Namibia fordert neue Finanzordnung – Afrikas eigene Ratingagentur startet im Oktober

Afrika will seine Kreditwürdigkeit künftig stärker selbst bewerten: Die neue Ratingagentur AfCRA startet im Oktober in Mauritius. Namibias Präsidentin Nandi-Ndaitwah fordert bei der UN zugleich fairere Finanzierungsbedingungen und mehr Tempo beim gemeinsam mit Deutschland ausgehandelten Zukunftspakt.

Namibias Präsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah fordert eine Reform der internationalen Finanzarchitektur und setzt dabei auf die neue Afrikanische Ratingagentur AfCRA. Die Forderung erhob sie am Mittwoch, 23. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York. Die Agentur soll am 7. Oktober in Mauritius offiziell starten und afrikanischen Staaten sowie Unternehmen eine zusätzliche, auf regionale Wirtschaftsbedingungen zugeschnittene Bonitätsbewertung ermöglichen. Zugleich kritisierte Nandi-Ndaitwah, dass der gemeinsam von Namibia und Deutschland ausgehandelte UN-Zukunftspakt bislang weniger wirksam umgesetzt werde als erhofft. 

Afrikanische Ratingagentur startet in Mauritius

Nandi-Ndaitwah bezeichnete die African Credit Rating Agency als einen Baustein für mehr afrikanische Eigenständigkeit in der Entwicklungs- und Finanzpolitik.

„Das ist ein Baustein dafür, dass Afrika Verantwortung für seine eigene Entwicklungs- und Wohlstandsagenda übernimmt“, sagte die Präsidentin. 

AfCRA soll ihren Sitz in Mauritius haben und Staaten sowie Unternehmen bewerten. Die Afrikanische Union begründet die Gründung mit der seit Jahren vorgetragenen Kritik, afrikanische Volkswirtschaften würden an den internationalen Kapitalmärkten häufig mit zu hohen Risikoprämien belastet. Die Agentur soll deshalb zusätzliche Bewertungen erstellen, die stärker auf afrikanische Wirtschaftsstrukturen und Daten eingehen. Die AU hat den 7. Oktober 2026 als offiziellen Starttermin angekündigt. 

Nandi-Ndaitwah verband das Projekt mit einer grundsätzlichen Forderung nach einer Reform der globalen Finanzinstitutionen. Schwellenländer litten weiterhin unter hohen Kreditkosten, begrenztem fiskalischem Spielraum, Schuldenrisiken und den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels, sagte sie.

Internationale Finanzierungsbedingungen müssten stärker berücksichtigen, dass Staaten ihre Rohstoffe im eigenen Land verarbeiten und zusätzliche Wertschöpfung schaffen wollten. Dabei verwies sie ausdrücklich auf kritische Mineralien.

Namibia kritisiert langsame Umsetzung des Zukunftspakts

Einen direkten Deutschland-Bezug stellte Nandi-Ndaitwah beim UN-Zukunftspakt her.

Namibia und Deutschland hatten die Verhandlungen über den Pact for the Future gemeinsam moderiert. Das Abkommen wurde im September 2024 von der UN-Generalversammlung angenommen und umfasst unter anderem Reformen der internationalen Finanzordnung, nachhaltige Entwicklung, Frieden und Sicherheit sowie globale Governance. 

Die Umsetzung sei jedoch „nicht so wirksam gewesen, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagte Nandi-Ndaitwah. 

Deutschland und Namibia arbeiten auch 2026 weiter gemeinsam an der Umsetzung. Im Mai organisierten beide UN-Missionen in New York eine Veranstaltung zur nationalen Umsetzung des Pakts. Dabei ging es unter anderem darum, wie die internationalen Verpflichtungen stärker in nationale Politik übertragen werden können. 

Namibia verursacht weniger als 0,01 Prozent der Emissionen

Nandi-Ndaitwah verband die Finanzierungsfrage mit der Klimapolitik. Namibia verursache weniger als 0,01 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, trage aber wie andere Entwicklungsländer überproportional die Folgen des Klimawandels.

