Marokko: König Mohammed VI. ernennt neue Regierung unter Premierministerin El Mansouri

Marokko hat eine neue Regierung. König Mohammed VI. hat in Rabat das Kabinett unter Premierministerin Fatima Ezzahra El Mansouri vereidigt. Erstmals steht eine Frau an der Regierungsspitze. Außenminister Nasser Bourita und Innenminister Abdelouafi Laftit bleiben im Amt. Neu geschaffen wird ein Ministerium für künstliche Intelligenz. Insgesamt gehören der Regierung 32 Mitglieder an.

Marokko hat eine neue Regierung: König Mohammed VI. hat das Kabinett unter Premierministerin Fatima Ezzahra El Mansouri offiziell ernannt und vereidigt. Die Zeremonie fand am Freitag, dem 16. Oktober 2026, im Königspalast in Rabat statt. Der neuen Regierung gehören 32 Mitglieder an, darunter mehrere bisherige Minister sowie neue Verantwortliche für Bildung, Gesundheit, Energie und Digitalisierung. Außenminister Nasser Bourita und Innenminister Abdelouafi Laftit behalten ihre Ämter, während ein neues Ministerium für künstliche Intelligenz geschaffen wird.

Mit der Vereidigung ist die Regierungsbildung nach den marokkanischen Parlamentswahlen vom 23. September abgeschlossen. Erstmals in der Geschichte des Landes übernimmt eine Frau die Leitung der Regierung.

Die neue Regierungschefin El Mansouri war bereits am 29. September von Mohammed VI. ernannt und mit der Bildung eines Kabinetts beauftragt worden. Sie folgt auf Aziz Akhannouch, der seit 2021 an der Spitze der Regierung gestanden hatte.

Vier Parteien bilden neue Regierungskoalition

Die neue Regierungsmehrheit besteht aus vier politischen Parteien. Neben der Partei der Authentizität und Modernität (PAM) von El Mansouri gehören ihr die konservativ-nationalistische Istiqlal-Partei, die Sozialistische Union der Volkskräfte (USFP) und die Partei für Fortschritt und Sozialismus (PPS) an.

Die PAM hatte die Parlamentswahl mit 97 Sitzen gewonnen und sich damit erstmals als stärkste politische Kraft im marokkanischen Parlament durchgesetzt.

Gemeinsam verfügen die vier Koalitionsparteien über 207 der insgesamt 395 Sitze im Repräsentantenhaus. Für eine absolute Mehrheit sind 198 Mandate erforderlich.

Die Koalitionsvereinbarung wurde am 12. Oktober bekannt gegeben. Die beteiligten Parteien verständigten sich auf eine gemeinsame Regierungsbildung und kündigten an, ein Regierungsprogramm zur wirtschaftlichen Entwicklung, sozialen Gerechtigkeit und Stärkung öffentlicher Dienstleistungen auszuarbeiten.

El Mansouri war vor ihrer Ernennung zur Regierungschefin Ministerin für Raumordnung, Städtebau, Wohnungswesen und Stadtpolitik. Sie gehört zu den führenden Persönlichkeiten der PAM und ist zugleich Bürgermeisterin von Marrakesch.

Bourita und Laftit bleiben im Amt

Bei der Zusammensetzung des neuen Kabinetts setzt Mohammed VI. in zentralen Staatsressorts auf personelle Kontinuität.

Nasser Bourita bleibt Minister für auswärtige Angelegenheiten, afrikanische Zusammenarbeit und die im Ausland lebenden Marokkaner. Er leitet die marokkanische Diplomatie seit 2017 und verantwortet damit weiterhin die Beziehungen zu den europäischen und afrikanischen Partnerstaaten sowie die internationalen Verhandlungen über die Westsahara.

Auch Abdelouafi Laftit behält das Innenministerium. Das Ressort ist unter anderem für die innere Sicherheit, die Territorialverwaltung und die Zusammenarbeit mit den regionalen und kommunalen Behörden zuständig.

