Guterres und Baerbock erhöhen Druck auf UN-Reform

UN-Reform unter Druck: António Guterres und Annalena Baerbock fordern mehr Tempo, weniger Doppelarbeit und sichtbare Ergebnisse im UN-System.

UN-Generalsekretär António Guterres und Annalena Baerbock als Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung erhöhen den Druck, den Zukunftspakt der Vereinten Nationen mit der UN80-Reform in konkrete Veränderungen zu übersetzen.

Am 24. April 2026 kamen die Mitgliedstaaten dazu in New York zu einem informellen Dialog zusammen. Guterres stellte beide Initiativen als gemeinsame Strategie für ein erneuertes multilaterales System dar. Baerbock forderte mehr Tempo, klarere Zuständigkeiten und weniger Doppelarbeit innerhalb des UN-Systems.

Vertrauen soll durch Ergebnisse zurückkehren

Guterres verband den Zukunftspakt und die UN80-Initiative mit einer Krise des internationalen Vertrauens. Weltweit nähmen Fragmentierung, Polarisierung, Konflikte, Rückschläge beim Klimaschutz und technologische Risiken zu. Der Zukunftspakt sei die gemeinsame Zusage der Staaten, solche Herausforderungen zusammen anzugehen.

Die UN80-Initiative soll die Vereinten Nationen organisatorisch auf diese Zusagen ausrichten. Guterres nannte ein kohärenteres, wirksameres und besser vorbereitetes UN-System als Ziel. Es gehe um Strukturen, die schneller handeln, Doppelarbeit abbauen und die Arbeit in den Ländern besser verbinden.

„Multilateralismus muss mehr tun, als zu inspirieren und Versprechen zu machen“, sagte Guterres. „Er muss Ergebnisse liefern, denn Ergebnisse schaffen Vertrauen.“

Reform bei Finanzen, Entwicklung und humanitärer Hilfe

Guterres verwies auf mehrere Felder, auf denen der Zukunftspakt bereits in konkrete Prozesse überführt werde. Dazu gehören die internationale Steuerkooperation, der Umgang mit Schuldenkrisen, die Reform der globalen Finanzarchitektur und die neue Plattform für kreditnehmende Staaten.

Mit dem Sevilla Commitment seien zudem systematische Verbindungen zu internationalen Finanzinstitutionen gestärkt worden. Ziel ist eine engere Abstimmung zwischen globaler Finanzierung und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Entwicklungsländer sollen besseren Zugang zu einem Finanzsystem erhalten, das reaktionsfähiger und zugänglicher arbeitet.

Auch die humanitäre Hilfe steht unter Reformdruck. Guterres sprach von einem System, das schneller, schlanker und stärker gegenüber den betroffenen Menschen verantwortlich sein müsse. Ein neuer humanitärer Pakt soll gemeinsame Dienste, Lieferketten, Datennutzung und die Verbindung zu langfristiger Stabilisierung verbessern.

Baerbock fordert mehr Tempo

Baerbock erinnerte daran, dass der Zukunftspakt am 22. September 2024 im Konsens angenommen wurde. Das sei in einer Phase gelungen, in der viele Beobachter einen solchen Konsens kaum noch erwartet hätten. Nun müsse aus der politischen Einigung praktische Umsetzung werden.

Die Präsidentin der Generalversammlung stellte die UN80-Initiative als Umsetzungsmechanismus dar. Die Reform konzentriert sich auf drei Arbeitsstränge: Haushalte, Mandate und Strukturen. Baerbock forderte eine offene Debatte darüber, was im UN-System funktioniert und wo Zuständigkeiten unklar geworden sind.

Sie verband die Reform mit konkreten sozialen Kennzahlen. 4,6 Milliarden Menschen seien nicht vollständig durch grundlegende Gesundheitsdienste abgesichert. 2,5 Milliarden Frauen und Mädchen kämpften weiter um Gleichstellung in Bildung, Arbeit und anderen Lebensbereichen. 720 Millionen Menschen litten 2024 an Hunger. 270 Millionen Kinder hätten keinen Zugang zu Schule.

„Wenn wir es ernst meinen, dass der Pakt unsere Verpflichtung, die Nachhaltigkeitsziele unser Maßstab und UN80 unser Umsetzungsmechanismus ist, dann müssen wir schneller liefern“, sagte Baerbock.

Doppelarbeit im UN-System gerät in den Blick

Baerbock nannte Bildung als Beispiel für Überschneidungen zwischen UN-Organisationen. UNICEF und UNESCO hätten ursprünglich klarere Zuständigkeiten gehabt. Eine Organisation habe stärker Orte geschaffen, an denen Bildung auch in Krisengebieten möglich bleibt. Die andere habe stärker an Lernmaterialien gearbeitet.

Im Laufe der Zeit hätten sich die Aufgaben angenähert. Beide Organisationen arbeiteten heute teils an Schulbau und Bildungsinhalten. Baerbock forderte die Mitgliedstaaten auf, in den Leitungsgremien der Organisationen stärker zu prüfen, wo mehr Ergänzung statt Doppelarbeit möglich ist.

Die Debatte geht über einzelne UN-Agenturen hinaus. Baerbock verwies auch auf Finanzierungsfragen und die Abstimmung zwischen den Vertretungen der Staaten in New York und den internationalen Finanzinstitutionen in Washington. Regierungen müssten ihre Positionen über Ressortgrenzen hinweg besser koordinieren.

Künstliche Intelligenz wird Teil der Reformagenda

Guterres und Baerbock stellten digitale Transformation und künstliche Intelligenz als festen Bestandteil der Reform dar. Der Zukunftspakt enthält den Global Digital Compact als Rahmen für digitale Zusammenarbeit. UN80 soll daraus organisatorische Veränderungen ableiten.

Guterres nannte eine gemeinsame Technologieplattform, eine geteilte digitale Infrastruktur und eine Datenplattform des UN-Systems. Öffentliche Daten und Statistiken sollen besser über Organisationen und Arbeitsbereiche hinweg verbunden werden.

Baerbock hob die Einrichtung eines unabhängigen internationalen wissenschaftlichen Panels zu künstlicher Intelligenz und den globalen Dialog zur KI-Governance hervor. Beides gehört zu den ersten sichtbaren Umsetzungen des Zukunftspakts.

Menschenrechte und Länderarbeit sollen stärker verbunden werden

Guterres betonte, dass der Zukunftspakt und UN80 alle drei Säulen der Vereinten Nationen verbinden: Frieden und Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und Menschenrechte. Prävention, Schutz ziviler Räume, stärkere Rechenschaft und Beteiligung marginalisierter Gruppen sollen dabei enger zusammengedacht werden.

Unter Leitung des Hohen Kommissars für Menschenrechte wurde eine neue Menschenrechtsgruppe eingerichtet. Sie soll Menschenrechte stärker in die Arbeit des UN-Systems integrieren.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit in den Ländern. Guterres sprach von stärker koordinierten UN-Präsenzen vor Ort, klareren Befugnissen für residierende Koordinatoren und Länderteams, die als Einheit handeln. Weniger Doppelstrukturen und geringere Verwaltungskosten sollen die UN-Arbeit näher an Regierungen, Gemeinden und betroffene Gruppen bringen.

Baerbock rief die Mitgliedstaaten dazu auf, den Geist des Zukunftspakts fortzuführen und möglichst weiter im Konsens zu handeln. Zugleich sagte sie, Staaten sollten nicht davor zurückschrecken, mit einer Mehrheit voranzugehen, wenn sich eine konkrete Möglichkeit zur Umsetzung bietet.

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