Niger hat ein Expertengremium eingesetzt, das innerhalb von 15 Tagen die Bedingungen für eine Wiederöffnung der Grenze zu Benin prüfen soll. Der Schritt erfolgte am Freitag, 5. Juni 2026, in Niamey.
Die Einrichtung des Komitees folgt auf den offiziellen Besuch des neuen beninischen Präsidenten Romuald Wadagni bei Nigers Staatschef Abdourahamane Tiani. Beide Regierungen wollen die seit der Krise von 2023 belasteten Beziehungen wiederbeleben und Hindernisse für die bilaterale Zusammenarbeit abbauen.
Komitee soll Hindernisse binnen 15 Tagen erfassen
Nigers Premierminister Ali Mahamane Lamine Zeine leitete in Niamey die Einsetzung des Komitees. Es soll die Bedingungen für eine Öffnung der gemeinsamen Grenze untersuchen und konkrete Hindernisse benennen, die einer Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten im Weg stehen.
Die Grenze zwischen Benin und Niger ist seit dem 30. Juli 2023 geschlossen. Die Schließung folgte auf die politische Krise nach der Machtübernahme des Militärs in Niamey und den anschließenden Spannungen zwischen Niger, Benin und der Westafrikanischen Staatengemeinschaft Cedeao.
Wadagni und Tiani hatten sich bei ihrem Treffen in Niamey darauf verständigt, die Zusammenarbeit auf politischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und kultureller Ebene zu stärken. Beide Seiten wollen außerdem die gemeinsame Kooperationskommission regelmäßig tagen lassen.
Wadagni setzt frühes Signal an die Sahelstaaten
Der Besuch in Niamey war einer der ersten außenpolitischen Schritte Wadagnis nach seiner Amtseinführung am 24. Mai. Nur wenige Tage später reiste der neue Präsident Benins nach Niger und Burkina Faso, zwei Mitgliedstaaten der Allianz der Sahelstaaten. Die AES wurde von Mali, Burkina Faso und Niger gegründet, die sich nach Konflikten mit der Cedeao zunehmend von der regionalen Organisation abgewandt haben.
Schon bei Wadagnis Amtseinführung waren Vertreter aus Niger, Burkina Faso und Mali anwesend. Aus Niger nahm Premierminister Zeine teil, aus Burkina Faso Außenminister Karamoko Jean-Marie Traoré und aus Mali Außenminister Abdoulaye Diop. Die Präsenz der Sahelstaaten wurde als Zeichen einer möglichen politischen Öffnung zwischen Cotonou und den AES-Regierungen verstanden.
In Niamey sprachen Wadagni und Tiani von historischen Beziehungen der Freundschaft und Brüderlichkeit zwischen beiden Ländern. Tiani nahm eine Einladung zu einem offiziellen Gegenbesuch in Benin an. Ein Termin soll auf diplomatischem Weg festgelegt werden.
Grenze ist auch wirtschaftlich zentral
Die Grenzfrage betrifft nicht nur Diplomatie und Sicherheit, sondern auch Handel und Versorgung. Niger ist ein Binnenstaat und nutzt den Hafen von Cotonou traditionell als wichtigen Zugang zum internationalen Handel. Die anhaltende Schließung der Grenze hat Wirtschaftsbeziehungen, Transportwege und regionale Lieferketten belastet.
Vor der Krise gehörten Transit, Warenverkehr und Hafenlogistik zu den zentralen Verbindungen zwischen beiden Ländern. Für Benin ist der Hafen von Cotonou ein wirtschaftliches Schlüsselprojekt. Für Niger ist der Zugang zu Seehäfen eine Voraussetzung für Importe, Exporte und staatliche Einnahmen aus dem Handel.
Sicherheitslage zwingt zu Kooperation
Die Gespräche in Niamey standen auch im Zeichen der Sicherheitslage in Westafrika. Wadagni und Tiani erklärten, ihre Länder müssten ihre Kräfte im Kampf gegen Terrorismus und Banditentum in der Region bündeln.

Benin ist seit mehreren Jahren stärker von Angriffen bewaffneter Gruppen im Norden betroffen. Besonders die Departements Alibori und Atacora gelten als betroffene Gebiete. Gruppen, die Al-Qaida nahestehen, haben in den vergangenen Jahren Angriffe auf beninische Sicherheitskräfte verübt.
Im Januar 2025 starben bei einem Angriff 28 Soldaten. Im April 2025 kamen bei einem weiteren Angriff 54 Militärangehörige ums Leben. Am 4. März 2026 wurden bei einem Angriff auf das Lager Kofouno 15 Soldaten getötet. Wenige Stunden nach Wadagnis Amtseinführung am 25. Mai 2026 wurden zudem zwei Armeepositionen in Kourou Koualou angegriffen.
Der vorherige beninische Regierungskurs setzte mit der Operation „Mirador“ auf eine stärkere militärische Präsenz im Norden. Wadagni will nach seinen bisherigen Aussagen stärker auf Überwachung, Technologie, bessere Ausrüstung und regionale Abstimmung setzen.
Annäherung nach Jahren der Spannungen
Die Beziehungen zwischen Benin und Niger hatten sich nach der Machtübernahme des Militärs in Niamey im Juli 2023 verschlechtert. Nigers Behörden warfen dem damaligen beninischen Präsidenten Patrice Talon und weiteren westafrikanischen Regierungschefs vor, die Sanktionen der Cedeao gegen Niger unterstützt zu haben. Dazu gehörten auch Grenzschließungen und die Drohung einer möglichen militärischen Intervention zur Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Mohamed Bazoum.
Niamey beschuldigte Benin zudem, ausländische Truppen nahe der Grenze zu beherbergen. Cotonou und Frankreich wiesen diese Vorwürfe zurück. Die Spannungen belasteten nicht nur politische Kontakte, sondern auch die Sicherheitskooperation entlang der gemeinsamen Grenze.
Wadagni tritt nun in einer Region an, in der die Sicherheitsarchitektur Westafrikas stark verändert ist. Burkina Faso, Mali und Niger haben die Cedeao verlassen. Zugleich breiten sich bewaffnete Gruppen aus dem Sahel weiter in Richtung der Küstenstaaten aus. Benins neue Führung versucht deshalb, die Zusammenarbeit mit den Sahelstaaten wieder zu öffnen, ohne die bestehenden Partnerschaften des Landes aufzugeben.

