Bewaffnete Gruppen haben Mali mit koordinierten Angriffen auf Bamako, Kati, Gao, Kidal, Sévaré und Mopti unter Druck gesetzt. Die Angriffe begannen am Samstagmorgen, dem 25. April 2026. Während die malische Armee in der Hauptstadt und nahe dem Machtzentrum Kati kämpfte, reklamierten Angreifer im Norden Geländegewinne in Kidal und Gao. Die Übergangsregierung meldete 16 Verletzte, verhängte eine Ausgangssperre in Bamako und erklärte die Lage in den betroffenen Orten für unter Kontrolle.
Bamako als Teil einer mehrörtigen Offensive
Der Angriff auf Bamako war Teil einer gleichzeitigen Offensive gegen politische, militärische und symbolische Ziele. Schüsse und Explosionen wurden in der Umgebung des internationalen Flughafens Modibo Keïta und in Kati gemeldet, wo sich der wichtigste Militärstützpunkt des Landes und die Residenz von Übergangspräsident Assimi Goïta befinden. In Kati wurde auch das Haus von Verteidigungsminister Sadio Camara schwer beschädigt.
Die Zielauswahl deutet auf eine Strategie hin, malische Sicherheitskräfte gleichzeitig an mehreren Fronten zu binden. Heni Nsaibia, Westafrika-Analyst bei ACLED, bezeichnete Kati und Bamako als Orte „im Herzen des Regimes“. Kidal sei zugleich zentral für die Erzählung der Militärführung, die territoriale Kontrolle im Norden wiederhergestellt zu haben.
Geländegewinne im Norden bleiben umstritten
Die al-Qaida-nahe JNIM reklamierte die Angriffe gemeinsam mit der Azawad-Befreiungsfront FLA. Die JNIM erklärte, sie habe Ziele in Kati, am Flughafen von Bamako sowie in Mopti, Sévaré und Gao angegriffen. Zugleich behauptete sie, Kidal sei in einer gemeinsamen Operation mit der FLA eingenommen worden.
BREAKING
— Visegrád 24 (@visegrad24) April 25, 2026
Al Qaeda in Mali (JNIM) & Tuareg separatists of FLA have launched a nationwide offensive against Mali’s junta & its Russian allies
They’re reportedly successful, having entered the capital city Bamako &Taureg capital Kidal
It’s looks like Mali is falling to jihadists pic.twitter.com/icpZPqQRjM
Auch die FLA sprach von Geländegewinnen in Kidal und Gao. Die Nachrichtenagentur AP berichtete unter Berufung auf einen früheren Bürgermeister von Kidal, Aufständische seien in die Stadt eingedrungen und hätten einzelne Viertel unter ihre Kontrolle gebracht.
Kidal hat für die Militärregierung hohen Symbolwert. Die Stadt war lange ein Zentrum separatistischer Gruppen im Norden Malis, bevor Regierungstruppen sie 2023 mit russischer Unterstützung zurückeroberten. Neue Kämpfe dort treffen damit einen Ort, den Bamako als Beleg für die Rückgewinnung staatlicher Kontrolle dargestellt hatte.
Russische Unterstützung und Berichte über Hubschrauberverlust
Russische Kräfte spielen in Malis Sicherheitsapparat weiter eine wichtige Rolle. Die Militärregierung hatte sich in den vergangenen Jahren von Frankreich und mehreren westlichen Partnern abgewandt und ihre Zusammenarbeit mit Russland ausgebaut. Die Regierung in Bamako stützt sich bei der Sicherheitsstrategie auf russische Söldner und habe zugleich wieder engere Kontakte zu Washington gesucht.
Russian military lost a helicopter near Gao, Mali, reportedly shot down by a surface-to-air missile system.
