DR Kongo im Visier eines Netzwerks aus 70 gefälschten Nachrichtenseiten – aus Frankreich

70 Fake-Nachrichtenseiten, mehr als 250 unechte Social-Media-Profile und 318 Beiträge zur DR Kongo: Anthropic legt eine kommerzielle Einflussoperation mit Verbindungen nach Frankreich offen.

Ein kommerzielles Einflussnetzwerk hat nach Erkenntnissen von Anthropic hunderte politisch gefärbte Beiträge zur DR Kongo über gefälschte Nachrichtenseiten und Social-Media-Konten verbreitet. Die Angaben wurden am 10. September 2026 veröffentlicht. Anthropic ordnet die Infrastruktur der in Frankreich ansässigen Digitalagentur LKM Company zu. Allein zur Demokratischen Republik Kongo identifizierte das Unternehmen 318 Beiträge, die meist die Position der Regierung in Kinshasa unterstützten und sich mit Rohstoffabkommen sowie den Spannungen mit Ruanda beschäftigten. 

Tausende Artikel unter erfundenen Medienmarken

Das gesamte Netzwerk bestand aus rund 70 vermeintlichen Nachrichtenseiten und ebenso vielen dazugehörigen Konten auf X. Mehr als 250 weitere unechte Profile kommentierten und verbreiteten die Inhalte.

Mindestens 8.913 Beiträge in ungefähr 20 Sprachen wurden über diese Infrastruktur veröffentlicht. Anthropic zufolge nutzten die Betreiber Claude sowohl zum Verfassen vollständig neuer Texte als auch zur politischen Umgestaltung bereits veröffentlichter journalistischer Beiträge.

Die Artikel erschienen unter Namen erfundener Journalisten. Die verschiedenen Portale sollten wie voneinander unabhängige lokale Redaktionen wirken, liefen technisch jedoch auf einer gemeinsamen Infrastruktur.

318 Beiträge zur DR Kongo

Neben den USA, Brasilien und Frankreich gehörte die DR Kongo zu den wichtigsten Zielmärkten der Kampagne. Die auf das Land zugeschnittenen Artikel unterstützten überwiegend Positionen der kongolesischen Regierung und behandelten unter anderem regionale Rohstoffgeschäfte sowie den Konflikt mit Ruanda. 

Am 11. September 2025 veröffentlichte das Netzwerk nahezu identische Beiträge über den Konflikt zwischen der DR Kongo und Ruanda innerhalb von drei Minuten. Für verschiedene Zielgruppen wurde jeweils die Tonalität verändert, während zahlreiche X-Konten die Links koordiniert verbreiteten.

In der Anfangsphase des Netzwerks stammte nach Anthropic ein großer Teil der gefälschten Profile, die den Seiten folgten, aus dem thematischen Umfeld der DR Kongo. Die speziell auf das Land ausgerichtete Seite entwickelte sich zeitweise zum am stärksten geteilten und populärsten Konto innerhalb der eigenen Infrastruktur.

Auftraggeber bleiben unbekannt

Anthropic bezeichnet das Modell als kommerzielle „Influence-as-a-Service“-Operation. Die Betreiber hätten ihre politischen Positionen je nach Kunde verändert und keine durchgehend erkennbare ideologische Linie verfolgt.

Bei der Kongo-Berichterstattung fand das Unternehmen Hinweise darauf, dass ein oder mehrere Auftraggeber Interessen im Konflikt zwischen der DR Kongo und Ruanda verfolgt haben könnten. Wer diese Kunden waren, konnte Anthropic nicht feststellen. Belege für eine Steuerung durch eine Regierung fand das Unternehmen nicht. 

Die Kampagne erreichte nach der Bewertung von Anthropic überwiegend die eigenen Webseiten und Social-Media-Konten. Ein größerer Durchbruch in authentische Nutzergruppen sei nicht nachgewiesen worden. Das Unternehmen sperrte das beteiligte Konto sowie die damit verbundene Organisation.

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