Deutschland will sich an der Sicherung der Meerenge von Hormus beteiligen, sobald zwischen Iran und den USA die Waffen schweigen. Das sagte Alexander Radwan, Leiter der deutschen Delegation zur Interparlamentarischen Union, nach der Frühjahrstagung in Istanbul. Der CDU/CSU-Außenpolitiker verwies auf eine Zusage des Bundeskanzlers zur Minenräumung und Absicherung der wichtigen Schifffahrtsroute. Die Debatte verbindet den Krieg am Persischen Golf mit der Frage, wie viel sicherheitspolitische Verantwortung Deutschland gegenüber Partnern in Europa und auf der arabischen Halbinsel übernehmen soll.
Hormus rückt in den Fokus deutscher Sicherheitspolitik
Die Meerenge von Hormus gehört zu den empfindlichsten Engstellen der Weltwirtschaft. Durch die Route zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel läuft ein großer Teil des internationalen Energie- und Warenverkehrs. Der Krieg am Persischen Golf hat ihre Bedeutung erneut sichtbar gemacht.
Radwan sagte, Deutschland wolle als Teil einer europäisch-westlichen Initiative seinen Beitrag leisten. Es gehe darum, die internationale Ordnung zu stützen und Verbündeten sowie Partnern beizustehen. Die Bundeswehr könne dabei eine Rolle übernehmen, bleibe aber an die parlamentarische Kontrolle gebunden.
„Der Bundeskanzler hat zugesichert, dass Deutschland sich an der Minenräumung und Absicherung der Meerenge von Hormus beteiligen wird, wenn zwischen Iran und den USA die Waffen schweigen“, sagte Radwan.
Golfstaaten suchen engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit
Bei der 152. Versammlung der Interparlamentarischen Union traf die deutsche Delegation Vertreter mehrerer Golfstaaten. Gespräche gab es mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain und Irak. Weitere bilaterale Treffen fanden mit Delegationen aus Großbritannien und der Ukraine statt.
Radwan beschrieb die Golfstaaten als Partner, deren Verhältnis zu den USA derzeit ähnlich geprüft werde wie die europäische Sicherheitsordnung durch den Krieg in der Ukraine. Daraus ergebe sich eine gemeinsame Linie: Partnerschaften mit Washington sollen bestehen bleiben, zugleich müsse Europa mehr eigene Verantwortung übernehmen.

Die Kooperation mit den Staaten am Golf dürfe sich nicht auf Energie und Handel beschränken. „Die Sicherheit ist neben der Wirtschaft das wesentliche Element, in der Golfregion wie in Europa auch“, sagte Radwan. Die Regierungen müssten diese Zusammenarbeit nun konkretisieren.
IPU berät über Kriege, Sudan und globale Ordnung
Die Frühjahrstagung der Interparlamentarischen Union fand vom 14. bis 19. April 2026 in Istanbul statt. Die deutsche Bundestagsdelegation wurde von Radwan geleitet. Der Delegation gehörten außerdem Dr. Malte Kaufmann und Stefan Keuter von der AfD, Dr. Rolf Mützenich von der SPD, Claudia Roth von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Fey von der Linken sowie Dr. Lena Gumnior von Bündnis 90/Die Grünen über den Sitz für junge Parlamentarier an.
Die Generaldebatte stand unter dem Titel „Hoffnung nähren, Frieden sichern und Gerechtigkeit für künftige Generationen gewährleisten“. Im Zentrum standen bewaffnete Konflikte, soziale Ungleichheit, Klimakrise, technologische Umbrüche, parlamentarische Diplomatie und das Vertrauen in demokratische Institutionen.
Radwan sagte, jede Delegation bringe eigene regionale Krisen mit. Zugleich entstehe in der IPU eine globale Perspektive. Neben dem Krieg am Persischen Golf seien auch der russische Krieg gegen die Ukraine und die humanitäre Krise im Sudan behandelt worden.
Sudan bleibt ein blinder Fleck der Aufmerksamkeit
Radwan verwies besonders auf die Lage im Sudan. Die Krise finde in Deutschland nur begrenzt Aufmerksamkeit, treffe aber auch Staaten in Europas Nachbarschaft. Ägypten sei von den Folgen der Fluchtbewegungen betroffen.

„Momentan erleben wir im Sudan eine fürchterliche humanitäre Katastrophe“, sagte Radwan. Die Menschen kämpften ums Überleben, um Nahrung und gegen Terror.
Die Parlamentarier müssten nach Radwans Worten ihre Kontrollfunktion gegenüber Regierungen wahrnehmen und zugleich für Opfer von Krieg, Gewalt und Terror sprechen. „Wir sind die Stimme der Schwachen“, sagte er.
Deutschland will mehr Verantwortung übernehmen
Radwan verband die Debatte über den Golf mit einer breiteren Rolle Deutschlands in der Welt. International werde genau beobachtet, ob die Bundesregierung in Konflikten eher zurückhaltend auftrete oder mehr Engagement zeige. Auch die Staaten auf der arabischen Halbinsel nähmen diese Entwicklung wahr.
Deutschland müsse Prioritäten setzen, sagte Radwan. Der Krieg in der Ukraine, die eigene Verteidigungsfähigkeit und die Partnerschaft mit den USA stünden weit oben. Der Golf bleibe dennoch im Blick, auch weil höhere Weltmarktpreise Deutschland selbst dann träfen, wenn es weniger Energie aus der Region beziehe.
Die junge Generation dürfe globale Verantwortung nicht allein über Klimaschutz definieren, sagte Radwan in Bezug auf die IPU-Debatte. Frieden sei die Grundlage für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Wo Krieg herrsche, könne Entwicklung nicht stabil entstehen.

