USA stellen über eine Milliarde Dollar für UNICEF und WFP bereit

Mehr als eine Milliarde Dollar für UNICEF und das Welternährungsprogramm: Die USA bündeln ihre humanitäre Hilfe für über 40 Länder. Äthiopien gehört zu den genannten Einsatzstaaten – während weltweit 239 Millionen Menschen Unterstützung benötigen.

Die Vereinigten Staaten stellen dem Kinderhilfswerk UNICEF und dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen mehr als eine Milliarde US-Dollar für humanitäre Einsätze in über 40 Ländern bereit. Die Zusage wurde am 16. Juni 2026 bekannt gegeben. Mehr als 218 Millionen Dollar gehen an UNICEF, über 800 Millionen Dollar an das Welternährungsprogramm. Zu den ausdrücklich genannten Einsatzländern gehört Äthiopien.

Die Mittel sollen unter anderem für Ernährungshilfe, medizinische Versorgung, Kinderschutz, Logistik sowie Wasser- und Sanitärversorgung eingesetzt werden. Neben Äthiopien nannte das US-Außenministerium Myanmar und die Ukraine als Beispiele für Länder mit anhaltend hohem humanitärem Bedarf.

Washington bündelt seine humanitäre Finanzierung

Die neuen Vereinbarungen ersetzen zahlreiche einzelne Förderverträge durch größere globale Finanzierungszusagen. Washington begründet die Umstellung mit niedrigeren Verwaltungskosten, schnelleren Entscheidungen und einer stärkeren Kontrolle der Mittelverwendung.

UNICEF und das Welternährungsprogramm können das Geld je nach Entwicklung der Krisen auf verschiedene Länder und Einsatzbereiche verteilen. Nach Darstellung des Außenministeriums ermöglicht das Modell den Organisationen, Hilfsgüter frühzeitig einzulagern, Personal vorzuhalten und teilweise innerhalb von 24 Stunden auf neue Katastrophen oder einen plötzlichen Anstieg des Bedarfs zu reagieren.

Die Vergabe erfolgt nach einem Verfahren, das besonders schwere Krisen vorrangig behandeln soll. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump spricht dabei von einer „Hyperpriorisierung“. Mittel sollen zuerst in Gebiete fließen, in denen die größte Gefahr für Leben und Gesundheit besteht.

Länderspezifische Beträge veröffentlichte das Außenministerium nicht. Damit bleibt zunächst offen, welcher Anteil der Finanzierung für Äthiopien und andere afrikanische Krisengebiete vorgesehen ist.

Abkommen mit OCHA dient als Vorbild

Die Zusagen an UNICEF und das Welternährungsprogramm sind Teil eines neuen amerikanischen Finanzierungsmodells. Grundlage ist eine im Dezember 2025 geschlossene Vereinbarung mit dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, OCHA.

Die Vereinbarung knüpft an den bereits im März 2025 begonnenen Umbau des internationalen Hilfssystems unter dem Namen „Humanitarian Reset“ an. Dabei sollen Zuständigkeiten in den einzelnen Krisenländern stärker gebündelt, Entscheidungswege verkürzt und mehr Mittel unmittelbar für Einsätze verwendet werden.

Das US-Außenministerium bezeichnet die bisherige Zusammenarbeit mit OCHA als erfolgreich. Innerhalb von vier Monaten seien 88 Prozent der verfügbaren Mittel in die Einsatzgebiete weitergeleitet worden. Zwischen einer Finanzierungsentscheidung und der Auszahlung hätten durchschnittlich sieben Tage gelegen.

Diese Angaben stammen von der US-Regierung. Washington sieht darin einen Beleg dafür, dass größere und flexiblere Fördervereinbarungen schneller arbeiten können als zahlreiche voneinander getrennte Einzelprojekte.

Neben UNICEF, dem Welternährungsprogramm und OCHA arbeitet das Außenministerium auch mit Catholic Relief Services und weiteren Hilfsorganisationen zusammen. Die zuständigen Stellen sollen Überschneidungen verhindern und kontrollieren, wie die amerikanischen Mittel eingesetzt werden.

