Deutschland und Ägypten treiben ihre Wirtschaftsbeziehungen mit neuem Schwung voran. In einem am 30. März veröffentlichten Gespräch bezifferte der deutsche Botschafter in Kairo, Jürgen Schulz, das bilaterale Handelsvolumen auf rund 5,5 Milliarden Euro. Zugleich verwies er auf wachsende Investitionen deutscher Unternehmen und eine engere Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien, Netzausbau und grünem Wasserstoff. Berlin setzt dabei vor allem auf Industrie, Infrastruktur und die Rolle Ägyptens als möglicher Energieknoten zwischen Afrika, dem Nahen Osten und Europa.
Handel und Investitionen legen zu
Nach den Angaben von Schulz ist Deutschland inzwischen Ägyptens fünftgrößter Handelspartner und innerhalb der Europäischen Union der wichtigste. Der Botschafter sprach von wachsendem Interesse deutscher Firmen, ihre Aktivitäten in Ägypten auszubauen oder neu in den Markt einzusteigen. Auch die ägyptischen Ausfuhren zeigten nach oben.
Die wirtschaftliche Präsenz deutscher Unternehmen ist bereits breit. Rund 1.600 deutsche Firmen sind in Ägypten aktiv. Sie arbeiten unter anderem in den Bereichen Maschinenbau, industrielle Zulieferung, Chemie, Infrastruktur, Automobilteile, Wasserwirtschaft und Energie.
Daneben rücken neue Felder stärker in den Vordergrund. Schulz nannte produktionsnahe Dienstleistungen, regionale Servicezentren, IT-Angebote und Callcenter. Ägypten profitiere dabei von gut ausgebildeten Fachkräften und von deutschsprachigem Personal.
Berlin setzt auf Energie, Netze und Wasserstoff
Besonders stark baut Deutschland die Kooperation im Energiesektor aus. Schulz kündigte an, dass Berlin den Ausbau erneuerbarer Energien in Ägypten über das staatliche Programm NWFE weiter unterstützen werde. Ein Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung des Stromnetzes. Dadurch sollen zusätzliche private Investitionen in Solar- und Windkraft möglich werden.
Mit dieser Linie geht die Zusammenarbeit inzwischen deutlich über klassische Entwicklungsprojekte hinaus. Ägypten soll zugleich als Standort für die Produktion und den Export sauberer Energie gestärkt werden. Schulz verwies in diesem Zusammenhang auf einen Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, auf ein leistungsfähigeres Netz und auf verlässliche Rahmenbedingungen für Investoren.
Ein besonders weit fortgeschrittenes Vorhaben ist das Egypt Green Hydrogen Project. Das Projekt soll ab 2027 jährlich rund 259.000 Tonnen grünes Ammoniak erzeugen. Deutschland unterstützt es mit 30 Millionen Euro aus dem PtX Development Fund und mit einem langfristigen Abnahmeinstrument im Rahmen von H2Global im Umfang von rund 397 Millionen Euro.
Ägypten soll als regionaler Hub attraktiver werden
Berlin verbindet damit auch industriepolitische Ziele. Schulz beschrieb Ägypten als möglichen regionalen Knotenpunkt für saubere Energieexporte. Dazu müssten Stromerzeugung, Netzinfrastruktur, Regulierung und Finanzierung enger zusammenspielen. Deutschland will diesen Prozess mit technischer Beratung, politischem Dialog und Finanzierungsinstrumenten begleiten.

Auch in der Industrie sieht die Botschaft weiteren Spielraum. Unternehmen wie Bosch haben ihre Präsenz und ihre Fertigung in Ägypten in den vergangenen Jahren bereits ausgebaut. Das gilt in Berlin als Signal, dass der Standort für deutsche Produzenten attraktiver wird.
Mittelstand und Wirtschaftsmissionen im Blick
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf kleinen und mittleren Unternehmen aus Deutschland. Schulz nannte verlässliche Regeln, transparente Verfahren und planbare Rahmenbedingungen als zentrale Voraussetzungen, um mehr Mittelständler nach Ägypten zu holen. Unterstützt werden sie dabei unter anderem von der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer in Ägypten sowie durch Partnerschaftsprogramme zwischen deutschen und ägyptischen Unternehmen.
Die wirtschaftlichen Kontakte laufen dabei nicht nur über große Regierungsprojekte. Deutsche Unternehmen reisen regelmäßig zu Gesprächen nach Ägypten, teils einzeln, teils in Delegationen. Organisierte Wirtschaftsmissionen gab es etwa über die Euro-Mediterranean Arab Association. Auch die gemeinsame Wirtschaftskommission beider Regierungen dient dazu, Firmenkontakte zu vertiefen.
Schuldentausch läuft bis 2027 weiter
Zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit gehört außerdem ein laufendes Schuldentauschprogramm. Nach Angaben des Botschafters setzen Deutschland und Ägypten derzeit zwei aktive Vereinbarungen um. Sie sollen bis Mitte 2027 laufen. Berlin beschreibt dieses Instrument als flexibel und als Teil einer längerfristigen Kooperation, die Entwicklungsvorhaben und soziale Stabilität in Ägypten unterstützen soll.
Mit dem Ausbau von Handel, Industriekooperation und Energieprojekten gewinnt die deutsch-ägyptische Wirtschaftsachse damit weiter an Gewicht. Vor allem in den Bereichen Stromnetze, erneuerbare Energien und Wasserstoff wird die Zusammenarbeit enger und kapitalintensiver.

