Russische Forscher melden erste Laborhinweise darauf, dass ein angepasster Ebola-Impfstoff eine Immunantwort gegen das Bundibugyo-Virus auslösen könnte. Die Ergebnisse wurden am 27. Juli 2026 öffentlich. Getestet wurde der Impfstoff jedoch weder am echten Bundibugyo-Virus noch an Menschen. Eine Schutzwirkung gegen die derzeitige Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda ist damit noch nicht nachgewiesen.
Denis Logunow, Direktor des staatlichen Gamaleya-Forschungszentrums in Moskau, stellte die vorläufigen Ergebnisse gegenüber der russischen Zeitung Izvestia vor. Das Institut habe zunächst Bestandteile des Impfstoffs hergestellt und anschließend geprüft, ob diese eine Immunreaktion hervorrufen.
Die Untersuchungen erfolgten in sogenannten Ersatztests. Dabei verwenden Forscher vereinfachte oder nachgebildete Bestandteile eines Krankheitserregers, nicht das tatsächlich zirkulierende Virus. Solche Versuche können erste Hinweise auf eine mögliche Wirkung liefern, ersetzen aber keine Tests mit dem echten Erreger und keine klinischen Studien.
Gamaleya besitzt das Bundibugyo-Virus noch nicht
Das Gamaleya-Zentrum verfügt nach eigenen Angaben bislang über keine Probe des Bundibugyo-Virus. Die Forscher warten auf eine Übermittlung durch die zuständigen Gesundheitsbehörden, bevor sie ihre Untersuchungen mit dem tatsächlichen Erreger fortsetzen können.
Logunow erklärte, die bisher gewonnenen Daten stimmten nach Einschätzung des Instituts gut mit Ergebnissen überein, die bei Tests mit dem echten Virus zu erwarten seien. Unabhängige wissenschaftliche Daten oder Ergebnisse aus einer klinischen Prüfung wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Der Impfstoff ist keine vollständige Neuentwicklung. Gamaleya hat dafür einen russischen Impfstoff angepasst, der ursprünglich gegen das Zaire-Ebola-Virus entwickelt wurde. Diese Virusart war unter anderem für die schwere Epidemie in Westafrika zwischen 2014 und 2016 verantwortlich.
Bundibugyo- und Zaire-Ebola-Viren gehören zur selben Virusfamilie, unterscheiden sich aber so deutlich, dass zugelassene Impfstoffe gegen die Zaire-Variante keinen verlässlich belegten Schutz gegen Bundibugyo bieten.
Russische Forscher setzen auf mögliche Kreuzwirkung
Gamaleya-Direktor Alexander Ginzburg hatte bereits im Mai auf genetische Gemeinsamkeiten zwischen beiden Viren verwiesen. Er bezifferte deren Übereinstimmung auf etwa 60 bis 70 Prozent und leitete daraus die Möglichkeit einer teilweisen Kreuzwirkung ab.
Anfang Juli stellte Ginzburg einen Schutz von etwa 50 Prozent vor einer Infektion in Aussicht. Gegen schwere oder tödliche Krankheitsverläufe könne die Wirkung nach seiner Einschätzung höher ausfallen. Diese Angaben beruhen bislang jedoch nicht auf klinischen Studien mit Menschen.
Das russische Gesundheitsministerium muss nun entscheiden, ob der angepasste Impfstoff als neues Arzneimittel geprüft wird oder als veränderte Version eines bereits vorhandenen Produkts. Davon hängt ab, welche Untersuchungen erforderlich sind und wie umfangreich spätere klinische Studien ausfallen müssen.
Ein vergleichbares Verfahren hatte Russland beim Corona-Impfstoff Sputnik Light genutzt, dessen Zusammensetzung mehrfach an neue Varianten des Coronavirus angepasst wurde.
Noch kein zugelassener Impfstoff gegen Bundibugyo
Gegen das Bundibugyo-Virus gibt es bislang weder einen eigens zugelassenen Impfstoff noch eine spezifisch zugelassene Behandlung. Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte im Mai einen Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda und stufte ihn als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ein.
Die WHO verzeichnete bis zum 15. Juli 2.124 bestätigte Erkrankungen und 828 Todesfälle in der Demokratischen Republik Kongo. Der starke Anstieg hing teilweise mit einer ausgeweiteten Überwachung sowie zusätzlichen Labor- und Testkapazitäten zusammen.

Ein späterer Bericht der kongolesischen Behörden vom 26. Juli nennt 3.075 bestätigte Fälle und 1.354 Todesfälle in fünf Provinzen. Rund 90 Prozent der Infektionen konzentrieren sich demnach auf die nordöstliche Provinz Ituri. Die Region grenzt an Uganda und den Südsudan und ist zugleich von bewaffneten Konflikten, Vertreibungen und eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung betroffen.
Oxford-Impfstoff wird bereits an Menschen getestet
Parallel zur russischen Entwicklung hat die Universität Oxford die weltweit erste klinische Prüfung eines gezielt gegen das Bundibugyo-Virus entwickelten Impfstoffs gestartet. Der erste Freiwillige erhielt das Präparat am 24. Juli.
An der ersten Studienphase sollen 50 gesunde Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren teilnehmen. Die Forscher untersuchen zunächst die Sicherheit des Impfstoffs und die ausgelöste Immunantwort. Eine mögliche Schutzwirkung gegen eine tatsächliche Infektion ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht belegt.
Der Oxford-Impfstoff nutzt die ChAdOx1-Technologie, die auch beim Corona-Impfstoff von Oxford und AstraZeneca eingesetzt wurde. Das Serum Institute of India hat nach Angaben der Universität bereits rund 620.000 Dosen produziert und eingelagert. Sie könnten genutzt werden, falls die klinischen Untersuchungen positive Ergebnisse liefern und die Gesundheitsbehörden einen Einsatz genehmigen.
Auch mögliche Medikamente werden derzeit geprüft. In der Demokratischen Republik Kongo läuft eine von der WHO unterstützte Studie zu Behandlungen gegen die Bundibugyo-Erkrankung. Bislang ist kein Medikament speziell für diese Form von Ebola zugelassen.
Das Afrikanische Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention will die russischen Angaben mit dem Gamaleya-Institut erörtern. Africa CDC strebt nach eigenen Angaben an, bis Ende 2026 über einen zugelassenen Impfstoff und eine zugelassene Behandlung gegen das Bundibugyo-Virus zu verfügen.