— Special Kherson Cat 🐈🇺🇦 (@bayraktar_1love) April 26, 2026
The crew and a mobile fire team on board were killed. The incident was confirmed by a Russian source associated with military aviation, Fighterbomber. pic.twitter.com/OjNGyye0VY
Zu einem möglichen Verlust eines Hubschraubers im Raum Gao kursierten Berichte aus militärnahen und offenen Quellen. Das Aviation Safety Network führte am 25. April einen möglichen Absturz eines malischen Mi-35-Hubschraubers nahe Wabaria in der Region Gao auf. Ukrainische Militärmedien meldeten unter Berufung auf den russlandnahen Telegram-Kanal Fighterbomber, der Hubschrauber sei durch äußere Einwirkung getroffen worden. Eine offizielle Bestätigung aus Bamako oder Moskau lag zunächst nicht vor.
Ausgangssperre in Bamako, unklare Opferzahlen
Die Übergangsregierung meldete am Samstagabend 16 Verletzte, darunter Zivilisten und Militärangehörige. Regierungssprecher Issa Ousmane Coulibaly nannte keine Zahl der Toten. Die Armee erklärte, mehrere Angreifer seien getötet worden, und sprach später von „mehreren Hundert“ getöteten Angreifern. Auch diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Der Gouverneur des Distrikts Bamako verhängte eine nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr. Sie gilt zunächst für drei Tage. Auch in Gao wurde am Abend eine Ausgangssperre verhängt, nachdem dort zunächst eine angespannte Ruhe eingekehrt war.
Eine seltene Allianz gegen die Militärregierung
Die Angriffe zeigen eine offene Koordination zwischen der jihadistischen JNIM und separatistischen Kräften aus dem Norden. Ulf Laessing, Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung, sprach vom offenbar größten koordinierten Angriff seit Jahren in Mali. Besonders besorgniserregend sei, dass die JNIM offenbar mit Tuareg-Rebellen zusammengearbeitet habe. Eine solche Verbindung habe es bereits 2012 gegeben, als jihadistische und separatistische Kräfte den Norden Malis überrannten.
I don’t think Bamako will fall. But no doubt this is major attack apparently coordinated in parts of the country between JNIM and Tuareg. The videos from Kidal are humiliating – when Mali took it with the Russians it have a huge popularity boost to the government.
— Ulf Laessing (@UlfLaessing) April 25, 2026
Die Bezeichnung „Tuareg-Rebellen“ meint dabei bewaffnete separatistische Gruppen, nicht die Tuareg-Bevölkerung insgesamt. Die Tuareg sind eine Volksgruppe im Sahel und in Nordafrika. Bewaffnete Bewegungen wie die FLA berufen sich auf politische Ziele im Norden Malis, vertreten aber nicht automatisch die gesamte Bevölkerungsgruppe.
USA, Frankreich und Afrikanische Union reagieren

Die US-Botschaft in Bamako warnte vor Explosionen und Schüssen nahe Kati und am internationalen Flughafen. Sie rief US-Bürger dazu auf, Schutz zu suchen und Reisen in die betroffenen Gebiete zu vermeiden. Das US-Außenministerium verurteilte die Angriffe und erklärte Unterstützung für die malische Bevölkerung und die Regierung.
Das französische Außenministerium veröffentlichte am 25. April einen Reisehinweis zu „simultanen Angriffen in mehreren Ortschaften“ in Mali. Frankreich hatte seine militärische Präsenz im Land nach dem Bruch mit der Militärregierung beendet.
Die Afrikanische Union erklärte, Kommissionspräsident Mahmoud Ali Youssouf verfolge die Angriffe mit „tiefer Besorgnis“. Die AU verurteilte die Gewalt und warnte vor schweren Gefahren für die Zivilbevölkerung.
Mali bleibt in einer schweren Sicherheitskrise
Mali wird seit 2012 von einer Sicherheitskrise geprägt. Jihadistische Gruppen, separatistische Bewegungen, lokale Milizen und kriminelle Netzwerke sind in verschiedenen Landesteilen aktiv. Die Militärführung kam nach Umstürzen 2020 und 2021 an die Macht und versprach, die Sicherheit wiederherzustellen.
Die jüngsten Angriffe trafen nicht nur abgelegene Regionen, sondern auch Bamako und Kati. Damit erreichte die Gewalt erneut Orte, die für die politische und militärische Kontrolle des Landes zentral sind. In der Hauptstadt galt nach den Kämpfen weiter die Ausgangssperre.

