Deutschland baut seine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Senegal aus und unterstützt das westafrikanische Land beim Aufbau einer Drohnen-Einheit, eines Kompetenzzentrums zur Kampfmittelabwehr und einer Diensthundeschule. Die Vorhaben laufen im Programmzeitraum 2025 bis 2028, im November 2026 soll zudem eine größere Bundeswehrübung im Senegal stattfinden. Für die drei deutschen Ausstattungsprojekte sind insgesamt acht Millionen Euro vorgesehen. Gleichzeitig verstärkt auch die Europäische Union ihre Unterstützung für Grenzschutz und maritime Sicherheit, während sich die Gewalt im benachbarten Mali immer weiter an die senegalesische Grenze heranschiebt.
Senegal gehört seit Jahren zu den stabilsten Staaten Westafrikas. Doch das sicherheitspolitische Umfeld hat sich verändert. Mali, Burkina Faso und Niger werden von Militärregierungen geführt und haben sich aus der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS zurückgezogen. Im Westen Malis operieren inzwischen dschihadistische Gruppen näher an der Grenze zu Senegal als noch vor wenigen Jahren.
Deutschland reagiert darauf bislang nicht mit Waffenlieferungen, sondern vor allem mit Ausbildung, Beratung und technischer Unterstützung. Die Bundeswehr unterhält dafür eine technische Beratergruppe im Senegal.
Acht Millionen Euro für drei Sicherheitsprojekte
Im deutschen Ausstattungshilfeprogramm sind bis 2028 drei Projekte vorgesehen. Senegal soll ein Kompetenzzentrum für Kampfmittelabwehr aufbauen, seine Luftstreitkräfte erhalten Unterstützung beim Aufbau einer Drohnen-Einheit und die bestehende Diensthundeschule soll weiterentwickelt werden.
Die Maßnahmen werden von einer technischen Beratungsgruppe der Bundeswehr begleitet. Solche Teams bestehen in der Regel aus bis zu acht Soldatinnen und Soldaten, die Partnerstreitkräfte ausbilden, beraten und beim Wissenstransfer unterstützen.
Das Programm liegt gemeinsam in der Verantwortung des Auswärtigen Amts und des Verteidigungsministeriums. Es umfasst keine klassischen Rüstungslieferungen. Die bereitgestellte Ausstattung soll nicht letal sein, weshalb ein großer Teil der Ausgaben als öffentliche Entwicklungsleistung Deutschlands angerechnet werden kann.
Auch die geplante Drohnen-Einheit ist damit nicht als Lieferung bewaffneter Kampfdrohnen beschrieben. Welche Fluggeräte und Fähigkeiten konkret aufgebaut werden sollen, wird nicht näher ausgewiesen.
Bundeswehr probt Evakuierung und Geiselbefreiung
Die militärische Zusammenarbeit wird im November sichtbar ausgebaut. Dann soll die Bundeswehr im Senegal die Übung „Schneller Adler 2026“ abhalten.
Dabei geht es nicht in erster Linie um die Verteidigung Senegals, sondern um deutsche Fähigkeiten zur Krisenreaktion. Geübt werden soll, Menschen aus weit entfernten Krisengebieten zu evakuieren oder Geiseln zu befreien.
An der Übung sollen Fallschirmjäger der Saarlandbrigade teilnehmen. Die Operation ist Teil des deutschen nationalen Risiko- und Krisenreaktionsmanagements, für das das Auswärtige Amt politisch und das Operative Führungskommando der Bundeswehr militärisch zuständig sind.
Dakar hatte bereits während der deutschen Einsätze in Mali und Niger eine wichtige logistische Funktion. Für den Rückzug aus Niger richtete die Bundeswehr 2024 vorübergehend einen Luftstützpunkt in Dakar ein. Seit Abschluss des Abzugs wird er nicht mehr betrieben, steht formal aber weiterhin unter Kontrolle der Bundeswehr.
