Somalilands Präsident reist nach Israel – Heftige Proteste aus Somalia und Ägypten

Somalilands Präsident wird in Israel erstmals mit vollständigem Staatsprotokoll empfangen. Die Visite vertieft die Beziehungen nach der israelischen Anerkennung und verschärft den Konflikt mit Somalia.

Somalilands Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi ist zu einem Staatsbesuch in Israel eingetroffen und von Präsident Isaac Herzog in Jerusalem empfangen worden. Die Visite begann am Sonntag, 14. Juni 2026. Es ist der erste Besuch eines somaliländischen Staatsoberhaupts in Israel und die bislang ranghöchste Begegnung seit der gegenseitigen Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Somalia lehnt die israelische Anerkennung Somalilands weiterhin als Verletzung seiner staatlichen Souveränität ab.

Herzog empfing Abdullahi mit militärischen Ehren am Präsidentensitz. Auf der Tagesordnung stehen die Zusammenarbeit in den Bereichen Landwirtschaft, Technologie, Gesundheit, Handel und Sicherheit.

„Heute wird Geschichte geschrieben, und Somaliland ist bereit, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, die auf Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigem Respekt beruht“, erklärte Abdullahi nach seiner Ankunft.

Israel empfängt Somaliland mit vollem Staatsprotokoll

Die Reise hat für Somaliland eine besondere diplomatische Bedeutung. Seit der einseitigen Unabhängigkeitserklärung von Somalia im Jahr 1991 bemüht sich die Regierung in Hargeisa um internationale Anerkennung. Israel erkannte Somaliland am 26. Dezember 2025 als unabhängigen und souveränen Staat an und wurde damit das erste Mitglied der Vereinten Nationen, das diesen Schritt vollzog.

„35 Jahre lang hat das Volk von Somaliland eine friedliche, demokratische und widerstandsfähige Nation aufgebaut“, schrieb Abdullahi zu Beginn der Reise. Somaliland habe die internationale Gemeinschaft gefragt: „Seht ihr uns?“ Israel habe als erstes Land geantwortet.

Die Visite markiere einen „historischen Meilenstein“ und den Beginn eines neuen Kapitels in den Beziehungen zwischen Somaliland und Israel, erklärte der Präsident. Er vertrete dabei die Hoffnungen und Interessen von nach seinen Angaben sechs Millionen Menschen.

Der politische Analyst Sharmake Ali bezeichnete den Empfang als den ersten Moment seit 35 Jahren, in dem Somaliland von einem anderen Staat mit vollständigem diplomatischem Protokoll behandelt werde. Die Begegnung geht damit über die informellen Kontakte hinaus, die Hargeisa seit Jahren zu mehreren Regierungen und internationalen Partnern unterhält.

Herzog drängt auf konkrete Zusammenarbeit

Israels Präsident erklärte beim Empfang, beide Seiten hätten mit „Mut und Realismus“ gehandelt. Israel habe eine staatliche Realität anerkannt, die sich über mehrere Jahrzehnte entwickelt habe.

Herzog verwies auf Bilder aus Somaliland, auf denen Menschen nach der Anerkennung israelische Fahnen schwenkten. Diese Szenen hätten in Israel große Aufmerksamkeit erhalten.

Nun müssten beide Seiten von politischen Erklärungen zu praktischer Zusammenarbeit übergehen. „Wir müssen von Erklärungen zu Zusammenarbeit und Kooperation zwischen den Menschen übergehen“, sagte Herzog.

Als gemeinsame Interessen nannte er den Kampf gegen extremistische Gruppen, regionale Sicherheit und den Schutz der freien Schifffahrt. Somaliland liegt am Golf von Aden gegenüber dem Jemen und damit an einer der strategisch wichtigsten Seeverbindungen zwischen dem Indischen Ozean, dem Roten Meer und dem Suezkanal.