Wiederkehrende Dürren, steigende Temperaturen und zunehmender Druck auf Landwirtschaft und Wasserressourcen belasteten das Land.

„Manchmal fühlt es sich an, als befänden wir uns im Krieg mit Mutter Natur“, sagte die Präsidentin mit Blick auf Überschwemmungen, Hitzewellen, Wirbelstürme und lange Dürreperioden. 

Staaten, die historisch einen größeren Anteil an den weltweiten Emissionen verursacht hätten, müssten aus ihrer Sicht mehr Verantwortung übernehmen. Nandi-Ndaitwah forderte insbesondere zusätzliche und verlässliche Klimafinanzierung.

Namibia wird Sitz der Global Water Partnership

Wasserpolitik soll für Namibia 2026 stärker ins Zentrum rücken. Das trockene Land wird Sitz des Hauptquartiers der Global Water Partnership.

Damit werde die Organisation erstmals ihren Hauptsitz im Globalen Süden haben. 

Namibia setzt unter anderem auf integriertes Wassermanagement, Grundwasseranreicherung und Investitionen in Wasserinfrastruktur. Gemeinsam mit Senegal führt das Land außerdem ein hochrangiges Gremium der Afrikanischen Union zum African Water Investment Programme.

Nandi-Ndaitwah verwies auf die anstehende UN-Wasserkonferenz 2026 und forderte stärkere internationale Investitionen in die Wassersicherheit Afrikas.

Namibia bekräftigt Position zur Westsahara

Auch die Westsahara nahm einen Teil der Rede ein. Nandi-Ndaitwah verwies auf Namibias eigene Erfahrungen mit Kolonialismus und Besatzung und bekräftigte die Unterstützung ihres Landes für das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung der Westsahara.

Namibia unterstützt weiterhin ein von den Vereinten Nationen getragenes Referendum und rief zur Umsetzung der Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrats auf. 

Die Resolution 2797 wurde am 31. Oktober 2025 verabschiedet und verlängerte das Mandat der UN-Mission MINURSO bis Ende Oktober 2026. Der Sicherheitsrat bekräftigte darin das Ziel einer gerechten, dauerhaften und für die Konfliktparteien akzeptablen politischen Lösung auf Grundlage des marokkanischen Autonomieplans und im Einklang mit dem Prinzip der Selbstbestimmung. 

Die politische Interpretation dieses Prozesses bleibt zwischen Marokko und der Polisario umstritten. Namibia gehört zu den wenigen Staaten, die weiterhin ausdrücklich die Position der Polisario zur Selbstbestimmung unterstützen.

Präsidentin fordert erstmals Frau an der Spitze der UN

Nandi-Ndaitwah verband ihre Reformforderungen außerdem mit der Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres.

Seit Gründung der Vereinten Nationen 1945 habe noch nie eine Frau das Amt des Generalsekretärs bekleidet. Namibia halte deshalb die Zeit für gekommen, eine Frau an die Spitze der Organisation zu wählen, sagte die Präsidentin. 

Zugleich forderte sie eine Reform des Sicherheitsrats entsprechend der gemeinsamen afrikanischen Position im Ezulwini-Konsens und in der Erklärung von Sirte. Afrika müsse in den internationalen Entscheidungsstrukturen angemessener vertreten werden.

Resolution zu Sklaverei und kolonialem Erbe

Nandi-Ndaitwah griff außerdem die im März 2026 verabschiedete UN-Resolution zum transatlantischen Sklavenhandel auf.

Sie bezeichnete die Entscheidung als „Beginn eines Weges zu Wahrheit, Anerkennung, Heilung und Gerechtigkeit“ für Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner sowie Menschen afrikanischer Abstammung, deren Leben durch Sklaverei, Kolonialismus und andere historische Ungerechtigkeiten geprägt worden seien. 

Namibia setzt sich in diesem Zusammenhang weiterhin für Wiedergutmachungsmechanismen und eine internationale Auseinandersetzung mit den Folgen kolonialer Herrschaft ein.

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