Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat gestern in Moskau die namibische Ministerin für internationale Beziehungen und Handel, Selma Ashipala-Musavyi, zu Gesprächen empfangen. Nach Angaben der russischen Seite standen der Ausbau der traditionell freundschaftlichen Beziehungen, eine engere Abstimmung in den Vereinten Nationen sowie neue Projekte in Wirtschaft, Energie und Rohstoffsektoren im Mittelpunkt. Beide Seiten vereinbarten, außenpolitische Konsultationen wieder regelmäßig aufzunehmen und die Arbeit der Russisch-Namibischen Interregierungskommission zu stärken. In der gemeinsamen Pressekonferenz verband Lawrow die bilaterale Agenda mit größeren Linien der Russland-Afrika-Politik, darunter die Vorbereitung eines dritten Russland-Afrika-Gipfels 2026 und Positionen zu Sicherheitsratsreform, Terrorismusbekämpfung und Konflikten in Afrika.
Regelmäßige politische Konsultationen sollen wieder starten
Nach russischer Darstellung bekräftigten Moskau und Windhoek die Absicht, den politischen Dialog zu intensivieren und ihre Koordinierung in der UNO und anderen multilateralen Formaten auszubauen. In der Pressekonferenz sagte Lawrow, beide Seiten hätten fest vereinbart, die Praxis regelmäßiger außenpolitischer Konsultationen wieder aufzunehmen. Diese Konsultationen sollen auf Ebene der stellvertretenden Außenminister sowie der zuständigen Abteilungsdirektoren stattfinden. Lawrow verwies darauf, dass es in diesem Format eine Pause gegeben habe, die unter anderem mit der Covid-19-Pandemie zusammenhing.
Lawrow stellte die Beziehungen als schrittweise wachsende Partnerschaft dar, die auf Gleichberechtigung, Solidarität, gegenseitigem Respekt und Unterstützung beruhen solle. Er erinnerte zudem an historische Unterstützung der Sowjetunion in Namibias Unabhängigkeitskampf und beim Staatsaufbau.
Präsidentin Nandi-Ndaitwah als Bezugspunkt für Vertiefung
Lawrow begrüßte ausdrücklich die Absicht der neuen namibischen Führung, insbesondere von Präsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah, die Beziehungen zu Russland zu vertiefen. Er sprach sich dafür aus, den Dialog auch auf höchster und hoher Ebene auszubauen. Am Ende seiner Ausführungen nahm er zudem eine Einladung nach Namibia an.
Wirtschaftliche Agenda mit Rohstoffen, Energie und Infrastruktur
In der Pressemitteilung wird ein „erhebliches Potenzial“ für substanziellere Ergebnisse in einer gegenseitig vorteilhaften Partnerschaft genannt, vor allem in Handels, Wirtschafts und Investitionsfragen sowie in humanitären Bereichen. Beide Minister unterstrichen die Schlüsselrolle der Russisch-Namibischen Interregierungskommission für handels und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Sie soll die Geschäftskooperation vorantreiben, mit Schwerpunkten auf geologischer Erkundung und Bergbau, Energiewirtschaft, Verkehrsinfrastruktur, Landwirtschaft, Fischerei, Gesundheitswesen, Bildung, Kultur und Tourismus. Zugleich wurde betont, die vertraglich-rechtliche Grundlage der bilateralen Beziehungen weiter zu vervollkommnen.
Lawrow konkretisierte bei der Pressekonferenz, zu den vielversprechenden Feldern gehörten geologische Erkundung, Förderung und Verarbeitung mineralischer Rohstoffe einschließlich Uran, die Energiewirtschaft, der agroindustrielle Komplex und die Fischerei. Er erwähnte außerdem, die namibische Delegation habe Treffen bei der Staatskorporation Rosatom durchgeführt.
Interregierungskommission bereitet 11. Sitzung in Windhoek vor
Während des Moskau-Aufenthalts wurde Ashipala-Musavyi, Ko-Vorsitzende der Interregierungskommission, nach Angaben aus Moskau auch von Juri Trutnew empfangen, dem stellvertretenden Vorsitzenden der russischen Regierung und Bevollmächtigten des Präsidenten im Föderationskreis Ferner Osten. Trutnew leitet den russischen Teil der Kommission. Im Zentrum des Gesprächs standen Vorbereitung und inhaltliche Ausgestaltung der bevorstehenden 11. Sitzung der Kommission in Windhoek.

