Der algerisch-französische Schriftsteller Boualem Sansal will juristisch gegen Algeriens Präsidenten Abdelmadjid Tebboune vorgehen und den Fall vor internationale Gerichte bringen. Am Dienstag bekräftigte Sansal diesen Schritt in einem Interview mit Public Sénat. Zuvor hatte er sich bereits bei einer Veranstaltung in der französischen Nationalversammlung in dieselbe Richtung geäußert. Damit bekommt der Fall eines der bekanntesten Regierungskritiker Algeriens neue politische Brisanz.
Sansal verbindet die angekündigte Klage ausdrücklich mit seinem Verständnis von Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit in Algerien. „Ich kämpfe für mein Land, für die Demokratie in meinem Land, für meine Meinungsfreiheit“, sagte er. Zugleich machte er deutlich, dass es ihm nicht allein um ein Urteil geht, sondern auch um ein politisches und juristisches Signal. „Es ist eine Frage des Prinzips.“
Sansal will Tebboune vor internationale Gerichte bringen

Sansal sagte, er wolle keine Klage in Frankreich anstrengen, sondern internationale Instanzen anrufen. Welche Gerichtsbarkeit am Ende zuständig sein könnte, ließ er offen. Sein Anwalt François Zimeray habe die Unterlagen bereits vorbereitet, sagte der Schriftsteller. Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht, sprach aber vom „richtigen Moment“.
Schon bei seinem Auftritt in der französischen Nationalversammlung hatte Sansal angekündigt, bis zum Äußersten gehen zu wollen. Dort warf er der algerischen Führung vor, ihn mit einer Vielzahl schwerer Anschuldigungen überzogen zu haben, darunter Terrorismus, Spionage und Gefährdung der Staatssicherheit. „Ich werde Herrn Tebboune verklagen, denn er ist es, der mich verurteilt hat“, sagte er dort. Sansal kündigte an, er wolle „bis zum Ende“ gehen.
Sansal schildert Haft als bleibende Belastung
Fünf Monate nach seiner Freilassung beschreibt Sansal die Folgen der Haft als schwerwiegend. Im Interview sprach er von körperlichen und psychischen Belastungen. Er stehe weiter unter medizinischer Beobachtung und werde regelmäßig behandelt.
Besonders deutlich fiel seine Kritik an den Umständen seiner Entlassung aus. Sansal sagte, er habe keine Begnadigung gewollt, sondern einen neuen Prozess mit internationalen Beobachtern. Eine Begnadigung hebe die Verurteilung nicht auf, argumentierte er. Deshalb gelte er in Algerien aus seiner Sicht weiterhin als verurteilter Straftäter.
Zugleich erklärte er, ihm drohten weiterreichende Konsequenzen wie der Verlust seines Passes oder seines Eigentums in Algerien.
Schwere Vorwürfe gegen die algerische Justiz
Sansal wirft den algerischen Behörden seit längerem vor, ihn politisch verfolgt zu haben. Er sagt, er habe kein echtes Verfahren mit Anwälten und internationalen Beobachtern erhalten. Er war mehr als ein Jahr in Algerien inhaftiert und wurde 2025 zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im November kam er frei auf Bitte des Bundespräsidenten Steinmeier frei.
Der Fall ist auch deshalb heikel, weil Algerien seit Jahren wegen des Umgangs mit Kritikern, Journalisten und Dissidenten unter Druck steht. Immer wieder gibt es den Vorwurf, dass schwere Straftatbestände wie Terrorismus oder Spionage genutzt werden, um abweichende Stimmen mundtot zu machen.
Freilassung beendete den Konflikt nicht
Für Sansal ist der Fall mit seiner Freilassung offenkundig nicht abgeschlossen. Er dankte zwar Unterstützern und internationalen Vermittlern, machte aber zugleich klar, dass er den juristischen und politischen Konflikt weiterführen will. Selbst ein mögliches Scheitern der Klage hält ihn nach eigenen Worten nicht davon ab. „Man greift an, und wenn man abgewiesen wird, sucht man einen anderen Weg.“

