgesetze und wirtschaftlicher Druck setzen Afrikas Medien weiter zu. Die RSF-Rangliste 2026 zeigt besonders starke Rückgänge in Niger, Tansania, Benin und mehreren Konfliktstaaten.

Reporter ohne Grenzen sieht die Pressefreiheit in Afrika südlich der Sahara und Nordafrika weiter unter Druck: Konflikte, Sicherheitsgesetze und wirtschaftlich schwache Medienmärkte verschärfen die Lage für Journalistinnen und Journalisten. Die Organisation ordnet die Entwicklung in ihrer Rangliste der Pressefreiheit 2026 ein. Besonders stark betroffen sind Niger, Sudan, Eritrea, Mali, Burkina Faso, Tansania und mehrere Staaten Nordafrikas. Weltweit leben nur noch rund ein Prozent der Bevölkerung in Ländern mit „guter“ Pressefreiheit.

Sahelstaaten rutschen weiter ab

In Afrika südlich der Sahara bewertet Reporter ohne Grenzen die Lage in 24 von 48 Ländern als „schwierig“. In fünf Ländern gilt sie als „sehr ernst“. Eritrea steht zum dritten Mal in Folge auf dem letzten Platz der weltweiten Rangliste. Das Land belegt Rang 180.

Niger verzeichnet mit einem Minus von 37 Plätzen den stärksten Rückgang weltweit und liegt nun auf Rang 120. Reporter ohne Grenzen sieht darin ein Zeichen für den wachsenden Druck auf Medienschaffende in der Sahelregion. Mindestens sechs Reporter sitzen in Niger in Haft.

Auch Mali und Burkina Faso fallen weiter zurück. Mali liegt auf Platz 121, Burkina Faso auf Platz 110. In Mali sitzt ein Journalist in Haft. In Burkina Faso gelten zwei Journalisten weiterhin als verschwunden.

Ein zentrales Muster ist der Einsatz von Gesetzen zur nationalen und digitalen Sicherheit gegen Journalistinnen und Journalisten. Solche Regelungen werden in mehreren Staaten genutzt, um Berichterstattung einzuschränken, Medienschaffende strafrechtlich zu verfolgen oder unabhängige Medien unter Druck zu setzen.

Benin fällt deutlich, Tansania verliert seinen früheren Vorsprung

Benin ist auf Rang 113 gefallen, ein Minus von 21 Plätzen. Die vorherige Regierung ließ den Gründer des investigativen Online-Mediums Olofofo, Hugues Comlan Sossoukpè, aus der Elfenbeinküste ausliefern und inhaftieren. Die Behörden bezeichneten ihn als „gefährlichen Cyberaktivisten“.

Tansania rutscht um 22 Plätze auf Rang 117 ab. Das Land galt lange als vergleichsweise offener Medienstandort in Ostafrika. Reporter ohne Grenzen verweist auf schlechtere Arbeitsbedingungen und einen eingeschränkten Zugang zu Informationen durch zunehmend restriktive Gesetze.

Burundi liegt auf Rang 119. Die Journalistin Sandra Muhoza, die nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen zu Unrecht verurteilt worden war, ist inzwischen wieder frei.

Krieg zerstört unabhängige Berichterstattung im Sudan

In Konfliktländern verschlechtert sich die Sicherheitslage für Medienschaffende besonders stark. In der Demokratischen Republik Kongo, die auf Rang 130 liegt, geraten Journalistinnen und Journalisten im Osten des Landes zwischen bewaffnete Gruppen und Armee. Viele müssen ihre Arbeitsorte verlassen.

Im Sudan hat der Krieg unabhängigen Journalismus nahezu vollständig zerstört. Das Land liegt auf Rang 161. Viele Journalistinnen und Journalisten mussten fliehen. Der Druck auf Medien entsteht dort nicht nur durch Gewalt, sondern auch durch zerstörte Redaktionsstrukturen, fehlende Sicherheit und die Abwanderung von Fachkräften.

Auch die wirtschaftliche Schwäche vieler Medienmärkte bleibt ein Problem. In Mauretanien, das auf Rang 61 gefallen ist, nennt Reporter ohne Grenzen verzögerte Reformen und finanzielle Unsicherheit im Mediensektor als Gründe für den Rückgang. Ghana liegt dagegen auf Rang 39, Südafrika auf Rang 21. Beide Länder gehören in der Region zur Kategorie „zufriedenstellend“.

Nordafrika bleibt unter politischem und rechtlichem Druck

In der Region Naher Osten und Nordafrika sieht Reporter ohne Grenzen erneut den weltweit niedrigsten Grad an Pressefreiheit. In 18 von 19 Ländern ist die Lage für Medienschaffende entweder „sehr ernst“ oder „schwierig“.

Tunesien fällt um acht Plätze auf Rang 137. Der Rückgang der Pressefreiheit setzt sich seit der Machtübernahme von Präsident Kais Saied im Jahr 2019 fort. Politischer Druck, rechtliche Verfahren und wirtschaftliche Unsicherheit greifen dort ineinander.

Marokko liegt auf Rang 105. Die Lage hat sich nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen verbessert, doch Medienschaffende stehen weiter unter rechtlichem und finanziellem Druck.

Ägypten bleibt auf Rang 169. Trotz der Freilassung prominenter Journalisten ist die Presse unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi weiterhin erheblich eingeschränkt. Der Jemen fällt um zehn Plätze auf Rang 164. Journalistische Arbeit bleibt dort wegen des Kriegs und der Sicherheitslage extrem gefährlich.

Weltweit wird Journalismus häufiger kriminalisiert

Reporter ohne Grenzen sieht weltweit eine Verschlechterung der rechtlichen Rahmenbedingungen. In 110 von 180 untersuchten Ländern und Territorien haben sich die gesetzlichen Bedingungen für Medien im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Dazu zählen Staaten wie Indien und Ägypten, aber auch Demokratien wie Israel, die Philippinen und Japan.

Die Organisation bewertet in ihrer Rangliste politische, wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten. Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste fällt mehr als die Hälfte aller Länder und Territorien in die Kategorien „schwierig“ oder „sehr ernst“.

Deutschland liegt auf Rang 14 und verliert drei Plätze. Reporter ohne Grenzen verweist auf ein raueres Arbeitsklima für Journalistinnen und Journalisten auf der Straße und im Netz.

„Nur noch einer von 100 Menschen weltweit kann sich durch eine vielfältige, gesunde Medienlandschaft informieren“, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer für Politik und Strategie bei Reporter ohne Grenzen. In Deutschland sei der erneute Rückgang auch Ausdruck eines aufgeheizten Klimas.

Norwegen steht zum zehnten Mal in Folge auf Platz 1. Am Ende der Rangliste stehen Eritrea, Nordkorea und China. Saudi-Arabien ist neu unter den letzten zehn Ländern und liegt nach einem Rückgang um 14 Plätze auf Rang 176. Dort wurde im vergangenen Jahr der Journalist Turki al-Dschasser hingerichtet.

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