Der Entwicklungsausschuss des Bundestages hat einen Grünen-Antrag für höhere Mittel in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit abgelehnt. Die Abstimmung erfolgte am Mittwochmittag, 8. Juli 2026. Für den Antrag stimmten Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, CDU/CSU, SPD und AfD lehnten ihn ab. Der Vorstoß zielte auf zusätzliche Unterstützung für akute Hunger- und Krisenregionen, darunter Sudan, Gaza, Afghanistan und der Sahel.
Die Grünen hatten die Bundesregierung aufgefordert, die humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit deutlich aufzustocken und keine weiteren eigenen Kürzungen vorzunehmen. Über die Beschlussempfehlung des Ausschusses muss der Bundestag noch abstimmen. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.
Der Antrag verband die Forderung nach höheren Mitteln mit der Sorge vor einer neuen globalen Nahrungsmittelkrise. Die Grünen verwiesen auf die Blockade der Straße von Hormus durch Iran und auf mögliche Folgen für Energiepreise, Düngemittel, Lieferketten und Lebensmittelmärkte. Das Welternährungsprogramm warne, dass 45 Millionen Menschen zusätzlich in Hungersnot geraten könnten, sollte die Blockade anhalten.
Grüne verweisen auf wachsende Finanzierungslücken
Der Antrag beschreibt eine internationale Lage, in der sich mehrere Hungerkrisen gleichzeitig verschärfen. Die Fraktion verweist auf den Welternährungsbericht 2025 der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Demnach leiden weltweit mehr als 673 Millionen Menschen unter chronischem Hunger.
Besonders deutlich nennt der Antrag Krisenregionen in Afrika und dem Nahen Osten. Im Sudan seien 2024 und 2025 mehr als 24,6 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen gewesen. Im Sahel hätten sich Ende 2025 mehr als 41,8 Millionen Menschen in einer Nahrungsmittelkrise befunden. Für Afghanistan nennt der Antrag 17,4 Millionen Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen seien.
Die Grünen machen zugleich Kürzungen großer Geberländer für wachsende Lücken verantwortlich. Mit dem faktischen Ende von USAID verliere das Welternährungsprogramm rund 40 Prozent seiner Finanzierung und könne jährlich etwa 16,7 Millionen Menschen weniger erreichen. Die Mittel westlicher Geberstaaten für Programme gegen Mangelernährung seien seit 2022 insgesamt um 44 Prozent zurückgegangen.
Streit über den Kurs des Entwicklungsministeriums
Der Antrag nimmt auch den Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in den Blick. Die Grünen schreiben, der BMZ-Etat sei von 13,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf voraussichtlich 9,3 Milliarden Euro bis 2028 gesunken. Sie fordern, Kürzungen zurückzunehmen und das Budget mindestens wieder auf das Niveau von 2024 anzuheben. Damals habe es bei 11,2 Milliarden Euro gelegen.
Die Abstimmung im Ausschuss macht die politische Trennlinie sichtbar. Die Grünen und Die Linke unterstützten höhere Mittel in der akuten Krisenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit. CDU/CSU, SPD und AfD lehnten die Initiative ab.
Der Antrag bezog sich ausdrücklich auch auf den laufenden Reformprozess im BMZ. Die Grünen begrüßen darin zwar den erklärten Willen der Bundesregierung, die Entwicklungszusammenarbeit strategisch neu auszurichten. Zugleich verlangen sie, dass Reformen nicht für weitere Kürzungen genutzt werden und die Bekämpfung von Armut und Hunger im Zentrum bleibt.
Kleinbauern, Reserven und Entschuldung
Inhaltlich setzt der Antrag stark auf Ernährungssouveränität. Die Grünen fordern, kleinbäuerliche Produzentinnen und Produzenten zu stärken, lokale Saatgutsysteme zu schützen und agrarökologische Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit auszubauen. Um Hunger wirksam zu bekämpfen, sei es „unabdingbar, kleinbäuerliche Produzent zu stärken und ihre Resilienz und Selbstbestimmung zu verbessern“, heißt es in dem Antrag.
Weitere Forderungen betreffen staatliche Lebensmittelreserven, erneuerbare Energien und Entschuldung. Strategische Reserven sollen Preisspitzen und Lieferkettenschocks abfedern. Der Ausbau erneuerbarer Energien in Partnerländern soll Abhängigkeiten von Ölpreisschocks und Lieferblockaden verringern. Hochverschuldete Länder des Globalen Südens sollen schneller und umfassender entlastet werden.

Für Sudan und Sahel fordert der Antrag gesicherten humanitären Zugang und eine stärkere Finanzierung. Für Gaza verlangt die Fraktion ungehinderten Zugang für Hilfsgüter und Helfer, Unterstützung beim Wiederaufbau lokaler Nahrungsmittelproduktion sowie ausreichende Mittel für UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen. Für Afghanistan nennt der Antrag die Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Die abgelehnte Initiative bleibt damit Teil der laufenden Bundestagsbefassung. Der Entwicklungsausschuss hat seine Beschlussempfehlung abgegeben, die abschließende Entscheidung liegt beim Plenum des Bundestages.

