UN-Reform geht in entscheidende Phase

Die Vereinten Nationen sollen schlanker, schneller und besser koordiniert werden. Die UN80-Reform betrifft auch Afrika direkt: Sudan und Somalia sind Testfälle für neue humanitäre Hilfe, Nairobi und Addis Abeba Teil des geplanten Umbaus.

UN-Generalsekretär António Guterres treibt die Reform der Vereinten Nationen in eine neue Entscheidungsphase. Vor der Generalversammlung in New York sagte er, Stillstand in einer Zeit geopolitischer Krisen würde menschliches Leid weiter verschärfen. Die sogenannte UN80-Initiative soll die Weltorganisation schlanker, schneller und besser abgestimmt machen. Für Afrika ist der Umbau auch deshalb relevant, weil mehrere Reformteile direkt Krisenländer, UN-Standorte und Länderteams auf dem Kontinent betreffen.

Weniger Doppelarbeit, schnellere Hilfe

Guterres will die Arbeitsweise der Vereinten Nationen stärker bündeln. Der UN-Apparat soll weniger parallel arbeiten, Daten besser teilen und Verwaltungsaufgaben stärker zusammenlegen. Im Sekretariat wurde für 2026 bereits eine Verringerung der Stellen um 21 Prozent umgesetzt. Elf Teams in New York wurden zu einer gemeinsamen Verwaltungsplattform zusammengeführt, die rund 6.000 Beschäftigte unterstützt.

Weitere Verwaltungsplattformen sollen auch an großen UN-Standorten entstehen. Genannt werden unter anderem Nairobi und Addis Abeba. Beide Städte sind für die UN-Arbeit in Afrika zentrale Knotenpunkte: Nairobi ist ein wichtiger Standort für Umwelt- und Siedlungsfragen, Addis Abeba für die Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union und für politische Arbeit auf dem Kontinent.

Sudan und Somalia als Testfälle

Ein wichtiger Teil der Reform betrifft die humanitäre Hilfe. Die Vereinten Nationen testen einen neuen Ansatz zunächst in fünf Krisenlagen: Afghanistan, Haiti, den besetzten palästinensischen Gebieten, Somalia und Sudan. Dabei sollen Lieferketten zusammengeführt, Hilfsplanung vereinfacht und Daten besser genutzt werden.

Der Hintergrund ist ein wachsender Druck auf das humanitäre System. Die UN muss in mehr Krisen helfen, während Geld knapper wird. Besonders bei der Versorgung mit Hilfsgütern geht es um große Summen: Lieferketten machen nach UN-Angaben rund 70 Prozent der gesamten humanitären Ausgaben aus. Wenn die Reform hier greift, kann sie die Arbeit in Ländern wie Sudan und Somalia unmittelbar verändern.

Friedenseinsätze sollen überprüft werden

Guterres kündigte zudem eine Überprüfung der UN-Friedenseinsätze an. Empfehlungen dazu sollen im Juni vorgelegt werden. Ziel ist eine flexiblere Architektur für Einsätze in einer Sicherheitslage, die sich schneller verändert als früher.

Für Afrika ist dieser Punkt besonders wichtig. Viele der großen UN-Friedens- und Stabilisierungseinsätze der vergangenen Jahrzehnte lagen auf dem Kontinent. Gleichzeitig haben Debatten über Mandate, Kosten, Schutz von Zivilisten und die Zusammenarbeit mit regionalen Organisationen an Gewicht gewonnen. Die Reform soll klären, welche Instrumente die UN künftig braucht, um auf Konflikte schneller und passender zu reagieren.

Mitgliedstaaten behalten das letzte Wort

Guterres machte deutlich, dass viele Entscheidungen nicht beim Sekretariat liegen. Strukturelle Änderungen, neue Zuständigkeiten oder mögliche Zusammenschlüsse von UN-Einheiten brauchen die Zustimmung der Mitgliedstaaten. Der Generalsekretär kann Vorschläge vorlegen, entscheiden müssen aber die Regierungen.

Zur Debatte stehen unter anderem engere Zusammenarbeit zwischen UN-Organisationen, gemeinsame Dienste, ein UN-weiter Datenraum und mögliche Zusammenschlüsse einzelner Einrichtungen. Auch die Arbeit der Länderteams soll neu ausgerichtet werden. Staaten sollen schneller auf Fachwissen aus dem gesamten UN-System zugreifen können, auch wenn nicht jede UN-Einheit dauerhaft im Land vertreten ist.

Baerbock fordert mehr politische Steuerung

Annalena Baerbock, Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung, mahnte bei der Sitzung eine stärkere politische Debatte über den Umbau an. Die Reform dürfe nicht nur in technischen Haushaltsverhandlungen behandelt werden. Die Mitgliedstaaten müssten klären, welche Strukturen im UN-System künftig noch klaren Mehrwert bringen und wo Änderungen nötig seien.

Baerbock verwies auch auf die jüngste Resolution zur Überprüfung von UN-Mandaten. Die Vereinten Nationen arbeiten mit zehntausenden Mandaten, die von Mitgliedstaaten beschlossen wurden. Viele davon verursachen Berichte, Sitzungen und Verwaltungsaufwand. Die Reform soll prüfen, welche Aufgaben weiterhin nötig sind, wo sich Arbeit überschneidet und wie Mandate besser mit Geld und Personal verbunden werden können.

Menschenrechte bleiben Streitpunkt bei den Ressourcen

Guterres sprach auch die ungleiche Ausstattung der UN-Arbeit an. Besonders die Menschenrechtsarbeit bekomme deutlich weniger Mittel als andere Bereiche, obwohl sie eine der tragenden Säulen der Organisation sei. Deshalb wurde eine neue Human Rights Group eingerichtet, die Menschenrechtsarbeit im UN-System besser koordinieren soll.

Damit berührt die Reform auch eine politische Frage: Die UN soll sparen und effizienter werden, darf dabei aber zentrale Aufgaben nicht verlieren. Guterres forderte die Mitgliedstaaten zugleich auf, ihre Pflichtbeiträge vollständig und pünktlich zu zahlen. Die Reform könne die Arbeitsweise der Vereinten Nationen verbessern, aber ausbleibende Zahlungen nicht ersetzen.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share