Trotz Iran-Krieg – Kongos Präsident: “Ich setze auf die Golf-Staaten!”

Neue Amtszeit, klare Prioritäten: Der Präsident der Republik Kongo setzt auf Zentralafrika, Landwirtschaft, Partner aus dem Golf und Diplomatie in Krisenregionen.

Der Präsident der Republik Kongo Denis Sassou-N’Guesso hat nach seiner Vereidigung für eine neue Amtszeit den Ausbau regionaler Infrastruktur, die Stärkung der Landwirtschaft und engere Wirtschaftsbeziehungen zu den Golfstaaten zu seinen Schwerpunkten erklärt. Kurz nach der Investitur in Brazzaville skizzierte er diese Linie in einem Interview. Er verband sie mit einem Appell an mehr panafrikanische Geschlossenheit und mit dem Versprechen, das Investitionsklima im Land weiter zu verbessern. Für Konflikte in Afrika und im arabischen Raum stellte er erneut Vermittlung und Friedensinitiativen in den Vordergrund.

Zentralafrika als erster Schwerpunkt

Der Präsident sagte, Afrika habe immer dann Erfolge erzielt, wenn es „mit einer Stimme“ gesprochen habe. Als Beispiele nannte er die Befreiungskämpfe auf dem Kontinent und den Widerstand gegen das Apartheid-Regime in Südafrika.

Aus dieser Sicht unterstütze er auch die Linie der Afrikanischen Union zur kontinentalen Freihandelszone. Zugleich machte er deutlich, dass wirtschaftliche Integration aus seiner Sicht nur mit besseren Verbindungen zwischen den Staaten vorankommt. Er nannte Straßen, Eisenbahnen, Brücken, Flughäfen, Fluss- und Seeverkehr, Telekommunikation und Energie.

Für die neue Amtszeit erklärte er die zentralafrikanische Teilregion zum ersten Schwerpunkt. Die Republik Kongo wolle ihre Verbindungen zu den Nachbarstaaten über Verkehrs- und Energieprojekte festigen und damit eine Grundlage für Entwicklung in der Subregion schaffen. Neben Infrastruktur stellte er auch die Nutzung von Rohstoffen, Agrarflächen und Wäldern sowie die Ausbildung junger Menschen heraus.

Landwirtschaft und Ressourcen im Mittelpunkt

Besonders viel Gewicht legte der Präsident Denis Sassou-N’Guesso auf die Landwirtschaft. Die Republik Kongo verfüge nach seinen Angaben über rund zehn Millionen Hektar Ackerland, von denen bisher nur ein kleiner Teil genutzt werde. Dieses Potenzial solle stärker erschlossen werden.

Daneben verwies er auf mineralische Rohstoffe, Holz, Fischerei sowie Öl- und Gasvorkommen. Die wirtschaftliche Linie, die er zeichnete, setzt auf eine breitere Nutzung dieser Ressourcen im eigenen Land und in engerer Abstimmung mit anderen afrikanischen Staaten.

Partnerschaft mit den Golfstaaten

Für die Beziehungen zur arabischen Welt, vor allem zu den Golfstaaten, warb der Präsident für eine vertiefte wirtschaftliche Zusammenarbeit. Er verwies auf Besuche in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Kuwait sowie auf bereits geschlossene Abkommen.

Als Grundlage nannte er Vereinbarungen zum Investitionsschutz und zur Vermeidung von Doppelbesteuerung. Ziel sei eine Partnerschaft zum gegenseitigen Nutzen in Bereichen, in denen beide Seiten über komplementäre Interessen verfügten, darunter Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bergbau, Öl und Gas.

An potenzielle Investoren richtete er die Botschaft, sein Land sei in Frieden und verfüge über stabile Institutionen. Zugleich sagte er, die Regierung arbeite daran, das Geschäftsklima weiter zu verbessern. Als konkretes Beispiel nannte er die Region um Pointe-Noire. In der Nähe des Tiefseehafens lägen bedeutende Vorkommen von Phosphat, Kali und Gas. Diese Kombination könne die Grundlage für eine Düngemittelproduktion für den kongolesischen Markt, für Afrika und darüber hinaus bilden.

Frieden als Leitlinie in Krisen

In außenpolitischen Krisen stellte der Präsident erneut Verhandlungen und Vermittlung in den Mittelpunkt. „Man baut nie im Krieg“, sagte er mit Blick auf Konflikte in Afrika und im arabischen Raum. Für Libyen bekräftigte er seine Rolle an der Spitze des hochrangigen Ausschusses der Afrikanischen Union und warb erneut für nationale Versöhnung und Wiederaufbau.

Zu seiner Methode in regionalen Vermittlungen sagte er, dauerhafte Lösungen entstünden nicht durch den Export fertiger Modelle. Jede Krise habe ihre eigene Dynamik und müsse genau analysiert werden. Entscheidend sei, die Konfliktparteien in Demut an einen Punkt gemeinsamen Interesses heranzuführen. Als Beispiele nannte er frühere Vermittlungen in der Zentralafrikanischen Republik und historische Verhandlungen in Brazzaville zwischen Vertretern Südafrikas, Angolas, Kubas und der USA.

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