China und Gabun haben ihre bilateralen Beziehungen aufgewertet und eine engere Zusammenarbeit zwischen Streitkräften, Sicherheitsbehörden und im Rohstoffsektor vereinbart. Die Entscheidung trafen Chinas Präsident Xi Jinping und Gabuns Präsident Brice Clotaire Oligui Nguema am Freitag, 6. November 2026, in Peking. Beide Staaten wollen ihre militärischen und polizeilichen Kontakte ausbauen und bei Ausbildung, Ausrüstung und Sicherheitstechnologie stärker zusammenarbeiten. Gleichzeitig sollen chinesische Investitionen die Förderung und Verarbeitung gabunischer Bodenschätze sowie den Ausbau der Industrie unterstützen.
Die Präsidenten verständigten sich darauf, ihre bisherige strategische Partnerschaft zu einer sogenannten „Schicksalsgemeinschaft für das neue Zeitalter“ weiterzuentwickeln. Damit erhält die Zusammenarbeit eine zusätzliche politische und sicherheitspolitische Dimension. Grundlage ist eine gemeinsame Erklärung, die den Ausbau der Beziehungen von der Rohstoffwirtschaft über öffentliche Sicherheit bis zur internationalen Diplomatie festlegt.
China und Gabun vereinbaren engere militärische Zusammenarbeit
Die neue Sicherheitskooperation gehört zu den wesentlichen Ergebnissen des Staatsbesuchs. In ihrer gemeinsamen Erklärung verpflichten sich China und Gabun, die Kontakte zwischen ihren Streitkräften sowie den Polizei- und Sicherheitsbehörden zu intensivieren.
Vorgesehen ist eine engere Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Personal, bei technischer Ausrüstung und bei medizinischen Dienstleistungen für die Sicherheitskräfte. Beide Staaten wollen zudem ihre Fähigkeiten im Sicherheitsmanagement ausbauen.
Hierfür unterzeichneten sie ein Kooperationsdokument zur Umsetzung der von Xi Jinping vorangetriebenen Globalen Sicherheitsinitiative. Diese chinesische Initiative soll die internationale sicherheitspolitische Zusammenarbeit auf Grundlage staatlicher Souveränität, gegenseitiger Interessen und eines umfassenden Sicherheitsverständnisses fördern.
Auch die maritime Sicherheit im Golf von Guinea soll stärker berücksichtigt werden. Die Region ist für Gabun wegen seiner Atlantikküste, der Seehandelswege und seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Transport von Rohstoffen von Bedeutung.
Konkrete Angaben zu möglichen chinesischen Waffenlieferungen, gemeinsamen Militäroperationen oder einer dauerhaften Stationierung chinesischer Soldaten enthält die veröffentlichte Vereinbarung nicht.
Huawei soll Gabuns öffentliche Sicherheit technisch unterstützen
Bereits am 5. November hatte Gabun in Shanghai drei Kooperationsvereinbarungen mit dem chinesischen Technologiekonzern Huawei geschlossen.
Eine davon betrifft den Ausbau der öffentlichen Sicherheit durch intelligente Technologien. Nach Angaben der gabunischen Präsidentschaft sollen entsprechende technische Systeme die Sicherheitsbehörden bei ihren Aufgaben unterstützen.
Die beiden weiteren Vereinbarungen betreffen die Digitalisierung öffentlicher Universitäten und die Ausstattung der Universität Brice Clotaire Oligui Nguema mit Lehrmitteln für künstliche Intelligenz.
Damit erstreckt sich die Zusammenarbeit mit Huawei sowohl auf staatliche Sicherheitssysteme als auch auf Bildung und technologische Qualifizierung.
Welche konkreten Technologien im Sicherheitsbereich zum Einsatz kommen sollen, welche Behörden beteiligt sind und welche finanziellen Verpflichtungen sich daraus ergeben, wurde zunächst nicht näher erläutert.
Gabun will Bodenschätze mit chinesischer Hilfe selbst verarbeiten
Neben der Sicherheit steht der Ausbau der Rohstoffpartnerschaft im Zentrum der Vereinbarungen.
