Deutschland schickt Schutzanzüge in Ebola-Gebiet und bereitet Expertenteam vor

Ebola breitet sich in Ituri und Uganda aus. Deutschland schickt Schutzkleidung, bereitet ein Expertenteam vor und nimmt einen infizierten US-Arzt in Berlin auf.

Deutschland bereitet zusätzliche Hilfe für den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda vor. Am Dienstag kündigte Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan 500 Schutzanzüge für medizinisches Personal, weitere Schulungen und die Vorbereitung eines Einsatzes der Schnell Einsetzbaren Expertengruppe Gesundheit an. Der Ausbruch betrifft vor allem die ostkongolesische Provinz Ituri und hat inzwischen auch Uganda erreicht. Nach jüngsten Angaben aus der Region wurden in Ituri mehr als 500 Verdachtsfälle und mehr als 130 Verdachtstodesfälle registriert.

Schutzkleidung und Schulungen für medizinisches Personal

Das Bundesentwicklungsministerium reagiert auf die Ausbreitung des Ebola-Virus mit zusätzlicher Unterstützung für Gesundheitskräfte in Zentralafrika. 500 Schutzanzüge sollen in der kommenden Woche ausgeliefert werden. Zudem wird ein Schulungsprogramm zum sicheren Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen vorbereitet.

Die Schnell Einsetzbare Expertengruppe Gesundheit, kurz SEEG, bereitet sich nach Angaben von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan ebenfalls auf einen weiteren Einsatz vor. Die Gruppe unterstützt Länder bei Ausbrüchen gefährlicher Infektionskrankheiten, unter anderem bei Laborfragen, Diagnostik und Krisenreaktion.

Alabali Radovan erklärte: „Die Lage ist extrem ernst: Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union hat für den gesamten Kontinent den Notstand ausgerufen. Jetzt heißt es: Schnell handeln, um eine weitere Ausbreitung des gefährlichen Virus zu verhindern.“

Ituri meldet mehr als 500 Verdachtsfälle

Das Zentrum des Ausbruchs liegt in Ituri im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Die Provinz grenzt an Uganda und Südsudan. Die Gesundheitsbehörden in Ituri meldeten am 18. Mai 513 Verdachtsfälle, 131 Verdachtstodesfälle, 30 im Labor bestätigte Fälle und 541 Kontaktpersonen unter medizinischer Beobachtung.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte am 17. Mai von acht bestätigten Fällen, 246 Verdachtsfällen und 80 Verdachtstodesfällen in Ituri berichtet. Neuere Zahlen aus der Region und internationale Agenturberichte zeigen seither einen deutlichen Anstieg. Reuters meldete am Dienstag 516 Verdachtsfälle und 33 bestätigte Fälle in der Demokratischen Republik Kongo sowie zwei Fälle in Uganda. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte sich besorgt über Tempo und Ausmaß des Ausbruchs. 

Die betroffene Region ist von Unsicherheit, Bevölkerungsbewegungen und schwacher Gesundheitsinfrastruktur geprägt. Ituri ist zugleich ein Gebiet mit intensiver Mobilität über lokale Märkte, Bergbauorte und Grenzen hinweg. Diese Faktoren erschweren Kontaktnachverfolgung, Isolierung und Versorgung.

Bundibugyo-Variante erschwert die Eindämmung

Der aktuelle Ausbruch wird durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht. Für diese Variante gibt es nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen keine zugelassene Impfung und keine zugelassene spezifische Behandlung. Das unterscheidet den Ausbruch von Ebola-Lagen, bei denen Impfstoffe gegen die Zaire-Variante eingesetzt werden können. 

Die WHO prüft den Einsatz experimenteller Impfstoffe und Behandlungsmöglichkeiten. Internationale Fachleute sollen technische Optionen bewerten. Parallel laufen in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda Kontaktverfolgung, Labortests, Sensibilisierungskampagnen und die Vorbereitung zusätzlicher Behandlungsstrukturen.

Die Africa CDC hat den Ausbruch als gesundheitlichen Notfall kontinentaler Sicherheit eingestuft. Die Behörde koordiniert nach eigenen Angaben regionale Abstimmungen mit der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und weiteren Partnern. Uganda meldete zunächst einen importierten Fall bei einem 59-jährigen kongolesischen Mann, der am 14. Mai starb. 

Infizierter US-Arzt soll in Berlin behandelt werden

Deutschland bereitet parallel die Aufnahme eines US-Arztes vor, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert hat. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte Reuters zufolge, dass der Patient in der Sonderisolierstation der Berliner Charité behandelt werden soll. Die US-Behörden hatten Deutschland um Unterstützung gebeten. 

Die christliche Missionsorganisation Serge identifizierte den Patienten als den Arzt Peter Stafford. Er arbeitete demnach seit 2023 am Nyankunde-Krankenhaus in der Demokratischen Republik Kongo und war bei der Behandlung von Patienten dem Virus ausgesetzt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC teilte mit, der amerikanische Patient sei nach beruflicher Exposition positiv getestet worden. 

Die Aufnahme in Berlin erfolgt über spezialisierte Strukturen für hochpathogene Erreger. Ob weitere exponierte Personen nach Deutschland gebracht werden, blieb zunächst offen.

Alabali Radovan warnt vor Kürzungen bei Gesundheitszusammenarbeit

Entwicklungsministerin Alabali Radovan verwies auf langjährige deutsche Investitionen in Pandemievorsorge in Zentralafrika. Dazu zählen Frühwarnsysteme, Trainings für medizinisches Personal und Labore. Diese Strukturen seien nun im Einsatz.

„In diesem Moment zahlt sich aus, dass wir mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit schon seit vielen Jahren in die Pandemievorsorge in Zentralafrika investieren“, erklärte die Ministerin. Sie nannte Frühwarnsysteme, medizinische Trainings und Labore, „in denen jetzt im Akkord getestet wird“.

Alabali Radovan verband die aktuelle Lage mit einer Warnung vor Kürzungen in der internationalen Gesundheitszusammenarbeit: „Wer bei der internationalen Zusammenarbeit für Gesundheit spart, gefährdet Menschenleben – aktuell in Zentralafrika, aber auch schnell darüber hinaus.“

Ausbruch trifft eine bereits belastete Region

Ituri gehört zu den Regionen im Osten der Demokratischen Republik Kongo, in denen bewaffnete Konflikte, Vertreibung und schwache staatliche Strukturen die Gesundheitsversorgung seit Jahren belasten. Die Provinzgesundheitsbehörde setzt auf Überwachung, aktive Kontaktsuche und Aufklärung in betroffenen Zonen.

Die WHO hat den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite eingestuft. Die Organisation betont zugleich, dass die Lage nach bisherigen Angaben nicht die Schwelle einer Pandemie-Notlage erreicht.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share