Kongos Präsident Denis Sassou N’Guesso und Russlands Präsident Wladimir Putin wollen die Zusammenarbeit zwischen Brazzaville und Moskau in Wirtschaft, Energie, Infrastruktur, Verteidigung und Bildung ausbauen. Die Gespräche fanden während Sassou N’Guessos Staatsbesuch in Russland vom 28. April bis zum 1. Mai statt. Im Kreml kündigten beide Seiten an, gemeinsame Projekte voranzubringen und einen Aktionsplan für die kommenden Jahre im wirtschaftlichen Bereich zu unterzeichnen. Für den Präsidenten der Republik Kongo ist es die erste Auslandsreise seit seiner erneuten Amtseinführung.
Erste Auslandsreise führt nach Moskau
Sassou N’Guesso traf Putin im Kreml zu Gesprächen über die weitere Ausrichtung der bilateralen Beziehungen. Vor dem Treffen nahmen beide Präsidenten im Georgssaal des Großen Kremlpalasts an einer offiziellen Begrüßungszeremonie teil.
Putin erinnerte daran, dass das erste Abkommen zwischen beiden Staaten 1981 geschlossen wurde. Seitdem hätten sich die Beziehungen zwischen Russland und der Republik Kongo in mehreren Bereichen entwickelt. Er gratulierte Sassou N’Guesso zu dessen Wiederwahl und hob hervor, dass der kongolesische Präsident Russland als erstes Ziel nach seiner Amtseinführung gewählt habe.
Sassou N’Guesso erklärte, sein Staatsbesuch solle die Beziehungen zwischen beiden Staaten stärken. Die Verbindungen reichten über mehrere Jahrzehnte zurück und umfassten Sicherheit, Verteidigung und Wirtschaft.
Gemeinsamer Aktionsplan für die kommenden Jahre
Im wirtschaftlichen Bereich nannten beide Seiten geologische Erkundung, Energie, Logistik, Landwirtschaft und weitere Felder als mögliche Schwerpunkte. Putin sagte, russische Unternehmen seien bereit, auf dem kongolesischen Markt zu arbeiten. Er verwies dabei auf die politische Stabilität des Landes als günstige Bedingung für wirtschaftliche Aktivitäten.

Sassou N’Guesso sprach von einem gemeinsam ausgearbeiteten Programm, dessen Umsetzung beschleunigt werden solle. Nach den Gesprächen in Moskau sollten einzelne Punkte präzisiert und ein Programm für die nächsten drei Jahre festgelegt werden. Ein Abkommen könnte im September in Brazzaville unterzeichnet werden.
Die zwischenstaatliche Kommission beider Länder arbeitet bereits an der Umsetzung gemeinsamer Vorhaben. Putin kündigte an, während des Besuchs solle ein gemeinsamer Aktionsplan für die kommenden Jahre im Wirtschaftsbereich unterzeichnet werden.
Energie und Rohstoffe stehen im Zentrum
Für Brazzaville geht es besonders um neue Investitionen, Wachstum und Arbeitsplätze. Die Kooperation mit Russland hat im Energiesektor an Bedeutung gewonnen. Moskau unterstützt die Republik Kongo bei der Stärkung ihrer Energiesicherheit und beim Ausbau der Erdölindustrie.
Zu den Projekten zählt ein möglicher Bau einer Pipeline von mehr als 1.000 Kilometern Länge. Sie soll die Atlantikküste mit dem Norden des Landes verbinden. Das Vorhaben war bereits bei einem Treffen Sassou N’Guessos mit dem russischen Vizepremier Alexander Novak in Brazzaville angesprochen worden.
Auch der Bergbau gehört zu den Feldern, in denen beide Staaten enger zusammenarbeiten wollen. Eine Rolle spielt dabei das Institut für Bergbau in Sankt Petersburg. Die Republik Kongo will ihre Wirtschaft breiter aufstellen und neue Projekte außerhalb des klassischen Erdölsektors entwickeln.
Ausbildung bleibt ein wichtiger Teil der Partnerschaft
Neben Energie und Infrastruktur spielt Bildung eine zentrale Rolle. Putin erklärte, in früheren Jahren seien in Russland rund 8.000 Fachkräfte für die Republik Kongo ausgebildet worden. Derzeit studieren demnach 850 junge Menschen aus dem Land in der Russischen Föderation.

Sassou N’Guesso nannte die Ausbildung von Fachkräften in mehreren Bereichen als einen Schwerpunkt der Zusammenarbeit. Dazu zählten auch Landwirtschaft und Fischerei. Die neue kongolesische Regierung solle nach ihrer Amtsübernahme an der weiteren Ausarbeitung des Programms mitwirken.
Russland und die Republik Kongo arbeiten auch im Gesundheitsbereich zusammen. Sassou N’Guesso verwies auf eine Konferenz zu Infektionskrankheiten in Brazzaville und auf mobile Labore, die in das Land geliefert wurden.
Moskau bindet Kongo stärker in Afrika-Strategie ein
Putin dankte Sassou N’Guesso für dessen Teilnahme an den Russland-Afrika-Gipfeln und lud ihn zum nächsten Gipfel im Herbst nach Moskau ein. Sassou N’Guesso sagte, er erwarte einen erfolgreichen Verlauf des Treffens.
Die Reise des kongolesischen Präsidenten umfasst neben dem Kreml auch Termine im Föderationsrat und in Sankt Petersburg. In Moskau legte Sassou N’Guesso zudem einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten nieder. Die Gedenkstätte am Alexandergarten erinnert an sowjetische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind.
Die Beziehungen zwischen Brazzaville und Moskau reichen bis 1964 zurück, als die damalige Sowjetunion und die Republik Kongo diplomatische Beziehungen aufnahmen. Mit dem aktuellen Staatsbesuch setzen beide Regierungen auf eine engere wirtschaftliche und strategische Abstimmung.

