China schickt Sondergesandte nach Äthiopien und Eritrea – Spannungen am Roten Meer nehmen zu

China schaltet sich diplomatisch in die Spannungen am Horn von Afrika ein. Sondergesandte sollen Äthiopien, Eritrea, Dschibuti und Ägypten besuchen, während die Gefahr einer militärischen Konfrontation am Roten Meer wächst.

China startet eine diplomatische Initiative am Horn von Afrika und entsendet zwei Sonderbeauftragte nach Äthiopien, Eritrea, Dschibuti und Ägypten, um regionale Spannungen abzubauen und Friedensgespräche zu fördern. Das chinesische Außenministerium konkretisierte die geplanten Reisen am Montag, dem 2. November 2026, für die erste Novemberhälfte. Die Initiative fällt in eine Phase wachsender militärischer Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea, die inzwischen auch den UN-Sicherheitsrat beschäftigen. Gleichzeitig versucht Peking, diplomatisch auf die Konflikte im Nahen Osten und die Sicherheitskrise am Roten Meer einzuwirken.

Außenamtssprecherin Mao Ning erklärte in Peking, Chinas Sonderbeauftragter für afrikanische Angelegenheiten, Liu Xianfa, werde Anfang bis Mitte November Äthiopien, Dschibuti und Ägypten besuchen. Der Sondergesandte für das Horn von Afrika, Hu Changchun, soll bereits Anfang November nach Eritrea reisen.

Parallel ist eine weitere diplomatische Mission in den Nahen Osten vorgesehen. Der chinesische Sondergesandte Zhai Jun wird Iran, Oman und Saudi-Arabien besuchen.

Die Reisen sollen nach Angaben des Außenministeriums dazu beitragen, Friedensgespräche voranzubringen, Spannungen zu verringern und die regionale Stabilität zu unterstützen. Einzelheiten zu geplanten Treffen, möglichen Vermittlungsvorschlägen oder konkreten Verhandlungsformaten veröffentlichte Peking zunächst nicht.

Äthiopien und Eritrea stehen erneut vor militärischer Konfrontation

Die chinesische Initiative trifft auf einen schweren Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea. Beide Nachbarstaaten haben ihre diplomatischen Beziehungen Anfang Oktober abgebrochen und werfen sich gegenseitig militärische Aggressionen vor.

Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos beschuldigte Eritrea in einem Schreiben vom 9. Oktober an den UN-Sicherheitsrat, bewaffnete Einheiten auf äthiopisches Staatsgebiet entsandt und aufständische Gruppen unterstützt zu haben. Addis Abeba berief sich dabei ausdrücklich auf sein Recht zur Selbstverteidigung.

Eritreas Außenminister Osman Saleh wies die Vorwürfe zurück. Er beschuldigte seinerseits die äthiopische Regierung, einen Angriff auf Eritrea vorzubereiten und einen gewaltsamen Zugang zum Roten Meer anzustreben.

Die Spannungen konzentrieren sich insbesondere auf die nordäthiopische Region Tigray. Dort waren im Oktober erneut Kämpfe ausgebrochen. Berichte über eritreische Truppenbewegungen und äthiopische Militäroperationen verstärkten die Befürchtungen einer direkten Auseinandersetzung zwischen beiden Staaten.

Im Zentrum des Konflikts steht auch Äthiopiens Forderung nach einem gesicherten Zugang zum Roten Meer. Seit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 besitzt Äthiopien keine eigene Meeresküste mehr. Die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed betrachtet den Zugang zum Meer als strategisches nationales Interesse. Eritrea sieht darin eine mögliche Bedrohung seiner territorialen Souveränität.

Ägypten und Dschibuti spielen Schlüsselrollen am Roten Meer

Die Reiseroute des chinesischen Afrikabeauftragten Liu Xianfa umfasst neben Äthiopien auch Dschibuti und Ägypten. Beide Länder haben unmittelbare Interessen an der Sicherheit und politischen Ordnung des Roten Meeres.

Dschibuti liegt am südlichen Eingang des Roten Meeres, nahe der Meerenge Bab al-Mandab. Das Land ist für Äthiopien zugleich der wichtigste Zugang zum internationalen Seehandel. Außerdem unterhalten mehrere ausländische Streitkräfte dort Militärstützpunkte, darunter China.

