EU kehrt nach Khartum zurück – Abdel Fattah al-Burhan warnt vor Einmischung

Erstmals seit Beginn des Sudan-Krieges sind EU-Botschafter nach Khartum zurückgekehrt. Bei Gesprächen mit Abdel Fattah al-Burhan forderten sie eine Waffenruhe und ein Ende ausländischer Waffenlieferungen.

Botschafter der Europäischen Union haben erstmals seit Beginn des Sudan-Krieges politische Gespräche in Khartum geführt. Am 15. Juni traf die Delegation den Vorsitzenden des Souveränen Rates, Abdel Fattah al-Burhan, dessen Stellvertreter, den Premierminister und weitere Regierungsvertreter. Die EU forderte eine dauerhafte Waffenruhe, offene Korridore für humanitäre Hilfe und ein Ende der Angriffe auf Zivilisten und Infrastruktur. Al-Burhan wies zugleich ausländische Einflussnahme auf den politischen Prozess zurück.

Der Besuch markiert einen weiteren Schritt bei der Rückkehr diplomatischer und staatlicher Strukturen in die sudanesische Hauptstadt. Nach der militärischen Rückeroberung Khartums durch die Armee im Mai 2025 verlegten Regierungsstellen, einzelne Botschaften und Organisationen der Vereinten Nationen ihre Arbeit schrittweise aus Port Sudan zurück.

EU-Botschafter Wolfram Vetter erklärte, die Delegation habe sich ein Bild von der Sicherheitslage, der humanitären Krise und den politischen Bedingungen im Land machen wollen. Die Europäische Union sei bereit, mit allen sudanesischen Seiten über einen Ausweg aus dem Krieg und einen Übergang zu einer unabhängigen, zivilen und demokratischen Ordnung zu sprechen.

Al-Burhan fordert Ende ausländischer Unterstützung für RSF

Al-Burhan stellte den europäischen Diplomaten die Sicht der sudanesischen Armeeführung auf den Krieg dar. Er beschuldigte die paramilitärischen Rapid Support Forces, den Staat, seine Institutionen und die Zivilbevölkerung anzugreifen.

Der Vorsitzende des Souveränen Rates forderte ein Ende der Unterstützung, die ausländische Staaten nach Darstellung Khartums an die RSF leisten. Zugleich erklärte er, dass Gespräche über die politische Zukunft des Landes innerhalb Sudans stattfinden müssten.

„Der politische Prozess ist eine rein sudanesische Angelegenheit, die im Sudan und nach dem Willen des sudanesischen Volkes stattfinden muss“, sagte al-Burhan. Internationale Unterstützung sei willkommen, wenn sie die staatliche Souveränität respektiere und zur Stabilisierung des Landes beitrage.

Damit zieht die Armeeführung eine Grenze zwischen ausländischer Vermittlung und direkter Einflussnahme auf die politische Neuordnung. Die EU unterstützt dagegen einen international begleiteten Prozess, an dem politische Bündnisse, zivile Gruppen und bewaffnete Akteure beteiligt werden sollen.

EU warnt vor Waffen und ausländischen Kämpfern

Vetter kritisierte den illegalen Zustrom von Waffen und ausländischen Kämpfern in den Sudan. Externe Unterstützung verlängere den Krieg und verschärfe das Leid der Bevölkerung.

„Der Konflikt im Sudan untergräbt unmittelbar die Stabilität und Sicherheit der Region und darüber hinaus“, erklärte der EU-Botschafter. Die Europäische Union fordere neue lokale, regionale und internationale Anstrengungen zur Deeskalation und zur Wiederaufnahme eines politischen Übergangs.

Die EU lehnt zudem die Bildung paralleler Regierungsstrukturen ab. Diese Position richtet sich gegen Versuche, in von unterschiedlichen Konfliktparteien kontrollierten Gebieten konkurrierende staatliche Institutionen aufzubauen.

