Der Parti Authenticité et Modernité (PAM) hat bei der marokkanischen Parlamentswahl nach vorläufigem Ergebnis mit 97 Sitzen die meisten Mandate gewonnen. Die Ergebnisse wurden in der Nacht zum Donnerstag, 24. September 2026, vom Innenministerium bekanntgegeben. Der bisher führende Rassemblement National des Indépendants (RNI) kommt auf 66 Sitze, Istiqlal auf 65 und der Parti de la Justice et du Développement (PJD) auf 54. Mit Karim Zidane und Mustapha Lakhsem ziehen zugleich zwei Politiker mit enger Deutschland-Biografie in die Abgeordnetenkammer ein.
PAM übernimmt die Spitzenposition
Der PAM verbessert sich gegenüber der Wahl von 2021 von 87 auf 97 Sitze. Der RNI, der die bisherige Regierung als liberal-konservative Kraft angeführt hatte, fällt dagegen von 102 auf 66 Mandate zurück. Die nationalistische Istiqlal erreicht 65 Sitze nach 81 im Jahr 2021.
Deutlich verändert hat sich auch die Position des PJD. Die islamisitsch-geprägte Partei, die Marokko vor 2021 ein Jahrzehnt lang an der Regierung geführt hatte, erhöht ihre Zahl der Abgeordneten von 13 auf 54.
Dahinter folgen der Mouvement Populaire mit 29 Sitzen, die sozialistische USFP mit 26, die PPS mit 19 und die Union Constitutionnelle mit 17. Der Mouvement Démocratique et Social, für den Mustapha Lakhsem kandidierte, erhält acht Mandate.
Die Abgeordnetenkammer umfasst 395 Sitze. Für eine absolute Mehrheit sind damit 198 Mandate erforderlich. PAM, RNI und Istiqlal, die bereits die bisherige Regierungskoalition bildeten, kommen zusammen rechnerisch auf 228 Sitze.
Wahlbeteiligung fällt auf rund 38 Prozent
Die Wahlbeteiligung erreichte nach dem vorläufigen Gesamtergebnis 38,08 Prozent. 2021 hatte sie noch bei rund 51 Prozent gelegen. Knapp sechs Millionen der 15,8 Millionen registrierten Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.
Das Innenministerium hatte unmittelbar nach Schließung der Wahllokale zunächst eine Beteiligung von 38,02 Prozent gemeldet. Mit der weiteren Auszählung wurde die Quote geringfügig auf 38,08 Prozent korrigiert.
Regional gab es erhebliche Unterschiede. Das Innenministerium meldete für Laâyoune-Sakia El Hamra eine Beteiligung von 77 Prozent, für Dakhla-Oued Eddahab 61 Prozent und für Guelmim-Oued Noun 53,48 Prozent.
Karim Zidane gewinnt Mandat in Youssoufia
Aus deutscher Sicht gehört Karim Zidane zu den auffälligsten Gewinnern auf Kandidatenebene. Der amtierende Investitionsminister trat für den RNI im Wahlkreis Youssoufia an und sicherte sich nach marokkanischen Medienberichten ein Parlamentsmandat.
Zidane lebte mehr als drei Jahrzehnte in Deutschland. Er studierte unter anderem in Aachen und München und arbeitete anschließend viele Jahre als Maschinenbauingenieur beim Automobilhersteller BMW.

Seit Oktober 2024 ist Zidane Minister für Investitionen, Konvergenz und die Evaluierung öffentlicher Politiken. Sein beruflicher Weg in Deutschland spielte auch während seiner späteren politischen Laufbahn eine Rolle bei den Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern.
Mustapha Lakhsem zieht für MDS ins Parlament ein
Ebenfalls mit Deutschland eng verbunden ist Mustapha Lakhsem. Der frühere Kampfsportler gewann nach vorläufigen Ergebnissen im Wahlkreis Sefrou mit 15.082 Stimmen die meisten Stimmen. Der zweitplatzierte PAM-Kandidat kam auf 8.796 Stimmen.
Lakhsem wurde am 19. September 1972 im hessischen Hanau geboren und wuchs in Deutschland auf. Bekannt wurde er zunächst als Kampfsportler. Er gewann Weltmeistertitel im Kickboxen, Full-Contact und Savate und trug den Spitznamen „The Helicopter“.
Nach dem Ende seiner Sportkarriere verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend nach Marokko. Im September 2021 wurde er zum Vorsitzenden des Gemeinderats von Imouzzer Kandar in der Provinz Sefrou gewählt.

Bei der Parlamentswahl 2026 trat er für den Mouvement Démocratique et Social an. Die Partei erhielt landesweit acht Sitze. Für Lakhsem bedeutet das Ergebnis den Einzug in die nationale Abgeordnetenkammer nach mehreren früheren Anläufen auf ein Parlamentsmandat.
Verfassung gibt Partei mit den meisten Sitzen den ersten Zugriff
Nach Artikel 47 der marokkanischen Verfassung ernennt der König den Regierungschef aus der Partei, die bei der Wahl zur Abgeordnetenkammer die meisten Sitze erzielt hat. Die Mitglieder der Regierung werden anschließend auf Vorschlag des Regierungschefs ernannt.
Das vorläufige Ergebnis verschiebt damit das Kräfteverhältnis innerhalb der bisherigen Regierungsmehrheit. Der PAM liegt erstmals vor RNI und Istiqlal, während der PJD seine parlamentarische Präsenz von 13 auf 54 Sitze ausbaut.