Dschihadistische Gewalt rückt näher an Senegal
Die Sicherheitslage an Senegals Ostgrenze hat sich gleichzeitig verschärft. Besonders im benachbarten Mali weitete die Al-Qaida-nahe Koalition Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin, kurz JNIM, ihre Aktivitäten seit 2025 weit nach Westen aus.
Ein Schwerpunkt liegt rund um die malische Stadt Kayes. Sie befindet sich nur etwa 95 Kilometer von der senegalesischen Grenze entfernt.
Die Region ist auch wirtschaftlich hochsensibel. Etwa 95 Prozent des von Mali benötigten Treibstoffs werden über Senegal eingeführt. Ein zentraler Transportweg führt über die Straße RN1 durch Kayes nach Bamako.
Dschihadisten griffen dort wiederholt senegalesische Lastwagen an, die Treibstoff nach Mali transportierten. Fahrzeuge wurden zerstört. Von Fahrern anderer Waren wurden Abgaben verlangt oder Ladungen beschlagnahmt. Auch die malische Zollstation Diboli, nur rund einen Kilometer von der senegalesischen Grenze und der Stadt Kidira entfernt, wurde angegriffen.
Senegal reagierte bereits im Sommer 2025 mit einer deutlichen Verstärkung von Militär, Gendarmerie und Grenzschutz im Osten.
Bislang ist es den dschihadistischen Gruppen nicht gelungen, ihren Konflikt dauerhaft auf senegalesisches Staatsgebiet zu tragen.
Goldschmuggel schafft zusätzliche Risiken
Hinzu kommt eine Schattenwirtschaft entlang der Grenze. Illegale Goldminen und der Schmuggel von Gold, Drogen und anderen Waren verbinden den Osten Senegals wirtschaftlich mit den Konfliktgebieten in Mali.
Senegalesische Sicherheitskräfte schlossen zwischen Juli 2024 und Juli 2025 nach eigenen Angaben mehr als 60 illegale Goldminen.
Solche Netzwerke können von bewaffneten Gruppen für Finanzierung, Schmuggel und Bewegung über Grenzen hinweg genutzt werden. Die Regierung versucht deshalb, nicht nur ihre militärische Präsenz auszubauen, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung in den Grenzregionen zu stärken.
Dabei greift Dakar auf Erfahrungen aus der Casamance zurück. Der jahrzehntelange Separatistenkonflikt im Süden Senegals hat seit einem Friedensabkommen vom Februar 2025 deutlich an Intensität verloren. Die Regierung setzt dort seit Jahren auch auf Dialog mit lokalen Gemeinschaften und die Reintegration ehemaliger Kämpfer.
EU investiert zusätzlich 25 Millionen Euro in Sicherheit
Deutschland steht mit seinem Engagement nicht allein. Die Europäische Union hat ihre sicherheitspolitische Unterstützung für Senegal ebenfalls ausgeweitet.
Seit Juli 2025 finanziert die EU über die Europäische Friedensfazilität nicht-letale Ausrüstung im Umfang von zehn Millionen Euro. Sie soll insbesondere die Überwachung von Land- und Flussgrenzen sowie Aufklärung und Schutz von Sicherheitskräften verbessern.
Im Mai 2026 beschloss die EU weitere 15 Millionen Euro für die senegalesische Marine. Über drei Jahre sollen damit nicht-letale Ausrüstung, Marineoperationen und Ausbildung unterstützt werden.
Insgesamt sind damit allein über diese beiden EU-Maßnahmen 25 Millionen Euro vorgesehen. Ziel ist sowohl der Schutz vor einem Übergreifen der Sahel-Konflikte als auch eine bessere Kontrolle der Seegebiete vor Westafrika.
Senegal ist gemeinsam mit Cabo Verde, Gambia und Guinea-Bissau für einen Abschnitt der regionalen Sicherheitsarchitektur im Golf von Guinea verantwortlich. Dort geht es unter anderem um Piraterie, Schmuggel und illegale Fischerei.