Neue Zusage folgt auf starke Kürzungen

Die Finanzierung erfolgt in einer Phase, in der das globale Hilfssystem mit erheblichen Mittelkürzungen kämpft. Die Europäische Kommission hatte Ende Mai festgestellt, dass Kürzungen der Vereinigten Staaten und anderer großer Geber humanitäre Organisationen zu einer drastischen Begrenzung ihrer Einsätze gezwungen hätten.

Dadurch könne nur noch ein Teil der Menschen erreicht werden, die auf Nahrungsmittel, medizinische Hilfe, Unterkünfte oder Schutz angewiesen sind. Die EU warnte zugleich davor, humanitäre Hilfe zunehmend an politische oder ideologische Vorgaben zu knüpfen.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge benötigen 2026 weltweit etwa 239 Millionen Menschen humanitäre Unterstützung. Im Jahr 2006 waren es noch rund 31 Millionen. Für den aktuellen Hilfsaufruf werden 23 Milliarden Dollar benötigt. Damit sollen 87 Millionen Menschen versorgt werden, weniger als die Hälfte der insgesamt ermittelten Bedürftigen.

Die Zahl der weltweiten Konflikte liegt nach Angaben der Europäischen Kommission bei rund 130. Das sind mehr als doppelt so viele wie vor 15 Jahren. Bewaffnete Konflikte verursachen demnach etwa 70 Prozent des globalen humanitären Bedarfs.

EU setzt ebenfalls auf einen Umbau der Hilfe

Auch die Europäische Union will ihre humanitäre Finanzierung stärker bündeln und vereinfachen. Die EU und ihre Mitgliedstaaten stellten 2025 zusammen rund 34 Prozent der weltweit erfassten humanitären Hilfe.

Brüssel plant gemeinsame Lieferketten, flexiblere mehrjährige Finanzierungen und eine stärkere Nutzung von Bargeldhilfen. Mindestens zwei Drittel der europäischen Mittel sollen künftig über solche flexiblen Finanzierungsformen bereitgestellt werden.

Zugleich soll ein größerer Anteil direkt an Organisationen in den betroffenen Ländern gehen. Bis 2027 will die Europäische Kommission 25 Prozent ihrer humanitären Mittel so unmittelbar wie möglich an lokale Akteure vergeben. Ende 2024 lag ihr Anteil noch bei elf Prozent.

Die EU begründet den Schritt mit der zentralen Rolle örtlicher Organisationen, die bei Kriegen, Überschwemmungen, Dürren oder Epidemien häufig als Erste Hilfe leisten. Gemeinsame Beschaffung, Lagerhaltung und Transportstrukturen sollen zudem verhindern, dass verschiedene Organisationen parallel dieselben Güter einkaufen oder getrennte Lieferketten betreiben.

Rund 118 Millionen Menschen sind vertrieben

Parallel zur US-Ankündigung rückte der Weltflüchtlingstag am 20. Juni die Folgen der globalen Krisen erneut in den Vordergrund. Rund 118 Millionen Menschen waren nach den jüngsten Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen im Jahr 2025 innerhalb ihres Landes oder über Staatsgrenzen hinweg vertrieben.

Etwa 70 Millionen von ihnen lebten als Binnenvertriebene im eigenen Land. Knapp die Hälfte dieser Menschen stammt aus Sudan, Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan. Mehr als 40 Millionen Menschen flohen über eine internationale Grenze, blieben jedoch überwiegend in Nachbarstaaten ihrer Herkunftsländer.

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Altenkamp, verwies darauf, dass diese Nachbarländer den größten Teil der Versorgung übernehmen, während die internationalen Finanzmittel zurückgehen.

„Es bleibt in der Verantwortung der internationalen Staatengemeinschaft und ist ein Gebot der Menschlichkeit, humanitäre Hilfe zu leisten“, erklärte Altenkamp. Hilfe in den Krisenregionen rette Leben, lindere Leid und könne verhindern, dass sich Menschen auf gefährliche Fluchtrouten begeben.

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