Smara-Angriff bringt Polisario international unter Druck

Ein Angriff auf Smara verschärft den Westsahara-Konflikt: UN, USA und EU verurteilen die Eskalation, während Washington neue Gespräche zwischen den Konfliktparteien vorantreibt.

Der von der Polisario-Front reklamierte Angriff auf Smara hat internationale Reaktionen ausgelöst und den diplomatischen Druck im Westsahara-Konflikt erhöht. Die Projektilangriffe ereigneten sich am 5. Mai 2026. Die Vereinten Nationen, die US-Mission bei den Vereinten Nationen und Vertreter der Europäischen Union warnten vor einer Eskalation und verwiesen auf den laufenden politischen Prozess. Die neue Spannung fällt in eine Phase, in der Washington seine Bemühungen um eine politische Lösung unter UN-Dach verstärkt.

UN warnen vor militärischer Eskalation

Die UN-Mission MINURSO äußerte nach den Angriffen auf Smara tiefe Sorge über Beschuss in zivilen Gebieten. Staffan de Mistura, persönlicher Gesandter des UN-Generalsekretärs für die Westsahara, unterstützte diese Einschätzung nach Angaben von UN-Sprecher Stéphane Dujarric.

De Mistura erklärte, jetzt sei eine Zeit für Dialog und Verhandlungen, nicht für militärische Eskalation. Solche Angriffe zeigten die Dringlichkeit, zur Waffenruhe zurückzukehren und über eine dauerhafte, gegenseitig akzeptable politische Lösung zu verhandeln.

Nach übereinstimmenden Berichte wurden drei Projektile aus Gebieten östlich des marokkanischen Verteidigungswalls abgefeuert. Zwei schlugen im Umfeld der örtlichen Haftanstalt von Smara ein, ein drittes in der Zone Akouiz hinter dem Friedhof der Stadt. Größere materielle Schäden wurden nicht gemeldet. Lokale Medien berichteten später, eine Frau sei verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden.

Washington spricht von Gefahr für regionale Stabilität

Die US-Mission bei den Vereinten Nationen verurteilte die Angriffe der Polisario-Front auf Smara. In einer Erklärung hieß es, diese Gewalt bedrohe die regionale Stabilität und die Fortschritte auf dem Weg zum Frieden. Die Angriffe seien nicht mit dem Geist der jüngsten Gespräche vereinbar.

Washington verwies zugleich auf die Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrats. Die US-Mission erklärte, die marokkanische Autonomieinitiative zeige einen Weg zum Frieden in der Westsahara. Der Status quo könne nicht fortbestehen.

Auch die US-Botschaft in Algerien teilte die Erklärung erneut und schrieb, die aktuelle Lage in der Westsahara diene niemandem und könne nicht andauern. Damit richtete Washington seine Botschaft auch an ein diplomatisches Umfeld, in dem Algerien als zentraler Unterstützer der Polisario-Front gilt.

EU-Vertreter verweist auf marokkanischen Autonomieplan

Der Botschafter der Europäischen Union in Marokko, Dimiter Tzantchev, verurteilte den Angriff ebenfalls. Er erklärte, jetzt sei nicht die Zeit für Eskalation, sondern für Verhandlungen gemäß der Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrats.

Tzantchev nannte den marokkanischen Autonomieplan als Grundlage für eine gerechte, dauerhafte und gegenseitig akzeptable Lösung im Einklang mit der UN-Charta. Die EU-Vertretung in Marokko verbreitete die Erklärung auch auf Arabisch.

Die Reaktionen aus Washington, New York und Brüssel treffen die Polisario-Front in einem Moment, in dem der politische Prozess wieder stärker in Bewegung geraten ist. Die Angriffe auf Smara stehen damit nicht nur für eine Sicherheitslage vor Ort, sondern auch für eine Verschärfung der diplomatischen Auseinandersetzung um den weiteren Umgang mit dem Konflikt.

US-Diplomatie setzt auf neuen Verhandlungsrahmen

Die spanische Zeitung El País berichtete von intensiven diplomatischen Bemühungen der Vereinigten Staaten, den politischen Prozess zur Westsahara wiederzubeleben. Washington solle im Mai eine neue Gesprächsrunde ausrichten, um die Umsetzung der Resolution 2797 voranzubringen.

Die Zeitung berichtete außerdem von nicht öffentlichen Kontakten zwischen Rabat und Algier unter amerikanischer Vermittlung. Ziel sei ein Rahmenabkommen vor Oktober, das direkte Verhandlungen auf Grundlage der marokkanischen Autonomieinitiative ermöglichen könnte. Die Bewegung fällt mit einer regionalen Reise von Christopher Landau, dem stellvertretenden US-Außenminister, nach Algerien und Marokko zusammen.

Der UN-Sicherheitsrat hatte Ende April die Arbeit der MINURSO im Rahmen einer strategischen Überprüfung seiner Missionen behandelt. Vor der nächsten Mandatsentscheidung im Oktober steht damit auch die Zukunft der Mission im Raum. Die jährlichen Kosten wurden in den vorliegenden Berichten mit rund 58 Millionen Euro beziffert.

Polisario reklamiert Angriff für sich

Die Polisario-Front reklamierte die drei Schüsse auf Smara in einer eigenen Erklärung. Sie sprach von einem gezielten Beschuss rückwärtiger feindlicher Stellungen am Stadtrand und behauptete, es habe erhebliche Verluste gegeben. Diese Darstellung wurde durch vor Ort nicht bestätigt.

Eine MINURSO-Gruppe begab sich nach dem Angriff an die Einschlagsorte, um die Projektile zu untersuchen und Daten zu dem Vorfall zu sammeln. Sicherheitskräfte in Smara sicherten die betroffenen Bereiche und suchten nach Fragmenten.

Smara war bereits in den vergangenen Jahren Ziel ähnlicher Angriffe. Im Oktober 2023 hatte ein von der Polisario-Front reklamierter Angriff einen Toten und mehrere Verletzte in Wohngebieten der Stadt zur Folge.

Sahrauische Organisationen kritisieren Eskalation

Die NGO Ligue des partisans de l’autonomie dans les provinces du Sud verurteilte den Angriff als Angriff auf die Stabilität der Region. Die Organisation warf der Polisario-Front vor, Bemühungen zur Deeskalation zu untergraben, während der Konflikt international wieder stärker verhandelt werde.

Die Organisation machte auch Algerien verantwortlich und warf Algier vor, Spannungen zu nähren und die Polarisierung über die Unterstützung der Polisario-Front zu verstärken. Mehrere sahrauische Akteure sehen in den militärischen Aktionen ein Hindernis für eine politische Lösung.

Salek Rahal, Sprecher der Bewegung „Sahraouis pour la paix“, verwies auf die hohe Vertraulichkeit der aktuellen diplomatischen Kontakte. Diese Diskretion könne den Parteien ermöglichen, ohne öffentlichen Druck Zugeständnisse zu prüfen. Er sah darin ein Zeichen für eine ernsthafte amerikanische Vermittlung auf Grundlage der Resolution 2797.

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