Vor Sudan-Konferenz in Berlin eskaliert der Streit mit der sudanesischen Regierung

Vor der Sudan-Konferenz in Berlin verschärft sich der Streit: Die sudanesische Regierung wirft Deutschland einen Eingriff in die Souveränität des Landes vor und kritisiert die Einbindung der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die sudanesische Regierung hat die geplante Sudan-Konferenz in Berlin scharf zurückgewiesen und Deutschland vorgeworfen, über die Zukunft des Landes ohne Zustimmung des Staates Sudan beraten zu wollen. Am Freitag übergab Sudans Botschafterin in Berlin, Ilham Ibrahim Mohamed Ahmed, dazu eine Protestnote im Auswärtigen Amt. Die Bundesregierung hält an dem Treffen am 15. April dennoch fest. Dem Auswärtigen Amt zufolge soll die Konferenz Friedensbemühungen stärken und zusätzliche humanitäre Hilfe für die sudanesische Zivilbevölkerung mobilisieren.

Im Kern geht es um eine politisch heikle Frage: Wer spricht in Berlin für den Sudan, und wer nicht? Die sudanesische Regierung weist jede Beratung ohne ihre Beteiligung als Eingriff in die Souveränität des Landes zurück. Berlin verfolgt dagegen den Ansatz, die unmittelbaren Kriegsparteien erst dann an den Tisch zu holen, wenn eine Waffenruhe erreicht ist.

Protestnote richtet sich gegen Ausschluss der Regierung

Die Protestnote wurde sudanesischen Angaben zufolge bei einem Treffen mit Gesa Bräutigam, der Generaldirektorin für Subsahara-Afrika und den Sahel im Auswärtigen Amt, übergeben. In dem Schreiben erklärt die sudanesische Regierung, jede Beratung über den Sudan ohne Beteiligung ihrer souveränen Institutionen verletze die Charta der Vereinten Nationen, die politische Unabhängigkeit des Landes und seine territoriale Integrität.

Besonders deutlich wendet sich die sudanesische Seite gegen jede Gleichsetzung staatlicher Institutionen mit den Rapid Support Forces, kurz RSF. Ein solcher Ansatz untergrabe die Grundlagen des Staates, heißt es in der Protestnote, und erschwere eine tragfähige politische Lösung.

Zugleich kritisiert die sudanesische Regierung die mögliche Teilnahme von Staaten, denen sie direkte oder indirekte Mitverantwortung für den Krieg zuschreibt. Gemeint sind dabei insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate. Deren Einbindung würde aus sudanesischer Sicht die Glaubwürdigkeit und Unparteilichkeit der Konferenz beschädigen und äußere Einflussnahme auf den Konflikt weiter verstärken.

Berlin verweist auf Krieg und humanitäre Katastrophe

In Berlin wird die Konferenz trotz der scharfen Einwände weiter vorbereitet. Dem Auswärtigen Amt zufolge steht das Treffen im Zeichen einer humanitären Katastrophe, die sich seit drei Jahren im Sudan verschärft. Ziel sei es, politische Initiativen für ein Ende der Kämpfe zu unterstützen und weitere Hilfsgelder für die notleidende Bevölkerung zu mobilisieren.

Zudem sollen zivile sudanesische Vertreterinnen und Vertreter in Berlin zusammenkommen. Nach Darstellung des Auswärtigen Amts soll so eine Grundlage für die Zeit nach dem Krieg entstehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Vorstellung eines Sudan, der künftig zivil und zum Wohl seiner Bevölkerung regiert wird.

Konfliktparteien sollen vorerst außen vor bleiben

Berlin macht zugleich deutlich, dass die unmittelbaren Kriegsparteien nicht eingeladen sind, solange die Waffen nicht schweigen. Diese Linie sei seit längerem klar und dem von General Abdel Fattah al-Burhan eingesetzten Premierminister Idris bereits im Februar vermittelt worden.

An der Konferenz sollen stattdessen Staaten und Akteure teilnehmen, die seit längerem versuchen, die Konfliktparteien zu einem Ende der Kämpfe zu bewegen oder Einfluss auf den Kriegsverlauf haben. Genannt werden die USA, Norwegen, die Schweiz, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Nachbarstaaten des Sudan sowie zivile Gruppierungen.

Austausch mit der Regierung läuft weiter

Trotz des offenen Streits über die Berliner Konferenz laufen die Kontakte zwischen Deutschland und der sudanesischen Regierung weiter. Dem Auswärtigen Amt zufolge gibt es dazu sowohl Austausch über die Botschaft als auch direkte Kontakte aus Berlin. Zudem bestehe das Angebot einer gegenseitigen Information unmittelbar vor der Konferenz.

In ihrer Protestnote verweist die sudanesische Regierung zugleich auf eigene politische Initiativen. Genannt werden die im März 2025 vorgestellte Roadmap des Vorsitzenden des Übergangssouveränitätsrats sowie die Friedensinitiative des Premierministers vor dem UN-Sicherheitsrat im Dezember 2025. Diese Ansätze seien aus ihrer Sicht die tragfähige Grundlage für eine nationale politische Lösung.

Am Ende des Schreibens verschärft die sudanesische Seite den Ton noch einmal. Die Organisation der Berliner Konferenz in der jetzigen Form könne das Land dazu veranlassen, seine bilateralen Beziehungen zu den organisierenden und unterstützenden Staaten neu zu bewerten.

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