Ausländische Vollzeitbeschäftigte verdienen in Deutschland im Median mehr als 1.000 Euro brutto weniger im Monat als Beschäftigte mit deutscher Staatsangehörigkeit. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 betrug der Abstand 1.038 Euro. Während Deutsche auf ein mittleres Bruttomonatsentgelt von 4.396 Euro kamen, waren es bei ausländischen Beschäftigten 3.358 Euro. Damit lag ihr Medianentgelt 23,6 Prozent niedriger.
Der Abstand hat sich innerhalb eines Jahres weiter vergrößert. Ende 2024 lag der Median bei 4.177 Euro für Deutsche und 3.204 Euro für Ausländer. Die Differenz betrug damals 973 Euro oder 23,3 Prozent. Die Zahlen stammen aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit und wurden von der Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion veröffentlicht.
Ausländer deutlich häufiger im unteren Entgeltbereich
Noch größer ist der Unterschied beim Anteil der Beschäftigten mit niedrigen Einkommen. Von den rund 3,81 Millionen ausländischen Vollzeitbeschäftigten der ausgewerteten Kerngruppe verdienten Ende 2025 rund 1,17 Millionen weniger als 2.811 Euro brutto im Monat. Das entspricht 30,6 Prozent.
Unter den deutschen Beschäftigten lag dieser Anteil bei 12,3 Prozent. Von rund 17,82 Millionen Vollzeitbeschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit befanden sich etwa 2,19 Millionen im unteren Entgeltbereich. Die Bundesagentur für Arbeit setzt dessen Grenze entsprechend einer OECD-Abgrenzung bei weniger als zwei Dritteln des Medianentgelts aller betrachteten Vollzeitbeschäftigten an.
Die Statistik erfasst sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte einer sogenannten Kerngruppe. Auszubildende und Beschäftigte, für die gesetzliche Sonderregelungen gelten, werden dabei nicht berücksichtigt. Die Zahlen beziehen sich auf die Staatsangehörigkeit und nicht auf den Geburtsort oder einen möglichen Migrationshintergrund.
Große Unterschiede zwischen einzelnen Staatsangehörigkeiten
Hinter dem Durchschnitt für ausländische Beschäftigte stehen erhebliche Unterschiede. Besonders hohe Medianentgelte erreichten 2025 Beschäftigte mit indischer Staatsangehörigkeit. Ihr mittleres Bruttomonatsentgelt lag bei 5.445 Euro und damit 1.049 Euro oder 23,9 Prozent über dem Wert deutscher Beschäftigter. Auch Beschäftigte aus China und Taiwan lagen mit 5.065 beziehungsweise 5.395 Euro über dem deutschen Median.
Deutlich darunter lagen dagegen unter anderem Beschäftigte aus Rumänien mit 2.912 Euro, Vietnam mit 2.928 Euro und der Ukraine mit 2.825 Euro. Bei ukrainischen Staatsangehörigen betrug der Abstand zu Deutschen 1.571 Euro oder 35,7 Prozent.
Auch innerhalb Afrikas unterscheiden sich die Einkommen erheblich. Für Beschäftigte aus den fünf erfassten nordafrikanischen Staaten Ägypten, Tunesien, Marokko, Libyen und Algerien lag der Median zusammen bei 3.800 Euro. Das waren 596 Euro oder 13,6 Prozent weniger als bei deutschen Beschäftigten.
Ägyptische Staatsangehörige erreichten mit 4.563 Euro sogar ein um 167 Euro höheres Medianentgelt als Deutsche. Tunesier kamen auf 3.995 Euro. Bei Marokkanern lag der Median bei 3.464 Euro, bei Algeriern bei 3.445 Euro und bei Libyern bei 3.622 Euro.
Besonders große Abstände bei Somalia und Nigeria
Deutlich niedriger lagen die Einkommen bei mehreren afrikanischen Staatsangehörigkeiten, die von der Bundesregierung gemeinsam mit weiteren Staaten als Top-8-nichteuropäische Asylherkunftsländer ausgewertet werden.
Beschäftigte mit somalischer Staatsangehörigkeit erzielten 2025 ein Medianentgelt von 2.798 Euro. Damit lagen sie 1.598 Euro oder 36,4 Prozent unter dem Median deutscher Beschäftigter. Für Nigerianer wurden 2.964 Euro ausgewiesen, ein Abstand von 1.432 Euro oder 32,6 Prozent. Eritreische Beschäftigte kamen auf 2.980 Euro und damit 1.416 Euro weniger als Deutsche.

Auch der Anteil niedriger Einkommen ist in diesen Gruppen hoch. 50,9 Prozent der somalischen Vollzeitbeschäftigten lagen Ende 2025 unterhalb der Schwelle des unteren Entgeltbereichs. Bei Nigerianern waren es 42,2 Prozent und bei Eritreern 39,7 Prozent. Unter syrischen Beschäftigten betrug der Anteil 49,4 Prozent.
Bei nordafrikanischen Staatsangehörigen lag der Anteil insgesamt deutlich niedriger bei 21,5 Prozent. Für Marokkaner weist die Statistik 27,2 Prozent aus, für Algerier 28,2 Prozent, für Libyer 31,4 Prozent, für Ägypter 17,9 Prozent und für Tunesier 15,4 Prozent.
Unterschiede bleiben auch innerhalb von Tätigkeitsniveaus
Die Einkommensunterschiede verschwinden nicht vollständig, wenn Beschäftigte nach dem Anforderungsniveau ihrer Tätigkeit betrachtet werden. Von den ausländischen Vollzeitbeschäftigten, die als Fachkräfte eingestuft waren, verdienten rund 1,3 Millionen beziehungsweise 70 Prozent weniger als das Medianentgelt deutscher Fachkräfte von 4.009 Euro.
Bei ausländischen Beschäftigten in Helfertätigkeiten lag dieser Anteil ebenfalls bei 70 Prozent. Unter den als Spezialisten eingestuften ausländischen Beschäftigten verdienten 58 Prozent weniger als der deutsche Median ihrer Vergleichsgruppe. Bei Experten waren es ebenfalls 58 Prozent.
Bei Fachkräften aus einzelnen Asylherkunftsländern sind die Abstände besonders verbreitet. 86,1 Prozent der somalischen Fachkräfte lagen unter dem Median deutscher Fachkräfte. Bei syrischen Fachkräften waren es 88,3 Prozent, bei irakischen 89,1 Prozent, bei eritreischen 84,8 Prozent und bei nigerianischen 78,4 Prozent.
Die vorgelegten Daten zeigen allerdings keine Lohnunterschiede zwischen Deutschen und Ausländern bei identischer Tätigkeit, Qualifikation, Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit. Sie vergleichen die jeweiligen Medianentgelte nach Staatsangehörigkeit und verschiedenen statistischen Gruppen. Aus den Zahlen allein lässt sich deshalb nicht ableiten, welcher Anteil der Unterschiede auf Branchen, Berufe, Qualifikation, Berufserfahrung oder andere Faktoren zurückgeht.