Frankreich zieht Soldaten ab – andere Partner werden wichtiger
Die Neuordnung der Sicherheitskooperation vollzieht sich nach dem Ende der dauerhaften französischen Militärpräsenz im Senegal. Frankreich gab seine letzten Stützpunkte im Sommer 2025 nach rund 65 Jahren auf.
Paris bleibt dennoch der wichtigste traditionelle Sicherheitspartner des Landes. Auch Spanien verfügt über enge Beziehungen zu den senegalesischen Sicherheitskräften. Ein 2025 erneuertes bilaterales Abkommen umfasst maritime Sicherheit, Cybersicherheit und Katastrophenschutz.
Großbritannien schloss 2024 ebenfalls ein neues Abkommen über militärische Zusammenarbeit. Im Zentrum stehen Luft- und Seestreitkräfte sowie der Kampf gegen Terrorismus, Piraterie, Drogenschmuggel und illegale Fischerei.

Daneben nimmt Senegal regelmäßig an der unter amerikanischer und marokkanischer Führung durchgeführten Großübung „African Lion“ teil. An „African Lion 2026“ waren im Mai mehr als 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus über 40 Ländern beteiligt. Die Bundeswehr nahm in diesem Jahr allerdings nicht teil.
Deutsche Waffenexporte bleiben gering
Im ersten Halbjahr 2025 genehmigte die Bundesregierung zwei Rüstungsexporte im Gesamtwert von lediglich 10.067 Euro. 2024 lag das Volumen bei rund 70.000 Euro. Dabei ging es um Bodengerät und Teile für Kampfflugzeuge.
2023 wurden Genehmigungen über rund 351.000 Euro für Teile von Kommunikationsausrüstung und ballistischen Schutz für Patrouillenschiffe erteilt. Der größte deutsche Rüstungsexport der vergangenen Jahre waren 2022 ballistisch geschützte Geländefahrzeuge im Wert von rund 885.000 Euro.
Eine Genehmigung für Kriegswaffen gab es zuletzt 2020. Damals wurden Teile für Flugkörper im Wert von rund 34.000 Euro genehmigt.
Die senegalesischen Streitkräfte beziehen ihre Ausrüstung überwiegend aus anderen Staaten. Frankreich gehört zu den wichtigsten Lieferanten, daneben kommen Systeme unter anderem aus Südafrika, China, Israel, Indien und Brasilien.
Senegal gewinnt nach den Umbrüchen im Sahel an Gewicht
Senegal verfügt über rund 14.150 aktive Soldaten sowie etwa 5.000 Angehörige der Gendarmerie und weiterer paramilitärischer Einheiten. Mit rund 11.900 Soldaten stellt das Heer den größten Teil der Streitkräfte. Marine und Luftwaffe sind mit etwa 1.500 beziehungsweise 750 Angehörigen deutlich kleiner.
Das Militär gilt im regionalen Vergleich als stark professionalisiert und politisch zurückhaltend. Anders als Mali, Burkina Faso, Niger oder Guinea wurde Senegal seit seiner Unabhängigkeit nie von einer Militärjunta regiert.
Mit dem Austritt Malis, Nigers und Burkina Fasos aus der ECOWAS hat sich zugleich das politische Gewicht Senegals innerhalb der westafrikanischen Gemeinschaft erhöht. Dakar unterhält auch zu den drei Militärregierungen weiterhin Kontakte.
Deutschland und Senegal bezeichnen ihre Beziehungen als eng. Bei Präsident Bassirou Diomaye Fayes Besuch in Berlin im Juni 2026 standen die Sicherheitslage im Sahel und eine Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen ausdrücklich auf der Agenda. Trotz dieser politischen Nähe blieb die direkte militärische Zusammenarbeit bislang vergleichsweise begrenzt. Mit den drei laufenden Ausstattungsprojekten und „Schneller Adler 2026“ bekommt sie nun einen deutlich praktischeren Schwerpunkt.
