Auf Hinweis von OpenAI: KI-Fake-Kampagne vor der Wahl 2027 in Kenia gestoppt

Immer 50 Beiträge auf einmal und formuliert wie spontane Bürgermeinungen: Anthropic dokumentiert eine politische KI-Kampagne in Kenia vor der Wahl 2027.

Anthropic hat in Kenia eine KI-gestützte politische Kampagne gestoppt, die koordinierte Botschaften wie spontane Äußerungen gewöhnlicher Nutzer erscheinen lassen sollte. Die Angaben wurden am 10. September 2026 veröffentlicht. Ein einzelner Akteur nutzte Claude wiederholt zur Erstellung von jeweils genau 50 Social-Media-Beiträgen mit pro-regierungsnahen und gegen Oppositionspolitiker gerichteten Botschaften. Hinweise auf eine Beteiligung der kenianischen Regierung fand Anthropic nicht. 

Lob für Energieminister, Angriffe auf Opposition

Ein großer Teil der Beiträge lobte Energieminister Opiyo Wandayi dafür, eine geplante Erhöhung der Stromtarife von Kenya Power verhindert zu haben. Die Kampagne verwendete dabei unter anderem die Hashtags #PowerReliefKE und #PoweringTheNewKenya.

Andere Beiträge behaupteten, das Bündnis der United Opposition zerfalle bereits vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2027. Dabei richteten sich die Botschaften unter anderem gegen Rigathi Gachagua und den früheren Präsidenten Uhuru Kenyatta.

Der Betreiber gab Claude jeweils Themen, politische Aussagen und Hashtags vor. Das Modell sollte daraus 50 unterschiedlich formulierte Beiträge erzeugen, die wie organische Reaktionen aus der Bevölkerung wirkten.

Gleiche Technik auch für kommerzielle Werbung

Anthropic stellte fest, dass der Akteur denselben Produktionsablauf auch zur Werbung für kenianische Einzelhandelsmarken verwendete. Dabei trat er unter einer Marketingidentität mit den Namen „SHANKI“ beziehungsweise „Elkins Marketer“ auf.

Bei einem kommerziellen Auftrag wurde ein Werbebeitrag in vermeintlich spontane Posts umgeschrieben. In regelmäßigen Abständen fügte das System Werbelinks ein.

Für Anthropic deutet diese Überschneidung darauf hin, dass politische und kommerzielle Kommunikation über dieselbe technische Infrastruktur abgewickelt wurden. Das Unternehmen identifizierte jedoch weder die reale Person hinter der Kampagne noch einen konkreten politischen Auftraggeber.

Keine nachgewiesene größere Reichweite

Anthropic stufte die Kampagne in die niedrigste Kategorie seiner sechsstufigen Reichweitenskala ein. Die Aktivität sei im Netzwerk der unechten Konten und lokalen Verstärker auf einer Plattform geblieben. Eine tatsächliche Wirkung auf authentische Nutzer konnte das Unternehmen nicht feststellen. 

Die politische Ausrichtung beschreibt Anthropic als plausibel mit dem Regierungslager vereinbar. Daraus leitet das Unternehmen jedoch ausdrücklich keine Beteiligung staatlicher Stellen oder einer bestimmten Regierungsorganisation ab.

Auf den Vorgang stieß Anthropic nach einem Hinweis von OpenAI über wiederholte Aktivitäten desselben Akteurs auf dessen Plattform. Das Claude-Konto und die zugehörige Organisation wurden anschließend gesperrt.

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