Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran wirkt sich unmittelbar auf den globalen Ölmarkt aus. Am Sonntag beschlossen acht Staaten des erweiterten Opec+-Bündnisses eine erneute Produktionsausweitung. Die zusätzlichen Mengen sollen ab April auf den Markt kommen.
Nach Angaben des algerischen Ministeriums für Energie und Bergbau erhöhen die beteiligten Länder ihre gemeinsame Förderung um 206.000 Barrel pro Tag. Algerien entfällt dabei auf ein Plus von 6.000 Barrel täglich.
Produktionsanhebung in geopolitisch angespannter Lage
An der Videokonferenz nahmen Algerien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak, Kasachstan, Kuwait, Oman und Russland teil. Die acht Staaten gehören zu den Unterzeichnern der sogenannten Erklärung zur Zusammenarbeit innerhalb von Opec+.

Ziel der Entscheidung sei es, die Koordination zu stärken und Marktstabilität zu gewährleisten. Die Minister führten nach Angaben des algerischen Ministeriums „vertiefte und konstruktive Konsultationen“ über die kurzfristigen Perspektiven des Ölmarktes. Zwar sei die Nachfrage aktuell saisonbedingt gedämpft, mittelfristig werde jedoch eine schrittweise Erholung erwartet.
Der Beschluss fällt in eine Phase erhöhter Unsicherheit. Nach Beginn der militärischen Auseinandersetzungen am 28. Februar haben Marktteilnehmer verstärkt auf mögliche Versorgungsrisiken reagiert.
Preisprognosen zwischen 100 und 120 Dollar
Der wirtschaftliche Berater des Kreml, Kirill Dmitriew, erklärte auf der Plattform X, der Ölpreis könne von derzeit rund 72 US-Dollar auf „100 Dollar in Kürze“ steigen. Der Analyst Homayoun Falakshahi vom Analysehaus Kpler sagte dem Sender BFMTV, bei einer längeren militärischen Eskalation sei auch ein Anstieg auf 120 Dollar pro Barrel möglich.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Straße von Hormus. Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde EIA passierten dort im Jahr 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl. Das entspricht etwa 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Eine Blockade der Meerenge würde erhebliche Auswirkungen auf die globale Versorgung haben.
Reedereien passen Routen an
Bereits jetzt reagieren internationale Reedereien auf die Sicherheitslage. Der französische Konzern CMA CGM teilte mit, sämtliche Schiffe im Persischen Golf seien angewiesen worden, geschützte Zonen anzulaufen. Die Durchfahrt durch den Suezkanal werde bis auf Weiteres ausgesetzt, betroffene Schiffe würden über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet.
Auch Hapag-Lloyd kündigte entsprechende Maßnahmen an.