Lavrov in Niamey: Russland zementiert geopolitische Vormachtsstellung im Sahel

Russland baut seine Rolle im Sahel weiter aus: In Niamey traf Sergej Lavrov die Außenminister von Niger, Mali und Burkina Faso. Im Mittelpunkt standen Sicherheitskooperation, Souveränität und der nächste Russland-Afrika-Gipfel.

Russland und die Konföderation der Sahel-Staaten haben in Niamey ihre zweite Ministerkonsultation abgehalten und eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. Die Sitzung fand am 8. Juli 2026 in der nigrischen Hauptstadt statt. Russlands Außenminister Sergej Lavrov traf dort die Außenminister Nigers, Malis und Burkina Fasos. Im Zentrum standen der Kampf gegen Terrorismus, die politische Abstimmung und der Ausbau des strategischen Partnerschaftsformats zwischen Moskau und der Allianz der Sahel-Staaten.

An den Gesprächen nahmen Nigers Außenminister Bakary Yaou Sangaré, Malis Außenminister Abdoulaye Diop, Burkina Fasos Außenminister Karamoko Jean-Marie Traoré und Lavrov teil. Tagungsort war das Internationale Konferenzzentrum Mahatma Gandhi in Niamey.

Die Sitzung knüpft an die erste Runde der Konsultationen an, die im April 2025 in Moskau stattgefunden hatte. Damals hatten beide Seiten ein regelmäßiges Format für politische Gespräche vereinbart. In Niamey sollten nun Arbeitsdokumente und Instrumente beraten werden, mit denen die Abstimmung zwischen den Außenministerien verstetigt werden soll.

Niamey wird Bühne für das Russland-AES-Format

Die Sahel-Allianz aus Niger, Mali und Burkina Faso tritt seit ihrer Gründung zunehmend als gemeinsamer außenpolitischer Akteur auf. Mit der zweiten Konsultation in Niamey wird das Format stärker institutionalisiert. Die drei Staaten stellen ihre Zusammenarbeit mit Russland als Partnerschaft auf Grundlage von Souveränität, Nicht-Einmischung und gegenseitigem Nutzen dar.

Nigers Außenminister Bakary Yaou Sangaré bezeichnete die Zusammenkunft als Schritt zur Konsolidierung der strategischen Partnerschaft zwischen der AES und Russland. Die Runde biete Gelegenheit, die Umsetzung früherer Entscheidungen zu prüfen und nächste Schritte festzulegen.

Nach nigrischer Darstellung wurden seit der ersten Konsultation mehrere sicherheits- und verteidigungspolitische Vereinbarungen vorangebracht. Dazu zählen die Stärkung der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte, militärische Ausbildung, technische Unterstützung und Projekte mit sozialem Charakter.

Russland als wichtigster Sicherheitspartner im Sahel

Der Sicherheitsbereich dominierte die Beratungen. Yaou Sangaré sagte in Niamey, Russland bleibe „der wichtigste Verbündete der Konföderation AES im Kampf gegen den Terrorismus im Sahel“. Als nächste Schwerpunkte nannte er die mittelfristige Eigenständigkeit der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte, eine bessere Überwachung der Grenzen und die Nutzung natürlicher Ressourcen.

Auch Burkina Fasos Außenminister Karamoko Jean-Marie Traoré stellte die praktische Wirkung des Formats in den Vordergrund. Ein strategisches Partnerschaftsverhältnis bemesse sich nicht nur an gemeinsamen diplomatischen Positionen, sondern auch daran, ob es konkrete Ergebnisse für die Bevölkerung hervorbringe.

Malis Außenminister Abdoulaye Diop verwies auf die politische Nähe zwischen den Sahel-Staaten und Russland. Die Zusammenarbeit gehe inzwischen über Sicherheitsfragen hinaus und umfasse auch wirtschaftliche und handelspolitische Themen. Diop kritisierte zugleich internationale Vorwürfe gegen die Sahel-Staaten und sprach von „verzerrten Narrativen“ einzelner Staaten und Medien.

Lavrov spricht von multipolarer Ordnung

Sergej Lavrov stellte die Konsultationen in Niamey in einen breiteren geopolitischen Zusammenhang. Russland wolle die Integrationsbemühungen der Sahel-Allianz und die Kooperation im Sicherheitsbereich unterstützen. Beide Seiten seien durch das Ziel verbunden, eine „gerechte multipolare Weltordnung“ aufzubauen, sagte der russische Außenminister.

Lavrov sprach außerdem von gemeinsamen Anstrengungen gegen „neokoloniale Praktiken“. Diese Formulierung entspricht dem politischen Vokabular, mit dem Moskau und die Militärregierungen im Sahel ihre Abkehr von westlichen Partnern und ihre Annäherung an Russland begründen.

Der russische Außenminister verwies zudem darauf, dass die russische Botschaft in Niger inzwischen arbeite. Damit sei Russland in allen drei Mitgliedstaaten der Sahel-Allianz diplomatisch vertreten. Lavrov sagte, er sei zum ersten Mal in Niamey und habe zuletzt alle drei Hauptstädte der Sahel-Staaten besucht.

Einladung zum Russland-Afrika-Gipfel

Die Gespräche in Niamey waren Teil von Lavrovs Afrika-Reise. Vor seinem Aufenthalt in Niger hatte er in Addis Abeba Gespräche mit der äthiopischen Regierung und der Kommission der Afrikanischen Union geführt.

Lavrov verband die Konsultationen mit dem geplanten dritten Russland-Afrika-Gipfel, der im Oktober 2026 in Moskau stattfinden soll. Präsident Wladimir Putin lasse den Staatschefs von Burkina Faso, Mali und Niger ausrichten, dass er sie in Moskau begrüßen wolle, sagte Lavrov. Auf der Tagesordnung des Gipfels sollen Wirtschaft, Handel und Investitionen stehen.

Russland erwartet nach Lavrovs Angaben auch Delegationen aus Fachministerien und Wirtschaftskreisen der Sahel-Staaten. Am Rande des Gipfels soll zudem ein Wirtschafts- und Humanitärforum stattfinden.

Die zweite Ministerkonsultation in Niamey festigt damit ein außenpolitisches Format, das Sicherheitszusammenarbeit, diplomatische Abstimmung und wirtschaftliche Kontakte verbindet. Für Niger, Mali und Burkina Faso ist Russland zum zentralen Partner in einem Sahel geworden, in dem frühere westliche Sicherheitsstrukturen weitgehend verdrängt wurden.

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