“Menschen, so schwarz wie dieser Tisch!”

Bruno Le Maire schildert eine Szene aus dem G7-Gipfel von Biarritz: Donald Trump soll Emmanuel Macron mit einer abfälligen Afrika-Äußerung unterbrochen haben. Der frühere französische Wirtschaftsminister sieht darin ein Muster von Trumps Verhandlungsstil.

Der frühere französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire beschreibt eine abfällige Afrika-Äußerung Donald Trumps in einem Gespräch mit Emmanuel Macron. Die Szene soll sich am Rand des G7-Gipfels von Biarritz ereignet haben. Le Maire schildert sie in seinem am 23. April erschienenen Buch „Le temps d’une décision“ und sprach darüber am 2. Mai in der France-2-Sendung „Quelle Époque !“. Im Zentrum stand damals ein Streit über die französische Digitalsteuer und mögliche amerikanische Strafzölle auf französischen Wein.

Gespräch über Digitalsteuer in Biarritz

Nach Le Maires Darstellung trafen Macron und Trump während des G7-Gipfels im August 2019 in einem kleinen Raum eines Hotels in Biarritz zusammen. Ziel des bilateralen Gesprächs war eine Einigung über die französische Digitalsteuer. Die Steuer belastete große Digitalkonzerne und hatte in Washington Drohungen mit Handelsmaßnahmen ausgelöst.

Die US-Regierung stellte damals Strafzölle auf französische Weine in Aussicht. Frankreich versuchte, eine Eskalation des Handelsstreits zu vermeiden.

Le Maire beschreibt Trump in der Szene als kaum aufmerksam. Der damalige US-Präsident habe auf einem Sofa gesessen, plötzlich mit der Hand auf den Tisch geschlagen und Macron direkt angesprochen.

„Schwarz wie dieser Tisch“

Le Maire zitiert Trump mit den Worten: „Hast du gesehen, Emmanuel, wie schwarz dieser Tisch ist? Ich war in Afrika, Emmanuel, und ich sage dir, die Menschen dort sind schwarz wie dieser Tisch.“

Macron habe darauf nicht reagiert, schreibt Le Maire. Der frühere Minister deutet die Äußerung nicht als beiläufige Abschweifung, sondern als Teil einer Gesprächsführung, mit der Trump sein Gegenüber aus dem gewohnten Rahmen bringen wolle.

In der Sendung „Quelle Époque !“ sagte Le Maire, Trump versuche in Verhandlungen ständig, Dominanz herzustellen. Der US-Präsident bewege sich dabei nicht in der „kartesianischen Logik“, an der sich französische Regierungsvertreter orientierten.

Le Maire sieht Methode hinter Trumps Stil

Le Maire ordnet die Szene als Beispiel für Trumps Verhandlungsstil ein. Der frühere Wirtschaftsminister beschreibt eine Form politischer Kommunikation, die weniger auf stringente Argumentation setze als auf Überraschung, Druck und Irritation.

Diese Darstellung knüpft an Erfahrungen anderer europäischer Verantwortlicher an, die Verhandlungen mit der Trump-Regierung als unberechenbar und psychologisch stark aufgeladen beschrieben haben. Trump nutze demnach Brüche im Gespräch, um sein Gegenüber zu verunsichern und die Gesprächsrichtung zu bestimmen.

Le Maire war während der ersten Präsidentschaft Trumps einer der zentralen französischen Ansprechpartner in Wirtschafts- und Handelsfragen. Der Streit um die Digitalsteuer gehörte zu den besonders angespannten Dossiers zwischen Paris und Washington.

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