China und Gabun unterzeichneten eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit in Geologie und Bergbau. Sie umfasst die Erkundung von Lagerstätten, die Erschließung und Förderung mineralischer Rohstoffe sowie deren industrielle Verarbeitung im Gabun.

Peking sagte zu, Gabun beim Ausbau der gesamten Wertschöpfungskette zu unterstützen. Dazu gehören neben Bergwerken auch Energieanlagen, Transportinfrastruktur, technische Ausbildung und industrielle Produktionskapazitäten.
Die gabunische Regierung verfolgt das Ziel, künftig einen größeren Teil ihrer Bodenschätze im eigenen Land weiterzuverarbeiten. Bislang ist die Wirtschaft stark vom Export von Erdöl, Mangan, Holz und anderen Rohstoffen abhängig.
Präsident Oligui Nguema hatte bereits bei der Internationalen Importmesse in Shanghai am 5. November angekündigt, zusätzliche chinesische Investitionen für den Aufbau eigener Industrien gewinnen zu wollen.
Dabei verwies er insbesondere auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Manganbergbaus, die Eisenerzvorkommen von Belinga und die Sonderwirtschaftszone Nkok.
Chinesische Unternehmen beteiligen sich an Mangan- und Eisenerzprojekten
Mehrere während des Staatsbesuchs geschlossene Vereinbarungen betreffen konkrete Industrie- und Infrastrukturprojekte.
In Shanghai unterzeichneten der gabunische Staat, das zum französischen Bergbaukonzern Eramet gehörende Unternehmen Comilog und der chinesische Konzern Sinohydro eine Absichtserklärung zur Energieversorgung einer geplanten Manganlegierungsfabrik in der Region Libreville.
Sinohydro gehört zum chinesischen Staatskonzern PowerChina. Untersucht werden soll unter anderem, ob das Wasserkraftprojekt Ngoulmendjim den Strombedarf der künftigen Industrieanlage decken kann.
Das Vorhaben knüpft an eine Vereinbarung zwischen Gabun, Eramet und Comilog vom Juli 2026 an, mit der die Verarbeitung von Mangan im Gabun vorangetrieben werden soll.
Hinzu kommen Partnerschaften für das integrierte Eisenerzprojekt Belinga im Nordosten des Landes. Sie betreffen insbesondere den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur, die Produktion von Waggons und die Bereitstellung von Energie.
Die geplanten Transportverbindungen stehen im Zusammenhang mit dem Tiefwasserhafen Kobe-Kobe. Für dessen Entwicklung hatte Gabun bereits im April eine Vereinbarung mit Africa Global Logistics geschlossen.
Die Erschließung von Belinga erfordert erhebliche Investitionen in Verkehrs- und Energieinfrastruktur, da die Lagerstätte bislang nur eingeschränkt an bestehende Transportnetze angebunden ist.
Neue Projekte bei Seltenen Erden und Erdölverarbeitung
Während seines Aufenthalts in China führte Oligui Nguema weitere Gespräche mit Unternehmen, die industrielle Vorhaben im Gabun verfolgen.
Dazu gehört der chinesische Bergbautechnologiekonzern ENFI, der als technischer Partner an der Entwicklung des Rohstoffprojekts Mabounié beteiligt ist. Das Vorkommen enthält unter anderem Niob und Seltene Erden, die in verschiedenen industriellen Anwendungen benötigt werden.
Nach Angaben der gabunischen Präsidentschaft ist eine lokale Verarbeitung der geförderten Rohstoffe vorgesehen. Die Planungen umfassen mehrere Produktionsanlagen sowie die Herstellung unterschiedlicher industrieller Endprodukte.
Auch die Modernisierung der Erdölverarbeitung war Gegenstand der Gespräche. Vertreter der gabunischen Raffineriegesellschaft SOGARA, des chinesischen Anlagenbauers CC7 und des Technologieunternehmens Technip Energies stellten Planungen für eine neue Raffinerie vor.