Ägypten kontrolliert den Suezkanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet. Die Sicherheit dieser Verbindung ist für den ägyptischen Staat von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung.

Kairo steht zudem seit Jahren mit Äthiopien im Streit über die Nutzung des Nilwassers und den äthiopischen Renaissance-Staudamm. Gleichzeitig lehnt Ägypten gemeinsam mit Eritrea eine Ausweitung äthiopischer Ansprüche auf das Rote Meer ab.

Anfang Oktober bekräftigten Ägypten, Eritrea, Sudan und Somalia in einer gemeinsamen Erklärung, dass die Verantwortung für die politische und sicherheitspolitische Ordnung des Roten Meeres bei dessen Küstenstaaten liegen müsse. Das Binnenland Äthiopien war an dieser Erklärung nicht beteiligt.

Mit den geplanten Besuchen spricht China damit sowohl die unmittelbar am äthiopisch-eritreischen Konflikt beteiligten Regierungen als auch zwei weitere Staaten mit zentralen Interessen an der regionalen Sicherheitsordnung an.

China verbindet seine Afrikadiplomatie mit Gesprächen im Nahen Osten

Die parallelen Reisen chinesischer Diplomaten nach Afrika und in den Nahen Osten fallen in eine Phase zunehmender sicherheitspolitischer Verflechtungen zwischen beiden Regionen.

Angriffe der Huthi-Miliz im Jemen und die militärischen Spannungen zwischen Iran und seinen regionalen Gegenspielern beeinträchtigen die Sicherheit der Seewege zwischen dem Indischen Ozean und dem Mittelmeer.

Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet dabei die Konflikträume auf beiden Seiten des Roten Meeres. Störungen des Schiffsverkehrs betreffen auch Handelsverbindungen zwischen Europa, Asien und afrikanischen Staaten.

China ist am Horn von Afrika wirtschaftlich und sicherheitspolitisch stark engagiert. Das Land unterhält in Dschibuti einen militärischen Stützpunkt und investiert seit Jahren in Infrastruktur, Verkehr und Handel in der Region.

Mit den angekündigten Reisen will Peking nach Darstellung des Außenministeriums die von Präsident Xi Jinping formulierten außenpolitischen Initiativen zur Konfliktlösung in Afrika und im Nahen Osten voranbringen.

Afrikanische Friedensinitiativen stehen vor Koordinierungsproblemen

Die chinesische Diplomatie trifft auf zahlreiche bereits bestehende Vermittlungsbemühungen. Neben der Afrikanischen Union und der ostafrikanischen Regionalorganisation IGAD sind unter anderem die UN, die Europäische Union und mehrere europäische Staaten am Horn von Afrika diplomatisch aktiv.

Der südafrikanische Sicherheitsforscher Moses Chrispus Okello vom Institute for Security Studies (ISS) kritisierte in einer am 21. Oktober veröffentlichten Analyse, dass die steigende Zahl internationaler Sondergesandter bislang nur begrenzte Fortschritte bei der Konfliktlösung gebracht habe.

Nach seiner Einschätzung fehlt es vor allem an einer abgestimmten regionalen Sicherheitsstrategie, die sowohl die Konflikte innerhalb der ostafrikanischen Staaten als auch die Entwicklungen auf der arabischen Seite des Roten Meeres berücksichtigt.

Während die Afrikanische Union und IGAD überwiegend auf Vermittlung setzen, bauen mehrere Staaten des Nahen Ostens ihre militärischen Sicherheitskooperationen aus. Dazu zählen neue Abkommen unter Beteiligung Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans sowie eine multinationale maritime Sicherheitskoalition.

Eritrea hat sich im Dezember 2025 aus IGAD zurückgezogen. Damit fehlt der Regionalorganisation ein weiterer direkter Zugang zu einem der wichtigsten Konfliktakteure am Roten Meer.

China hat bislang keine Angaben dazu gemacht, ob seine Sonderbeauftragten einen gemeinsamen Verhandlungsprozess zwischen Äthiopien und Eritrea anstoßen oder ihre Gespräche mit den bestehenden Initiativen der Afrikanischen Union und anderer internationaler Vermittler abstimmen sollen.

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