Der Krieg hat den Sudan faktisch in verschiedene militärische Einflusszonen geteilt. Während die Armee Khartum und weite Teile des Nordens und Ostens kontrolliert, verfügen die RSF weiterhin über starke Positionen in Darfur und anderen Landesteilen.

Vorwürfe gegen die Vereinigten Arabischen Emirate

Die sudanesische Regierung wirft den Vereinigten Arabischen Emiraten seit Langem vor, die RSF mit moderner Militärausrüstung und Drohnen zu versorgen. Die Lieferungen sollen nach Darstellung Khartums über den Flughafen Nyala sowie über Landrouten durch Äthiopien, Libyen und den Tschad erfolgen.

Abu Dhabi weist die Anschuldigungen zurück. Die Vorwürfe werden zugleich durch Berichte internationaler Ermittler und Beobachter gestützt, ohne dass die Emirate eine Beteiligung einräumen.

Die Frage ausländischer Unterstützung gehört zu den zentralen Streitpunkten internationaler Friedensbemühungen. Beide Konfliktparteien verfügen über regionale Verbindungen, die ihre militärischen Möglichkeiten und ihre politische Verhandlungsposition beeinflussen.

Die EU fordert deshalb nicht nur eine Waffenruhe zwischen Armee und RSF, sondern auch eine Begrenzung externer Militärhilfe. Nach Vetters Darstellung kann ein politischer Prozess kaum vorankommen, solange Waffen, Geld und Kämpfer weiterhin von außen in das Land gelangen.

Fünfermechanismus bereitet politischen Dialog vor

Die Europäische Union arbeitet gemeinsam mit der Afrikanischen Union, den Vereinten Nationen, der ostafrikanischen Regionalorganisation IGAD und der Arabischen Liga in einem Fünfermechanismus. Das Format soll die Spaltung zwischen politischen Kräften und bewaffneten Gruppen überwinden und einen umfassenden nationalen Dialog vorbereiten.

Anfang Juni führte der Mechanismus Gespräche mit politischen Bündnissen und bewaffneten Gruppen. Dabei verständigten sich Teilnehmer nach Angaben aus dem Vermittlungsprozess grundsätzlich auf die Einrichtung eines Vorbereitungskomitees.

Dieses Gremium soll die Voraussetzungen, die Zusammensetzung und die Arbeitsweise eines politischen Prozesses festlegen. Offen bleibt, welche Kräfte daran teilnehmen und wie zivile Akteure gegenüber den bewaffneten Konfliktparteien eingebunden werden.

Die EU verbindet ihre Unterstützung mit der Forderung nach einer repräsentativen und unabhängigen zivilen Regierung. Al-Burhan betont dagegen, dass Entscheidungen über den Prozess allein bei sudanesischen Akteuren liegen müssten.

Khartum wird wieder politisches Zentrum

Die Rückkehr der europäischen Diplomaten zeigt, dass Khartum nach Monaten der militärischen Kontrolle und Zerstörung wieder stärker zum politischen Zentrum des Landes wird. Die Behörden arbeiten seit der Rückeroberung daran, Verwaltungsgebäude, Verkehrswege und grundlegende Dienstleistungen wiederherzustellen.

Viele Stadtteile sind weiterhin schwer beschädigt. Die Rückkehr staatlicher Einrichtungen und diplomatischer Vertretungen erfolgt deshalb schrittweise und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen.

Während der Gespräche informierte al-Burhan die Delegation über die Sicherheits- und Versorgungslage. Die europäischen Vertreter konzentrierten sich auf den Schutz von Zivilisten, den Zugang zu Hilfsbedürftigen und die Wiederaufnahme politischer Verhandlungen.

Die EU machte ihre weitere Zusammenarbeit von sichtbaren Schritten zur Deeskalation abhängig. Dazu zählen ein belastbarer Waffenstillstand, sichere humanitäre Zugänge und der sofortige Stopp von Angriffen auf die Bevölkerung und zivile Einrichtungen.