Nach den vorgestellten Plänen soll der Bau 2027 beginnen und bis 2030 abgeschlossen werden. Die Regierung strebt eine deutlich höhere Raffineriekapazität sowie größere Lagerbestände an Treibstoffen an.
Die Gespräche mit den beteiligten Unternehmen betreffen Projekte in unterschiedlichen Planungsstadien. Nicht für alle Vorhaben wurden bereits endgültige Investitions- und Finanzierungsentscheidungen bekannt gegeben.
China will Handel und Investitionen mit Gabun ausweiten
Xi Jinping stellte Gabun bei den Gesprächen zusätzliche wirtschaftliche Zusammenarbeit in Aussicht. Dabei verwies er auf die seit dem 1. Mai 2026 geltende chinesische Zollbefreiung für Waren aus afrikanischen Partnerstaaten.
China und Gabun wollen diese Regelung nutzen, um den bilateralen Handel auszuweiten und mehr gabunische Produkte auf den chinesischen Markt zu bringen. Besondere Möglichkeiten sehen beide Regierungen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und weiterverarbeiteten Produkten.
Die Staatschefs vereinbarten, die Verhandlungen über ein wirtschaftliches Partnerschaftsabkommen für gemeinsame Entwicklung zügig abzuschließen. Dieses soll die zollrechtlichen Erleichterungen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit langfristig absichern.
Zudem wollen beide Staaten ihre bestehende Investitionsschutzvereinbarung modernisieren. Damit sollen verlässlichere Bedingungen für chinesische Investitionen und bilaterale Wirtschaftsprojekte geschaffen werden.
Zu den weiteren vereinbarten Kooperationsbereichen gehören Landwirtschaft, künstliche Intelligenz, Gesundheitsversorgung, Berufsbildung und der Ausbau industrieller Lieferketten.
Gabun unterstützt Chinas außenpolitische Initiativen
Die Aufwertung der Beziehungen geht über die wirtschaftliche Zusammenarbeit hinaus. Gabun bekräftigte seine Unterstützung für die Ein-China-Politik und die von Xi Jinping vertretenen internationalen Initiativen.
In der gemeinsamen Erklärung sprechen sich beide Regierungen für eine engere Abstimmung bei internationalen und regionalen Fragen aus. Sie betonen die Souveränität der Staaten, die Zusammenarbeit zwischen Ländern des Globalen Südens und eine stärkere Rolle afrikanischer Staaten in internationalen Institutionen.
China wiederum sicherte Gabun Unterstützung bei der Umsetzung seines nationalen Wachstums- und Entwicklungsplans für die Jahre 2026 bis 2030 zu.
Die Zusammenarbeit baut auf diplomatischen Beziehungen auf, die seit 1974 bestehen. Im April 2023 hatten Xi Jinping und der damalige gabunische Präsident Ali Bongo Ondimba bereits eine umfassende strategische Kooperationspartnerschaft vereinbart.
Mit der nun beschlossenen Aufwertung setzen beide Staaten ihre Beziehungen unter Präsident Oligui Nguema fort. Dieser hatte nach dem Militärputsch im August 2023 die Macht übernommen und wurde 2025 zum Präsidenten gewählt.
Im Rahmen seines Staatsbesuchs traf Oligui Nguema neben Xi Jinping auch den chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang. Dieser kündigte an, China wolle seine Zusammenarbeit mit Gabun insbesondere in den Bereichen Bergbau, Infrastruktur, Energie, Landwirtschaft und digitaler Wirtschaft weiter ausbauen.
Während der Gespräche in Peking wurden sechs weitere Kooperationsdokumente unterzeichnet. Sie betreffen unter anderem den Bergbau, industrielle Lieferketten, geologische Ausbildung, wirtschaftliche Zusammenarbeit, den Bau eines Verwaltungsgebäudes für das gabunische Außenministerium und den Austausch zwischen den staatlichen Fernsehanstalten beider Länder.