Im Justizministerium bleibt Abdellatif Ouahbi. Ahmed Toufiq führt weiterhin das Ministerium für islamische Angelegenheiten.

Abdeltif Loudyi übernimmt erneut das Amt des beigeordneten Ministers für die Nationale Verteidigungsverwaltung.

Die Fortsetzung dieser Personalentscheidungen fällt in eine Phase, in der Marokko seine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit internationalen Partnern ausbaut und die Beziehungen zur Europäischen Union sowie zu den Nachbarstaaten im Mittelmeerraum neu gestaltet.

Fouzi Lekjaa übernimmt Wirtschaft, Finanzen und öffentliche Verwaltungseffizienz

An der Spitze des Wirtschafts- und Finanzministeriums steht künftig Fouzi Lekjaa. Sein Ressort umfasst neben Wirtschaft und Finanzen auch die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung.

Lekjaa hatte bereits unter der vorherigen Regierung eine zentrale Funktion in der Haushalts- und Finanzpolitik inne. Mit seiner Ernennung zum Minister übernimmt er nun die Gesamtverantwortung für diesen Bereich.

Ryad Mezzour bleibt ebenfalls Mitglied der Regierung. Er leitet das erweiterte Ministerium für Industrie, Handel, Investitionen und wirtschaftliche Integration.

Das Ressort verbindet damit Industriepolitik, Außenwirtschaftsförderung und Investitionspolitik. Für den Außenhandel wird ihm der beigeordnete Minister Omar Hejira zur Seite gestellt.

Auch Nizar Baraka behält sein Ministeramt. Er ist künftig für Infrastruktur, Wasser und Wälder zuständig.

Die Ressortverteilung betrifft mehrere wirtschaftspolitische Schwerpunkte Marokkos, darunter industrielle Investitionen, Infrastrukturprojekte, Wasserressourcen und den Ausbau der internationalen Handelsbeziehungen.

Neues Ministerium für künstliche Intelligenz

Zu den strukturellen Veränderungen der Regierung gehört die Einrichtung eines Ministeriums für künstliche Intelligenz, digitale Transformation und Verwaltungsreform.

Die Leitung übernimmt Ahmed Rahhou. Damit erhält die künstliche Intelligenz erstmals eine ausdrücklich ausgewiesene Stellung in der marokkanischen Ministerialstruktur.

Rahhou war zuvor als Präsident der marokkanischen Wettbewerbsbehörde tätig.

Das neue Ressort bündelt die politische Verantwortung für digitale Technologien, die Modernisierung staatlicher Verwaltungsprozesse und den Einsatz künstlicher Intelligenz.

Als beigeordnete Ministerin für Verwaltungsreform wurde Aïcha Guellaa ernannt.

Die Einrichtung des Ministeriums erfolgt vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung digitaler Infrastruktur und technologischer Investitionen für die wirtschaftliche Entwicklung Marokkos.

Neue Minister für Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft

Auch in zentralen Bereichen der Sozial- und Wirtschaftspolitik wurden mehrere Ressorts neu besetzt.

Nabil Benabdallah übernimmt das Ministerium für nationale Bildung, Vorschulwesen, berufliche Ausbildung und Qualifizierung. Er zählt zu den führenden Politikern der Partei für Fortschritt und Sozialismus.

Sein Ministerium umfasst damit sowohl die schulische Bildung als auch die berufliche Qualifizierung.

Unterstützt wird er von zwei beigeordneten Ministern. Kamal Hachoumi ist für das Vorschulwesen und die Bekämpfung von Schulabbrüchen zuständig. Madiha Khayr übernimmt den Bereich der beruflichen Bildung und Qualifizierung.

Das Gesundheitsministerium wird künftig von Youns Bjijou geleitet. Zu seinen Aufgaben gehören die Gesundheitspolitik und der Sozialschutz.

