Russland hat ein neues Online-Portal zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte gestartet. Am 15. April ging die Plattform „Time to Live in Russia“ online, über die sich Bewerber aus Wissenschaft, Technologie, Kultur, Sport und Wirtschaft melden können. Fast zeitgleich setzte das französische Außenministerium mit einem spöttischen Beitrag auf X den Ton der Debatte. Damit rückten nicht nur Russlands neue Werbebotschaften in den Fokus, sondern auch frühere Fälle aus afrikanischen Staaten, in denen Männer mit falschen Jobversprechen nach Russland gelockt wurden und später an der Front im Ukraine-Krieg landeten.
Paris legt mit einem Satz nach
Der Account „French Response“ schrieb, in der russischen Ausschreibung fehlten noch einige Voraussetzungen, darunter „eine Vorliebe für Autokratien“, „ein flexibles Verhältnis zu Fakten“ und „eine gewisse Abneigung gegen eine regelbasierte Ordnung“. Dazu setzte das Außenministerium den Hashtag „BringYourOwnUniform“.
Missing a few requirements:
— French Response (@FrenchResponse) 15. April 2026
• a fondness for autocracies
• a flexible relationship with facts
• a certain dislike of rules-based order#BringYourOwnUniform https://t.co/rs5modUsfT
Die Pointe saß auch deshalb, weil sie an Berichte anknüpft, die in mehreren afrikanischen Ländern seit längerem kursieren. Dort geht es um Männer, die mit Versprechen auf zivile Arbeit nach Russland reisten und später im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt wurden.
Moskau wirbt mit Karriere und Integration
Offiziell präsentiert Russland das neue Portal als staatliches Programm für hochqualifizierte Ausländer. Gesucht werden Fachkräfte aus Wissenschaft, Unternehmertum, Sport, Kultur und weiteren Bereichen. Bewerber sollen ihren Lebenslauf und Qualifikationsnachweise online einreichen, danach ist ein Interview vorgesehen.
Wer aufgenommen wird, erhält Unterstützung bei Visa, Einreise und Integration. Die Website wirbt mit beruflichen Chancen, Familienfreundlichkeit und einem dauerhaften Leben in Russland.
Aus Jobangeboten wurden Kriegseinsätze
Gerade diese Selbstdarstellung trifft auf einen heiklen Hintergrund. Mittlerweile ist von Hunderten bis mehr als 1.400 Afrikanern aus mindestens 36 Ländern die Rede. Genannt werden unter anderem Kenia, Nigeria, Ghana, Senegal und Simbabwe.

Sie wurden mit Angeboten für Tätigkeiten auf dem Bau, in der Logistik, im Sicherheitsbereich oder in Fabriken nach Russland gebracht. Nach der Ankunft wurden ihnen Pässe abgenommen. Zudem wurden sie unter Druck gesetzt oder getäuscht, militärische Verträge zu unterschreiben. Teilweise kamen Betroffene nach kurzer Ausbildung direkt an die Front in der Ukraine.
Wenn Moskau nun mit Karrierechancen, Stabilität und Familienleben wirbt, trifft diese Botschaft auf ein Umfeld, in dem die früheren Rekrutierungsfälle noch präsent sind. Gerade in Afrika ist das Misstrauen deshalb naheliegend.

