Ein internationales Recherchekonsortium berichtet, dass das frühere Einflussnetzwerk der Wagner-Gruppe inzwischen direkt vom russischen Auslandsgeheimdienst gesteuert wird.
Die Veröffentlichung erfolgte am 14. Februar und stützt sich auf interne Dokumente aus den Jahren 2023 und 2024.
Nach Angaben der Plattform All Eyes on Wagner sowie der beteiligten Medien, darunter The Continent und Forbidden Stories, handelt es sich um 76 interne Unterlagen mit strategischen Papieren, Budgetplänen und operativen Berichten. Demnach wurde die frühere Wagner-Einheit „Africa Politology“ nach dem Tod von Jewgeni Prigoschin im August 2023 organisatorisch neu aufgestellt und Ende 2023 vollständig in die Strukturen des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR integriert.
Strategische Neuausrichtung nach Prigoschins Tod
Das Recherchekonsortium beschreibt „Africa Politology“ als Netzwerk aus Strategieberatern, Kommunikationsspezialisten und Medienakteuren, das politische Kampagnen, Lobbyarbeit und Einflussoperationen in Ländern Afrikas und Lateinamerikas organisiert habe.
Ein zentrales Strategiepapier mit dem Titel „Confederation of Independence“ sehe vor, Russlands Einfluss in Afrika auszubauen, westliche Partner zu diskreditieren und neue politische Verbündete bei Abstimmungen in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu gewinnen. Zudem würden wirtschaftliche Interessen in den Bereichen Rohstoffe, Energie und Rüstung benannt.
Nach Darstellung der Recherchen sei für den Zeitraum Januar bis Oktober 2024 ein Budget von rund 7,2 Millionen US-Dollar vorgesehen gewesen. Die Aktivitäten hätten sich auf 34 Länder in Afrika und Lateinamerika erstreckt.
Rolle des russischen Auslandsgeheimdienstes
Laut den veröffentlichten Dokumenten habe der SWR eine koordinierende und operative Funktion übernommen. In mehreren Ländern soll der Dienst diplomatische Kontakte, sicherheitspolitische Kooperationen und wirtschaftliche Projekte flankiert haben.

In Mali etwa sei der SWR beauftragt worden, Informationen über die militärischen und politischen Pläne Frankreichs und der Vereinigten Staaten im Sahel bereitzustellen. Zudem habe der Dienst die Bildung eines militärisch-politischen Bündnisses zwischen Mali, Burkina Faso, Niger und Guinea unterstützt.
In der Zentralafrikanischen Republik soll der SWR laut den Recherchen Kontakte zu staatlichen Sicherheitsstrukturen gepflegt und Projekte im Energiesektor begleitet haben. Auch in Ländern wie Mosambik, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo würden entsprechende Aktivitäten beschrieben.
Medienkampagnen und politische Einflussnahme
Die Unterlagen zeichnen nach Darstellung der beteiligten Medien ein Bild systematischer Kommunikationskampagnen. Diese umfassten den Aufbau und die Steuerung von Social-Media-Konten, die Platzierung bezahlter Inhalte sowie die Zusammenarbeit mit lokalen Medien und Influencern.
Für August 2024 dokumentieren die Unterlagen demnach Ausgaben von rund 340.000 US-Dollar für 516 Artikel, Beiträge und Videos in Afrika und Lateinamerika. Ziel sei es gewesen, westliche Staaten und Unternehmen zu diskreditieren und russische Positionen zu stärken.
Als Beispiel wird eine Kampagne in Namibia genannt, bei der gefälschte Dokumente genutzt worden seien, um oppositionelle Akteure zu belasten. Laut den Recherchen habe der britische Hochkommissar in Namibia öffentlich Stellung genommen und die Vorwürfe zurückgewiesen.
Netzwerkstruktur und Personal
Drei Personen werden in den veröffentlichten Dokumenten als zentrale Akteure genannt: Sergej Maschkewitsch, Sergej Kljuikin und Artem Gorni. Sie hätten bereits während der aktiven Phase der Wagner-Gruppe in Sudan zusammengearbeitet und später leitende Funktionen in „Africa Politology“ übernommen.
Die Recherchen sprechen von bis zu 98 Mitarbeitenden im Jahr 2024, verteilt auf Standorte in Sankt Petersburg sowie in mehreren afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten.
Die beteiligten Medien berichten, europäische Sicherheitsquellen hätten die Echtheit der Dokumente geprüft. Eine offizielle Stellungnahme russischer Behörden liegt in den veröffentlichten Berichten nicht vor.