Mehrere afrikanische Regierungen zahlen republikanisch vernetzten Lobbyfirmen in Washington Millionenbeträge, um Zugang zum Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu sichern. Seit Trumps Wahlsieg im November 2024 haben 17 besonders arme und stark von amerikanischer Unterstützung abhängige Staaten Verträge im Gesamtwert von mehr als 21 Millionen Dollar abgeschlossen. Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und Kenia gehören zu den auffälligsten Fällen. Die Vereinbarungen betreffen Militärhilfe, Visa, Handelsfragen und den Zugang zu politischen Entscheidungsträgern.
Die steigenden Ausgaben folgen auf Kürzungen der amerikanischen Auslandshilfe und eine stärker auf unmittelbare Gegenleistungen ausgerichtete Afrikapolitik der Trump-Regierung. Mehrere Regierungen versuchen deshalb, ihre Interessen über Berater durchzusetzen, die über persönliche oder politische Verbindungen zum republikanischen Lager verfügen.
Eine Untersuchung der Organisation Global Witness dokumentiert die Lobbyverträge. Die Financial Times berichtet von einem zunehmenden Wettbewerb afrikanischer Staaten um Einfluss in Washington.
Nigeria zahlt monatlich 750.000 Dollar
Nigeria gehört zu den größten Auftraggebern. Die Regierung von Präsident Bola Tinubu zahlt seit Januar 2026 monatlich rund 750.000 Dollar an die amerikanische Lobbyfirma DCI Group. Der zunächst auf sechs Monate angelegte Vertrag kann verlängert werden.
DCI Group verfügt über Verbindungen zur Republikanischen Partei. Das Unternehmen soll Nigerias Interessen bei der amerikanischen Regierung und im Kongress vertreten. Zu den Themen gehören die Visapolitik, die militärische Zusammenarbeit und mögliche amerikanische Zölle, wie Africa Confidential unter Berufung auf Vertragsunterlagen berichtet.
Die Vereinbarung wurde geschlossen, nachdem Trump im November 2025 mit einer militärischen Intervention in Nigeria gedroht hatte. Ende Dezember griffen amerikanische Streitkräfte nach nigerianischen Angaben Stellungen jihadistischer Gruppen im Land an.
Parallel betreiben separatistische Gruppen aus der südostnigerianischen Region Biafra eigene Lobbyarbeit in Washington. Sie zahlen monatlich etwa 66.000 Dollar an die Firma Madison & Washington und fordern Sanktionen gegen nigerianische Regierungsvertreter.
Damit stehen sich in der amerikanischen Hauptstadt zwei gegensätzliche Kampagnen gegenüber. Sowohl die nigerianische Regierung als auch die biafranischen Gruppen richten ihre Botschaften an evangelikale und konservative Netzwerke, die politischen Zugang zum Präsidenten und zu Teilen der Republikanischen Partei besitzen.
Kongo beauftragt mehrere Trump-Vertraute
Auch die Demokratische Republik Kongo hat ihre Lobbyarbeit in den Vereinigten Staaten ausgeweitet. Präsident Félix Tshisekedi beauftragte 2025 mehrere Beratungsunternehmen mit engen Kontakten zu Trumps politischem Umfeld.
Die Firma Earhart Turner erhielt einen Vertrag im Wert von fünf Millionen Dollar für einen Zeitraum von sechs Monaten. Das Unternehmen wurde von Karen Giorno gegründet, die Trumps Präsidentschaftswahlkampf in Florida beraten hatte. Die Vereinbarung wurde später ausgesetzt.

Zusätzlich verpflichtete die kongolesische Regierung Ballard Partners. Die Firma soll in Washington für wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie für die Position der Regierung zur Menschenrechts- und Sicherheitslage im Osten des Landes werben.
Die Strategie begann bereits während Trumps erster Amtszeit. Im Jahr 2019 engagierte Kinshasa Avenue Strategies, ein von einem früheren Trump-Vertrauten gegründetes Unternehmen. Die Berater sollten unter anderem einen offiziellen Besuch Tshisekedis in Washington vorbereiten.
Die kongolesische Regierung verbindet ihre diplomatischen Bemühungen mit Angeboten im Rohstoffsektor. Das Land verfügt über große Vorkommen an Kobalt, Kupfer und weiteren Mineralien, die bei der Herstellung von Batterien, Elektronik und Rüstungsgütern eingesetzt werden.
Kenia verteidigt Lobbyvertrag als normale Praxis
Kenia zahlt monatlich 175.000 Dollar an Continental Strategy. Das Beratungsunternehmen wurde von Carlos Trujillo gegründet, einem früheren amerikanischen Botschafter, der als enger Verbündeter Trumps gilt.
Der kenianische Außenminister und Vizepräsident Musalia Mudavadi verteidigte die Vereinbarung. Die Zusammenarbeit mit Lobbyfirmen sei eine übliche und legitime Praxis von Regierungen, um ihre Interessen in Washington zu vertreten.
Kenia unterhält enge Sicherheitsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten und gilt als wichtiger amerikanischer Partner in Ostafrika. Amerikanische Unterstützung betrifft unter anderem die Terrorismusbekämpfung, regionale Friedensmissionen und humanitäre Programme.
Der Lobbyvertrag fällt in eine Phase, in der die Trump-Regierung ihre internationalen Ausgaben überprüft und zahlreiche Programme gekürzt oder ausgesetzt hat. Washington stellte Finanzierungen für mehr als 60 Organisationen und Einrichtungen der Vereinten Nationen ein. Dazu gehört auch die Weltgesundheitsorganisation.
Rohstoffe werden Teil der Verhandlungen
Neben Sicherheits- und Hilfsfragen gewinnen Rohstoffe in den Gesprächen zwischen Washington und afrikanischen Regierungen an Gewicht. Mehrere Staaten bieten amerikanischen Unternehmen oder staatlichen Stellen Zugang zu strategischen Mineralien an, um militärische, diplomatische oder humanitäre Unterstützung zu erhalten.
Die amerikanische Regierung konzentriert sich besonders auf seltene Erden und andere Rohstoffe, deren Lieferketten bislang stark von China abhängig sind. Staaten mit bedeutenden Mineralvorkommen versuchen, diese Nachfrage in ihren Beziehungen zu Washington einzusetzen.
Die Lobbyverträge eröffnen den beteiligten Regierungen Kontakte zum Weißen Haus, zum Kongress und zu konservativen Organisationen. Gleichzeitig konkurrieren afrikanische Regierungen, Oppositionsgruppen und separatistische Bewegungen zunehmend um dieselben politischen Netzwerke in der amerikanischen Hauptstadt.