Verwandte Beiträge
Mehr lesen

Zentralafrikanische Republik warnt vor übereiltem MINUSCA-Abzug

Zentralafrikanische Republik warnt vor übereiltem MINUSCA-Abzug Die Zentralafrikanische Republik warnt vor einem zu schnellen Rückzug der UN-Friedensmission MINUSCA und fordert zugleich mehr internationale Unterstützung für fragile Staaten. Präsident Faustin-Archange Touadéra sprach am Mittwoch, 23. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York. Kürzungen bei humanitärer Hilfe und Friedenseinsätzen könnten nach seiner Darstellung neue Räume für bewaffnete Gruppen öffnen, während der Krieg im Sudan zusätzlichen Druck auf den Norden seines Landes ausübt. Für die Weltklimakonferenz COP31 verlangt Bangui außerdem mehr Geld für Klimaanpassung und eine Vergütung der Staaten des Kongobeckens für den Schutz ihrer Wälder. Touadéra fordert schrittweisen Rückzug von MINUSCA Touadéra stellte klar, dass sein Land die Verantwortung für seine Sicherheit langfristig selbst übernehmen wolle. Ein Abbau der UN-Mission müsse jedoch „schrittweise“ erfolgen und sich an objektiven, gemeinsam vereinbarten Kriterien orientieren. Ein Zeitplan, der die Sicherheitslage vor Ort nicht berücksichtige, sei aus Sicht der Regierung in Bangui nicht akzeptabel. Die Warnung fällt in eine Phase, in der MINUSCA ihre Präsenz bereits reduziert. Zwischen Januar und Juni 2026 schloss die Mission 21 Stützpunkte in stabilisierten Gebieten sowie drei Außenstellen. Die UN-Sonderbeauftragte Valentine Rugwabiza erklärte vor dem Sicherheitsrat, der schrittweise Übergang von Sicherheitsaufgaben an die zentralafrikanischen Kräfte dürfe die bisherigen Fortschritte nicht gefährden. Finanzierungsengpässe hatten MINUSCA zuvor bereits zu Einschränkungen gezwungen. Ein Bericht des UN-Generalsekretärs hielt fest, dass weniger Personal und geringere finanzielle Spielräume unter anderem die Beweglichkeit der Mission einschränkten und lokale Vermittlungs-, Justiz- und Sicherheitsprogramme reduziert oder verschoben werden mussten. Kürzungen als „grausame Falle“ für fragile Staaten Touadéra verband die Lage seines Landes mit einer breiteren Kritik an sinkender internationaler Unterstützung. Fragile Staaten befänden sich in einer „grausamen Falle“: Sie benötigten Sicherheit, um wirtschaftliche und staatliche Entwicklung zu ermöglichen, gleichzeitig sei Entwicklung eine Voraussetzung für dauerhafte Stabilität. „Fragile Länder im Stich zu lassen, führt nicht zu Einsparungen“, sagte Touadéra. „Man verschiebt lediglich eine Rechnung, die später mit Zinsen bezahlt werden muss.“ Wenn Gesundheitsversorgung, Bildung, Infrastruktur, Energie und Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen zurückgestellt würden, gefährde dies nach seiner Darstellung nicht nur Entwicklungsziele, sondern auch politische Stabilität. Touadéra verwies auf sinkende humanitäre Mittel bei gleichzeitig hoher Ernährungsunsicherheit. Das Welternährungsprogramm stellte für 2025 fest, dass weltweit 266 Millionen Menschen in 47 Ländern und Gebieten von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen waren. Konflikte blieben dabei einer der wichtigsten Treiber. Elf von 14 bewaffneten Gruppen aufgelöst Als Gegenmodell zu einer ausschließlich militärischen Strategie verwies Touadéra auf den Friedensprozess in seinem eigenen Land. Von den 14 bewaffneten Gruppen, die 2019 das Politische Abkommen für Frieden und Versöhnung unterzeichnet hatten, seien inzwischen elf aufgelöst worden. MINUSCA bestätigt diese Zahl. Nach der Auflösung zweier weiterer Organisationen im Oktober 2025 waren elf der ursprünglich 14 Unterzeichner offiziell aufgelöst. „Dem Gegner von gestern die Hand zu reichen, ist kein Zeichen von Schwäche“, sagte Touadéra. „Es ist häufig der sicherste Weg zu einem dauerhaften Frieden.