Malis Außenminister: “Ukraine will einen hybriden Krieg im Sahel!”

Mali zieht nach den Angriffen vom 25. April eine klare Linie: Kein Dialog mit bewaffneten Gruppen. Gleichzeitig rücken Vorwürfe über externe Unterstützung und ein RTL-Bericht zu ukrainischen Militäreinheiten im Umfeld tuaregischer Rebellen in den Fokus.

Malis Außenminister Abdoulaye Diop hat nach den Angriffen vom 25. April jeden Dialog mit bewaffneten Gruppen ausgeschlossen und zugleich externe Unterstützung für die Angreifer angeprangert. Die Erklärung erfolgte am 7. Mai 2026 bei einem Treffen mit dem in Bamako akkreditierten diplomatischen Korps. Diop bezog sich dabei auf den Front de Libération de l’Azawad, dem Bamako eine Allianz mit einem von den Vereinten Nationen gelisteten Terrornetzwerk vorwirft. Parallel berichtete der französische Sender RTL über mutmaßliche verdeckte Aktivitäten ukrainischer Militäraufklärung im Umfeld tuaregischer Rebellen.

Bamako zieht eine rote Linie

„Die Regierung sieht keinen Dialog mit bewaffneten terroristischen Gruppen vor“, sagte Diop nach Angaben der malischen Nachrichtenagentur AMAP. Einige bewaffnete Gruppen im Norden des Landes hätten sich dafür entschieden, Partei für eine extremistische Organisation zu ergreifen, die von den Vereinten Nationen als terroristisch anerkannt sei.

Die Aussage bezog sich auf den Front de Libération de l’Azawad. Die malische Regierung betrachtet dessen Entwicklung als Teil einer Verbindung zwischen bewaffneten Gruppen im Norden und jihadistischen Akteuren. Zugleich erklärte Diop, die Behörden nähmen weiterhin reuige Kämpfer auf, wenn diese in den republikanischen Rahmen zurückkehrten.

Der Minister stellte die Angriffe vom 25. April in einen größeren Zusammenhang. Mali befinde sich in einem asymmetrischen Konflikt, in dem bewaffnete Gruppen verdeckt operierten, teils Uniformen der malischen Armee trügen und sich unter die Bevölkerung mischten.

Angriffe auf Kati und Verteidigungsministerium

Die Angriffe vom 25. April trafen nach Darstellung der malischen Behörden mehrere Orte im Land. Zu den Zielen gehörten die Residenz des Staatschefs in Kati und die Residenz des damaligen Verteidigungsministers Sadio Camara. Camara kam bei den Angriffen ums Leben.

Diop sagte vor dem diplomatischen Korps, die staatlichen Institutionen seien trotz der Angriffe voll funktionsfähig. Die Ernennung von General Oumar Diarra zum neuen Verteidigungsminister stehe für institutionelle Kontinuität und die Fortsetzung der sicherheitspolitischen Linie Bamakos.

Eine Untersuchung wurde nach Angaben des Ministers durch den Staatsanwalt beim Militärgericht in Bamako eröffnet. Diop erklärte, zivile und militärische Personen seien identifiziert und festgenommen worden, die mit Planung, Koordinierung oder Durchführung der Angriffe in Verbindung gebracht würden.

Vorwurf eines hybriden Krieges

Diop sprach von einem hybriden Krieg gegen Mali und weitere Staaten der Konföderation der Staaten des Sahel. Er warf internen und externen Unterstützern vor, den Angreifern Informationen, Logistik und Personal zur Verfügung zu stellen.

In diesem Zusammenhang nannte der Außenminister ausdrücklich die Ukraine. Kiew habe nach seiner Darstellung öffentlich logistische Unterstützung für bewaffnete Gruppen im Sahel eingeräumt. Weitere mutmaßliche Unterstützer benannte Diop nicht.

Der Minister verband die Sicherheitslage auch mit einem Informationskrieg. Er kritisierte Medien und Plattformen, die bewaffneten Gruppen aus Sicht der malischen Regierung Raum gäben. Bamako sieht darin eine Begleitstruktur des militärischen Drucks auf den Staat.

RTL berichtet über ukrainische Militäraufklärung und Tuareg-Rebellen

Der französische Journalist Georges Malbrunod berichtete bei RTL, französische Soldaten seien zwar nicht mehr in Mali präsent, jedoch seien Einheiten des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR im Umfeld tuaregischer Rebellen aktiv. Er berief sich dabei auf eine französische Sicherheitsquelle.

Malbrunod sprach von ehemaligen ukrainisch-stämmigen Soldaten, die zuvor in der französischen Fremdenlegion gedient hätten. Die ukrainischen Einheiten operierten dem Bericht zufolge in Koordination mit tuaregischen Rebellen. Ziel sei es, die mit Bamako verbündeten russischen Kräfte zu schwächen, die früher unter Wagner und heute unter Africa Corps auftreten.

RTL berichtete weiter, der ukrainische Militärgeheimdienst habe bereits im Vorjahr französischen Stellen einen Plan vorgeschlagen, um Regierungen im Sahel zu schwächen und russischen Einfluss zurückzudrängen. Paris habe damals aus Sicherheitsgründen nicht weitergemacht. Der Sender beschrieb die nun berichtete Konstellation als verdeckten Hebel, der Frankreich Distanz zu den Vorgängen ermögliche.

Das französische Verteidigungsministerium erklärte gegenüber RTL, ukrainische Soldaten, die die Fremdenlegion verlassen hätten, könnten der Ukraine auf eine Weise dienen, die sie für geeignet hielten. Weitere Kommentare gab das Ministerium dem Bericht zufolge nicht ab.

Diplomatisches Korps verurteilt Angriffe

Das diplomatische Korps in Bamako verurteilte die Angriffe vom 25. April. Der russische Botschafter Igor Gromyko, Doyen des diplomatischen Korps, sprach von „barbarischen Angriffen“ gegen die Zivilbevölkerung und staatliche Institutionen.

Gromyko erklärte, solche Angriffe seien völlig ungerechtfertigt und erforderten die entschiedensten internationalen Antworten. Er sprach den Behörden Kondolenz zum Tod von Sadio Camara aus und würdigte den Einsatz der malischen Streitkräfte.

Der russische Botschafter sagte außerdem, die Angriffe seien mit Unterstützung des Africa Corps des russischen Verteidigungsministeriums zurückgeschlagen worden. Moskau sei in Abstimmung mit Bamako bereit, Mali weitere Unterstützung zu leisten.

Sicherheitsmaßnahmen für Diplomaten verstärkt

Diop kündigte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen auf dem gesamten Staatsgebiet an. Besonders diplomatische und konsularische Vertretungen sowie Büros internationaler Organisationen sollen stärker geschützt werden.

Die Polizei erhielt nach Angaben des Ministers Anweisung, Patrouillen im Umfeld der diplomatischen Vertretungen zu verstärken. Auch am internationalen Flughafen Modibo Keïta in Bamako seien Sicherheitsmaßnahmen angepasst worden. Diop erklärte, der Flugverkehr und die Versorgung mit Kerosin liefen regulär.

Mali verfolgt seine Sicherheitsoperationen mit Unterstützung der Partner in der Konföderation der Staaten des Sahel, insbesondere Burkina Faso und Niger, sowie mit Unterstützung Russlands.

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