Senegals Präsident Diomaye Faye auf Regierungssuche

Nach Sonkos Entlassung sucht Senegals Präsident Diomaye Faye eine neue Regierung. Ein Treffen mit Ex-Innenminister Antoine Diome sorgt in Dakar für politische Aufmerksamkeit.

Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye hat den früheren Innenminister Antoine Diome im Präsidentenpalast empfangen und setzt damit seine politischen Gespräche nach der Entlassung von Premierminister Ousmane Sonko fort. Das Treffen fand am Samstagmittag in Dakar statt. Es fällt in eine Phase, in der Faye nach der Auflösung der Regierung eine neue Machtarchitektur für Senegal bilden muss.

Die Begegnung wurde zunächst von Dakaractu unter Berufung auf vertrauliche Informationen gemeldet. Eine offizielle Mitteilung des Präsidentenpalastes lag dazu zunächst nicht vor. Diome war unter dem früheren Präsidenten Macky Sall Innenminister und spielte während der politischen Krisen zwischen 2021 und 2023 eine zentrale Rolle im Staatsapparat. 

Gespräche im Schatten der Regierungskrise

Faye hatte Ousmane Sonko am 22. Mai 2026 als Premierminister entlassen und damit zugleich die Regierung aufgelöst. Der Schritt wurde per Dekret vollzogen und durch den Generalsekretär der Präsidentschaft, Oumar Samba Ba, öffentlich gemacht. Die Entlassung erfolgte nach Monaten wachsender Spannungen zwischen den beiden früheren Verbündeten. 

Der Präsident steht nun vor der Aufgabe, einen neuen Premierminister und eine neue Regierung zu bestimmen. Die Gespräche im Präsidentenpalast zeigen, dass Faye seine Optionen über das bisherige Machtgefüge von PASTEF hinaus sondiert. Antoine Diome gehört nicht zum Lager, das Faye und Sonko 2024 an die Macht getragen hatte.

Ein früherer Gegner als Gesprächspartner

Diome war Innenminister in einer Zeit, in der Senegal von schweren innenpolitischen Auseinandersetzungen geprägt war. Die Krisenjahre 2021 bis 2023 standen im Zusammenhang mit den juristischen und politischen Konflikten um Ousmane Sonko. Der damalige Innenminister war Teil der Staatsführung unter Macky Sall, gegen die PASTEF seine Mobilisierung aufgebaut hatte.

Dass Faye ihn nun empfängt, ist deshalb politisch auffällig. Der Präsident muss nach dem Bruch mit Sonko nicht nur eine neue Regierung bilden, sondern auch den Umgang mit Verwaltung, Sicherheitsapparat und Parlament neu ordnen. Konkrete Angaben zum Inhalt des Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt.

Sonkos Partei bleibt Machtfaktor im Parlament

Die Entlassung Sonkos beendet das politische Tandem, das den Machtwechsel von 2024 geprägt hatte. Faye war damals als Kandidat angetreten, nachdem Sonko nicht zur Präsidentschaftswahl zugelassen worden war. Nach dem Wahlsieg ernannte Faye ihn zum Premierminister.

PASTEF bleibt jedoch ein zentraler Machtfaktor. Die Partei verfügt über eine starke Stellung in der Nationalversammlung. Diese Mehrheitsverhältnisse könnte die künftige Regierungsarbeit erschweren, wenn Sonkos Lager auf Konfrontation geht. 

Regierungssuche unter Zeitdruck

Die Auflösung der Regierung verschärft den politischen Druck auf Faye. Senegal steht wirtschaftlich unter Beobachtung internationaler Partner. Das Land steht nach Problemen mit öffentlichen Schulden und einem ausgesetzten IWF-Programm vor schwierigen finanzpolitischen Entscheidungen. 

Die Auswahl des nächsten Premierministers wird damit zu einer Personalentscheidung mit institutioneller Tragweite. Sie bestimmt, ob Faye auf ein engeres Präsidentenlager setzt, Teile von PASTEF einbindet oder neue politische Öffnungen sucht. Das Treffen mit Diome markiert in dieser Lage einen Schritt in der laufenden Sondierung.

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