“ Der Präsident erneuerte zugleich seinen Vorschlag für einen globalen Mechanismus zur Konfliktprävention und Vermittlung mit vorhersehbarer Finanzierung. Krieg im Sudan setzt Nordosten des Landes unter Druck Zusätzliche Belastungen entstehen durch den Krieg im benachbarten Sudan. Zehntausende Menschen sind seit Beginn des Konflikts in die Zentralafrikanische Republik geflohen. Besonders betroffen ist Birao im nordöstlichen Verwaltungsgebiet Vakaga. UNHCR registrierte dort Ende 2025 rund 27.000 sudanesische Flüchtlinge im Gebiet Korsi. Für Ende 2026 geht der regionale Flüchtlingsplan von bis zu 50.000 Flüchtlingen aus dem Sudan im gesamten Land aus. Die Einwohnerzahl von Birao hat sich durch die Fluchtbewegung stark erhöht. UN-Organisationen warnten im April, dass die zusätzliche Bevölkerung Wasserversorgung, Gesundheitsdienste und andere ohnehin begrenzte Strukturen belastet. Der regionale Hilfsplan für sudanesische Flüchtlinge in der Zentralafrikanischen Republik war zu diesem Zeitpunkt erst zu elf Prozent finanziert. Touadéra verwies außerdem auf Spannungen zwischen geflüchteten sudanesischen Viehhaltern und lokalen Gemeinschaften um Wasser und Land. Solche Konflikte könnten wiederum von bewaffneten Gruppen ausgenutzt werden, warnte er. Drei Forderungen für COP31 in Antalya Auch die Klimafinanzierung machte Touadéra zu einem Schwerpunkt seiner Rede. Bei der COP31 will die Zentralafrikanische Republik drei Forderungen vertreten. Der Fonds für klimabedingte Verluste und Schäden müsse vollständig funktionsfähig und zugänglich werden. Zugleich dürfe die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen nicht länger gegenüber anderen Teilen der Klimafinanzierung zurückstehen. Als dritten Punkt fordert Bangui eine finanzielle Anerkennung der Leistungen der Staaten des Kongobeckens für den Schutz ihrer Ökosysteme. Touadéra bezeichnete das Kongobecken als die „zweitgrößte Lunge des Planeten“. Die COP31 findet vom 9. bis 20. November 2026 im türkischen Antalya statt. Afrika soll dauerhaft in den Sicherheitsrat Touadéra verband seine Forderungen mit einer erneuten Kritik an der Zusammensetzung des UN-Sicherheitsrats. Die Welt von 2026 könne nicht länger mit den politischen Machtverhältnissen von 1945 repräsentiert werden, erklärte er. Afrika müsse dauerhaft im Sicherheitsrat vertreten sein. Dabei ging Touadéra in seiner Rede allerdings weniger weit als die offizielle gemeinsame Position der Afrikanischen Union. Er sprach von mindestens einem ständigen afrikanischen Sitz. Der Ezulwini-Konsens und die Erklärung von Sirte verlangen mindestens zwei ständige Sitze für Afrika sowie zusätzliche nichtständige Mandate. Die Zentralafrikanische Republik unterstützt zugleich eine stärkere Partnerschaft zwischen Vereinten Nationen und Afrikanischer Union sowie eine vorhersehbare Finanzierung afrikanisch geführter Friedenseinsätze.
Total
0
Share