Über den Hafen von Berbera besteht ein direkter Zugang zu einer Route, die für den internationalen Handel und die Energieversorgung von großer Bedeutung ist. Angriffe der Huthi-Miliz aus dem Jemen auf Schiffe im Roten Meer haben die sicherheitspolitische Bedeutung der Region für Israel zusätzlich erhöht.

Beziehungen wurden seit Dezember rasch ausgebaut

Die Reise Abdallahis folgt auf mehrere diplomatische Schritte innerhalb weniger Monate. Nach der israelischen Anerkennung besuchte Außenminister Gideon Sa’ar am 6. Januar 2026 die somaliländische Hauptstadt Hargeisa.

Sa’ar führte dort Gespräche mit Abdullahi über den Ausbau der bilateralen Beziehungen. Während des Besuchs nahm der somaliländische Präsident die Einladung zu einer Reise nach Israel an.

Somaliland entsandte anschließend Mohamed Omar Hagi Mohamoud als ersten Botschafter nach Israel. Israel ernannte seinerseits einen diplomatischen Vertreter für Somaliland. Beide Seiten kündigten den Aufbau regulärer diplomatischer Vertretungen an.

Hargeisa wirbt insbesondere um israelische Investitionen und Technologie. Somaliland bietet nach Darstellung seiner Regierung Möglichkeiten in der Landwirtschaft, im Bergbau, im Energiesektor und in der Hafenwirtschaft. 

Somalia weist Anerkennung als rechtswidrig zurück

Die Regierung in Mogadischu erkennt die Unabhängigkeit Somalilands nicht an. Sie betrachtet das Gebiet weiterhin als Teil der Bundesrepublik Somalia und bezeichnet offizielle Kontakte anderer Staaten mit Hargeisa ohne ihre Zustimmung als rechtswidrig.

Somalias Präsident Hassan Sheikh Mohamud hatte die israelische Anerkennung kurz vor dem Besuch Abdallahis als einen der schwersten politischen Vorgänge in der jüngeren Geschichte seines Landes bezeichnet. Mogadischu spricht von einem Angriff auf die Souveränität und territoriale Integrität Somalias.

Nach dem Besuch des israelischen Außenministers in Hargeisa forderte Somalia die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union auf, an der international anerkannten Einheit des Landes festzuhalten.

Somaliland verwaltet sich dagegen seit 1991 weitgehend unabhängig. Es verfügt über eine eigene Regierung, ein Parlament, Sicherheitskräfte, eine Währung und staatliche Institutionen. Die internationale Gemeinschaft behandelte das Gebiet jedoch über Jahrzehnte nicht als souveränen Staat.

Botschaft in Jerusalem sorgt für weiteren Streit

Zusätzliche Spannungen löste die Ankündigung Somalilands aus, eine Botschaft in Jerusalem zu unterhalten. Ägypten, Somalia und weitere arabische und mehrheitlich muslimische Staaten verurteilten den Schritt.

In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten 15 Staaten die geplante diplomatische Vertretung als Verletzung des Völkerrechts und des rechtlichen Status von Ostjerusalem. Zu den Unterzeichnern gehörten neben Ägypten und Somalia auch Saudi-Arabien, Katar, Jordanien, die Türkei, Pakistan, Indonesien, Dschibuti, Sudan, Jemen, Oman, Libanon, Mauretanien und die Palästinensische Autonomiebehörde.

Ägypten unterstützt ausdrücklich die Einheit und territoriale Integrität Somalias. Kairo lehnt sowohl die israelische Anerkennung Somalilands als auch eine somaliländische Vertretung in Jerusalem ab.

Die Regierung in Hargeisa beharrt dagegen darauf, ihre internationalen Beziehungen eigenständig bestimmen zu können. Die israelische Anerkennung bildet dabei den bislang weitreichendsten diplomatischen Erfolg Somalilands seit der Unabhängigkeitserklärung von 1991.

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