USA prüfen Militärschläge gegen JNIM in Mali – trotz russischer Söldner

Washington prüft Angriffe gegen JNIM in Mali. Eine Entscheidung steht aus, doch direkte US-Schläge würden ein Einsatzgebiet mit russischen Truppen betreffen.

Die US-Regierung prüft direkte Militärschläge gegen die mit Al-Qaida verbundene Gruppe JNIM in Mali. Die Beratungen wurden am 22. Juli 2026 durch einen Bericht der Washington Post öffentlich. Eine Entscheidung von Präsident Donald Trump ist bislang nicht gefallen. Innerhalb der US-Regierung gibt es dem Bericht zufolge unterschiedliche Positionen zu einem militärischen Eingreifen.

Ein solcher Einsatz würde in einem Land stattfinden, in dem russische Soldaten des Afrikakorps gemeinsam mit den malischen Streitkräften gegen bewaffnete Gruppen kämpfen. Washington stellt die Wirksamkeit dieser Zusammenarbeit inzwischen offen infrage. Zugleich haben die USA und Mali erst wenige Tage zuvor über eine engere wirtschaftliche und sicherheitspolitische Kooperation gesprochen.

Militärische Optionen werden in Washington beraten

Aktuelle und frühere US-Regierungsvertreter bestätigten der Washington Post, dass militärische Optionen gegen die Dschamāʿat Nusrat al-Islām wal-Muslimīn geprüft werden. Die Organisation ist unter der Abkürzung JNIM bekannt und bildet den regionalen Ableger des Terrornetzwerks Al-Qaida.

Zu den Befürwortern eines Angriffs zählt dem Bericht zufolge Sebastian Gorka, der im Nationalen Sicherheitsrat der USA für Terrorismusbekämpfung zuständig ist. Andere hochrangige Regierungsmitglieder stehen einem Einsatz demnach zurückhaltender gegenüber.

Das Weiße Haus ließ offen, ob Trump Militärschläge genehmigen will. Das US-Verteidigungsministerium äußerte sich nicht zu den Beratungen. Auch die malische Regierung beantwortete eine Anfrage der Zeitung zunächst nicht.

Ein US-Regierungsvertreter bezeichnete den Terrorismus im Sahel als grenzüberschreitendes Problem. Staaten in Nord- und Westafrika sollten stärker mit amerikanischer Ausrüstung und Dienstleistungen unterstützt werden. Zugleich forderte Washington regionale Partner und NATO-Staaten auf, Mali, Burkina Faso und Niger im Kampf gegen JNIM und den Islamischen Staat zu unterstützen.

Washington greift Russlands Rolle in Mali an

Die US-Regierung verbindet die Diskussion über einen möglichen Einsatz mit deutlicher Kritik an Russland. Moskau habe sich „als ineffektiver Sicherheitspartner für Mali erwiesen“, sagte ein Regierungsvertreter der Washington Post. Andere afrikanische Staaten sollten die Leistungen Russlands bei der Terrorismusbekämpfung zur Kenntnis nehmen.

Mali arbeitet nach dem Abzug französischer Truppen und dem Ende der UN-Friedensmission vor allem mit Russland zusammen. Zunächst setzte Bamako auf Kämpfer der Wagner-Gruppe. Inzwischen operiert das stärker an das russische Verteidigungsministerium gebundene Afrikakorps an der Seite der malischen Armee.

Direkte US-Angriffe würden damit ein Einsatzgebiet betreffen, in dem russische und malische Einheiten regelmäßig gemeinsame Operationen durchführen. Amerikanische Regierungsvertreter sehen deshalb die Gefahr unbeabsichtigter Zusammenstöße. Möglich wären militärische Absprachen zwischen Washington und Moskau, wie sie während des Syrienkrieges zur Vermeidung direkter Konfrontationen bestanden.

JNIM und Rebellen setzen malische Armee unter Druck

Die Überlegungen in Washington folgen auf eine neue Serie koordinierter Angriffe in Mali. JNIM und die separatistische Befreiungsfront des Azawad griffen Anfang Juli Armeestellungen im Norden, im Zentrum und südlich der Hauptstadt Bamako an.

Betroffen waren unter anderem Gao, Sévaré, Aguelhok, Kéniéroba und Anéfis. Die malischen Streitkräfte erklärten, mehrere Angriffe zurückgeschlagen zu haben. Angaben der Konfliktparteien zu eroberten Stellungen und Verlusten ließen sich teilweise nicht unabhängig überprüfen.

Besonders schwere Kämpfe entwickelten sich um Anéfis in der Region Kidal. Die malische Armee und das russische Afrikakorps verlegten Verstärkung und Hubschrauber in das Gebiet. Nach Einschätzung des Konfliktbeobachtungsprojekts ACLED entwickelte sich die Schlacht zu einer länger andauernden Auseinandersetzung mit erheblichen personellen und materiellen Verlusten auf beiden Seiten.

JNIM hat seine militärischen Aktivitäten in den vergangenen Jahren über Mali hinaus ausgeweitet. Die Gruppe operiert auch in Burkina Faso und Niger und greift zunehmend Ziele in den westafrikanischen Küstenstaaten an.

Bamako und Washington hatten Kooperation angekündigt

Nur fünf Tage vor Bekanntwerden der US-Beratungen empfing Malis Ministerpräsident Abdoulaye Maïga den für afrikanische Angelegenheiten zuständigen US-Diplomaten Frank Garcia in Bamako. Garcia traf zudem Außenminister Abdoulaye Diop.

Die malische Regierung stellte die Gespräche vom 17. Juli als Erneuerung der strategischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit dar. Beide Seiten befassten sich mit Investitionen, regionaler Sicherheit und dem Kampf gegen bewaffnete Gruppen im Sahel. Bamako betonte dabei, jede Kooperation müsse die staatliche Souveränität und die politischen Vorgaben der malischen Führung respektieren.

Washington hatte seine sicherheitspolitischen Kontakte zu Mali bereits zuvor schrittweise wieder aufgenommen. Die Zusammenarbeit blieb jedoch begrenzt, während Bamako Russland zu seinem wichtigsten militärischen Partner machte.

Sollte Trump den Einsatz genehmigen, wäre Mali das achte Land, in dem er seit Beginn seiner zweiten Amtszeit US-Angriffe angeordnet hätte. Das Außenministerium erklärte, die Vereinigten Staaten verurteilten die Aktivitäten von JNIM, legte sich jedoch nicht auf eine militärische Reaktion fest.

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