Lawrow erklärte, die letzte Sitzung habe 2024 in Moskau stattgefunden, die nächste solle in Namibia abgehalten werden. Er sagte, es sollten konkrete Vorschläge erarbeitet werden, auch zur möglichen Ausweitung der Beteiligung russischer Unternehmen an Wirtschafts- und Infrastrukturprojekten in Namibia. Viele Unternehmen hätten Interesse bekundet, Russland werde sie aktiv unterstützen.
Parlamentarische und parteipolitische Vernetzung
Lawrow hob in seiner Darstellung auch die enge Zusammenarbeit zwischen den Parlamenten hervor. Der Föderationsrat Russlands und der Nationalrat Namibias arbeiteten auf Grundlage eines Abkommens zusammen. In beiden Parlamenten gebe es Freundschaftsgruppen, die regelmäßig Besuche austauschten. Russische und namibische Parlamentarier nähmen gegenseitig an Wahlbeobachtungen teil.
Zudem verwies Lawrow auf parteipolitische Kontakte. Er erklärte, die SWAPO habe im Februar 2024 eine Initiative der Partei Geeintes Russland unterstützt, ein Forum von Unterstützern des Kampfes gegen moderne Praktiken des Neokolonialismus einzurichten. Im Zusammenhang damit erwähnte er, dass die UN den 14. Dezember als Internationalen Tag des Kampfes gegen Kolonialismus in allen Formen begehe. Lawrow verband dies mit der These, politische Unabhängigkeit afrikanischer Staaten sei vielfach von wirtschaftlicher Abhängigkeit begleitet geblieben, die sich zuletzt verschärft habe. Er sprach in diesem Kontext von einem „zweiten Erwachen Afrikas“.
Russland-Afrika-Format und dritter Gipfel 2026
Lawrow bewertete die Arbeit des Partnerschaftsforums Russland–Afrika als erfolgreich und sprach von positiven Ergebnissen der zweiten Ministertagung. Er erinnerte an ein Treffen im Dezember in Kairo und betonte die Bedeutung der Vorbereitung eines dritten Russland-Afrika-Gipfels im Jahr 2026. Als Bezugspunkte nannte er die bisherigen Gipfel 2019 in Sotschi und 2023 in Sankt Petersburg.
In der internationalen Einordnung betonte er die aus russischer Sicht gemeinsame Linie in der UNO, darunter die Demokratisierung internationaler Beziehungen und die strikte Anwendung der Prinzipien der UN-Charta, insbesondere Gleichheit aller Staaten. Er sagte zugleich, es gebe Versuche und konkrete Handlungen, die darauf zielten, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene System internationaler Beziehungen zu zerschlagen. Dieses Thema solle beim geplanten Russland-Afrika-Gipfel einen Schlüsselplatz einnehmen.
Sicherheitsratsreform, Afrika-Sitz und multilaterale Themen
Ein weiterer Schwerpunkt war die Reform des Sicherheitsrats. Lawrow erklärte, diese Reform sei überfällig, Russland unterstütze konsequent die Forderungen Afrikas nach einer höheren Präsenz im Sicherheitsrat. Er verwies auf die kollektive Position der Afrikanischen Union, die unverändert russische Unterstützung genieße.
Im Zusammenhang mit multilateralen Initiativen dankte Lawrow Namibia für Unterstützung russischer Vorhaben in der UN, unter anderem zu den Themen Unzulässigkeit der Verherrlichung des Nazismus, Bekämpfung neokolonialer Praktiken, Informationssicherheit, friedliche Nutzung des Weltraums und Abrüstung. Zugleich sagte er, Russland unterstütze seinerseits namibische Initiativen und Kandidaturen in internationalen Gremien. Er erwähnte außerdem Kooperation im Kimberley-Prozess der diamantfördernden und verarbeitenden Länder.
Konflikte in Afrika: Kongo und die Sahara-Sahel Region

In einem „interessierten Meinungsaustausch“ wurden laut Pressemitteilung Fragen der internationalen und afrikanischen Agenda behandelt. Genannt werden multipolare Weltordnung, Terrorismus und Extremismus sowie die Deblockierung regionaler Krisen und Konflikte in Afrika.
Lawrow führte aus, man habe der Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo sowie der Situation in der Sahara–Sahel-Region besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Er führte Schwierigkeiten dort unter anderem auf Versuche außerregionaler Kräfte zurück, Interessen durchzusetzen, sowie auf eine Wiederbelebung terroristischer Aktivitäten in verschiedenen Regionen. Er betonte das Prinzip, Lösungen für afrikanische Probleme sollten von afrikanischen Staaten selbst gesucht werden. Externe Akteure sollten die von Afrikanern erarbeiteten Ansätze respektieren und bei deren praktischer Umsetzung Unterstützung leisten.
In diesem Zusammenhang würdigte er die Afrikanische Union und die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika, deren Mitglied Namibia ist. Russland und Namibia hätten Bereitschaft bekundet, die Zusammenarbeit zwischen Russland und der SADC auszubauen. Lawrow verwies auf ein bestehendes Abkommen zwischen Russland und der SADC und sagte, man habe vereinbart, die Ausarbeitung eines Aktionsplans zur Umsetzung der darin verankerten Grundsätze zu beschleunigen.
Humanitäre Unterstützung und Gesundheitskooperation

Lawrow sagte, Russland sei bereit, Namibia auch weiterhin auf internationalen Plattformen zu unterstützen, unter anderem durch humanitäre Hilfe über das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.
Er nannte Gesundheitswesen als Bereich mit Perspektiven und verwies auf die Ausbildung namibischer Fachkräfte in Russland und früher in der Sowjetunion. Diese Praxis werde fortgesetzt. Zusätzlich erwähnte er Initiativen in Kultur und Sport sowie Perspektiven im Tourismus.