Die Landwirtschaft übernimmt Khalid Hatimy. Das neu zugeschnittene Ressort trägt die Bezeichnung Ministerium für Landwirtschaft, Seefischerei und Ernährungssouveränität.

Damit wird die Sicherung der Lebensmittelversorgung ausdrücklich in die Ressortbezeichnung aufgenommen. Für die Seefischerei ist zusätzlich Ahmed Mehdi Mezouari als beigeordneter Minister zuständig.

Energie, Wohnungsbau und Beschäftigung neu besetzt

Charafat Afailal übernimmt das Ministerium für Energie, Bergbau und nachhaltige Entwicklung. Sie gehörte bereits früher der marokkanischen Regierung an und war unter anderem für den Wasserbereich zuständig.

Das Ministerium für Beschäftigung und sozialen Dialog wird von Abderrahim Chahid geleitet.

Für Raumordnung, Städtebau, Wohnungswesen und Stadtpolitik ist künftig Samir Belfkih verantwortlich. Er übernimmt zugleich die Funktion des Regierungssprechers.

Damit wechselt das frühere Ressort von Premierministerin El Mansouri in eine neue Verantwortung. Fatima Saadi wird als beigeordnete Ministerin für Wohnungswesen und Stadtpolitik eingesetzt.

Die neue Aufteilung der Regierungsaufgaben umfasst außerdem ein eigenständiges Ministerium für Familie, soziale Entwicklung und Gleichstellung unter Najwa Koukouss. Rachid Hamouni unterstützt sie als beigeordneter Minister für soziale Inklusion.

Weitere Ressorts der neuen Regierung

Mehrere Mitglieder der vorherigen Regierung führen ihre Arbeit in den jeweiligen Fachgebieten fort.

Mohamed Mehdi Bensaid bleibt Minister für Jugend, Kultur und Sport. Ihm wird Salah-Eddine Abkari als beigeordneter Minister für Jugend zugeordnet.

Azzeddine El Midaoui übernimmt weiterhin die Verantwortung für Hochschulbildung, wissenschaftliche Forschung und Innovation.

Abdessamad Kayouh bleibt Minister für Verkehr und Logistik.

Das Ministerium für Tourismus, Handwerk und solidarische Wirtschaft wird von Jalal Charaf geleitet. Abdeljabbar Errachidi übernimmt dort als beigeordneter Minister die Zuständigkeit für Handwerk und solidarische Wirtschaft.

Hassan Tariq wurde zum Generalsekretär der Regierung ernannt. Das Amt ist insbesondere für die rechtliche Abstimmung der Regierungsarbeit und die Vorbereitung von Gesetzes- und Verordnungstexten zuständig.

Kouloub Faitah übernimmt als beigeordnete Ministerin bei der Regierungschefin die Beziehungen zum Parlament und zur Zivilgesellschaft.

Neue Regierung vor wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen

Der Regierungswechsel folgt auf eine Phase erheblicher politischer und gesellschaftlicher Spannungen in Marokko.

Bei den Parlamentswahlen im September hatte die PAM die bislang regierende Nationale Sammlung der Unabhängigen (RNI) als stärkste politische Kraft abgelöst.

Die neue Koalition übernimmt die Regierungsgeschäfte vor dem Hintergrund anhaltender Forderungen nach Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitswesen, neuen Arbeitsplätzen und einer stärkeren wirtschaftlichen Teilhabe junger Menschen.

Gleichzeitig laufen umfangreiche Infrastrukturinvestitionen zur Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichten wird.

Die Regierung muss zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit europäischen Partnern, die Wasser- und Energieversorgung sowie die industrielle Entwicklung des Landes gestalten.

Mohammed VI. hatte El Mansouri zuletzt am 14. Oktober im Königspalast empfangen und sich über den Stand der Regierungsbildung informieren lassen.

Mit der Ernennung und Vereidigung der 32 Regierungsmitglieder am Freitag ist die personelle Zusammensetzung des neuen Kabinetts nun offiziell festgelegt.

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