Tansania fordert Ende der Sanktionen und erneuert Kandidatur für UN-Sicherheitsrat

Tansania will 2029 und 2030 zurück in den UN-Sicherheitsrat und dort mit einer „starken afrikanischen Stimme“ auftreten. In New York verbindet die Regierung ihre Kandidatur mit Forderungen nach Finanzreformen, mehr Klimageld und präventiver Diplomatie.

Tansania hat seine Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2029 und 2030 bekräftigt und präventive Diplomatie, afrikanische Interessen sowie eine Reform der Friedenseinsätze zu Schwerpunkten erklärt. Vizepräsident Deogratius Ndejembi stellte die Bewerbung am Dienstag, 22. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York erneut heraus. Die Afrikanische Union habe die Kandidatur inzwischen formell zur Kenntnis genommen, die Wahl ist für Juni 2028 vorgesehen. Ndejembi verband den Vorstoß mit Forderungen nach einer Reform der internationalen Finanzordnung, zusätzlicher Klimafinanzierung und einem Ende einseitiger Sanktionen. 

Kandidatur war bereits angekündigt

Tansanias Bewerbung ist nicht erstmals bekannt geworden. Das Land hatte seine Kandidatur für die Ratsperiode 2029/30 bereits während der 80. UN-Generalversammlung angekündigt. Bei der diesjährigen Generaldebatte machte Ndejembi sie erneut zum Bestandteil der tansanischen außenpolitischen Agenda und verwies auf den inzwischen erfolgten Schritt innerhalb der Afrikanischen Union. 

„Ich nutze diese Gelegenheit, um unsere Kandidatur formell bekanntzugeben“, sagte der Vizepräsident. Er vertrat in New York Präsidentin Samia Suluhu Hassan. Das tansanische Vizepräsidialamt hatte seine Teilnahme an der 81. Generalversammlung zuvor bestätigt. 

Im Falle einer Wahl will Dar es Salaam präventive Diplomatie und die friedliche Beilegung von Konflikten stärker auf die Tagesordnung setzen. Weitere Schwerpunkte sollen die Beteiligung von Frauen an Friedenseinsätzen, die Rolle junger Menschen bei Frieden und Sicherheit sowie Reformen der UN-Friedensoperationen sein. 

Tansania gehörte dem Sicherheitsrat bislang zweimal an, 1975 bis 1976 sowie 2005 bis 2006. 

Ndejembi fordert stärkere afrikanische Stimme

Die Bewerbung steht nach Darstellung Ndejembis für eine stärkere afrikanische Beteiligung an internationalen Sicherheitsentscheidungen. Tansania wolle im Rat mit einer „starken afrikanischen Stimme“ auftreten.

Damit reiht sich das ostafrikanische Land in die breitere afrikanische Forderung nach mehr Einfluss in den Vereinten Nationen ein. Bei der Generaldebatte hatten zuvor mehrere afrikanische Staatschefs sowie UN-Generalsekretär António Guterres die heutige Zusammensetzung des Sicherheitsrats kritisiert.

Ndejembi verlangte zugleich, die laufende UN80-Reform dürfe sich nicht auf Einsparungen und Verwaltungsfragen beschränken. Sie müsse auch die Wirksamkeit, Rechenschaftspflicht und Repräsentativität der Organisation verbessern. Entwicklungspolitische Aufgaben und die Arbeit der UN-Länderbüros dürften dabei nicht geschwächt werden. 

Hohe Kreditkosten bremsen Entwicklungspläne

Einen zweiten Schwerpunkt setzte Tansania bei der internationalen Finanzordnung. Ndejembi erklärte, hohe Finanzierungskosten, wachsende Schulden und der begrenzte Zugang zu langfristigem Kapital behinderten Entwicklungsländer bei der Umsetzung ihrer wirtschaftlichen Ziele.

„Diese Ambitionen können nicht verwirklicht werden, wenn die internationale Finanzarchitektur nicht so gestaltet wird, dass sie Entwicklung ermöglicht“, sagte er.

Tansania fordert mehr zinsgünstige Finanzierung, eine stärkere Mobilisierung privaten Kapitals, leichteren Zugang zu Entwicklungs- und Klimamitteln und mehr Mitsprache der Entwicklungsländer bei globalen Finanzentscheidungen. 

Die Forderungen verband Ndejembi mit Tansanias Entwicklungsvision 2050. Das Land investiere in Infrastruktur, Technologie und Innovation sowie in bessere wirtschaftliche Chancen für Frauen und junge Menschen.

Tansania kritisiert Rückzug aus Klimafinanzierung

Deutlich äußerte sich der Vizepräsident zur internationalen Klimapolitik. Tansanias Anstrengungen würden weiterhin durch „nicht zu rechtfertigende Hindernisse“ erschwert, insbesondere durch Staaten, die einen erheblichen Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen hätten.

Ndejembi kritisierte den Rückzug von Finanzmitteln für Klimaanpassung und internationale Klimaprogramme. Bestehende Zusagen müssten umgesetzt und mehr langfristige konzessionäre Finanzierungen sowie neue Technologien bereitgestellt werden. 

Tansania verwies dabei auf eigene Energieprojekte. Dazu zählen das Wasserkraftwerk Julius Nyerere mit 2.115 Megawatt, geplante Solar- und Windkraftprojekte mit insgesamt 650 Megawatt sowie 130 Megawatt Geothermie. Bis 2034 sollen zudem 80 Prozent der Haushalte Zugang zu sauberer Kochenergie erhalten. 

Auch die elektrifizierte Eisenbahn vom Hafen Daressalam in Richtung der Nachbarstaaten Burundi und Demokratische Republik Kongo stellte Ndejembi als Bestandteil der Verringerung fossiler Energienutzung heraus.

Meeresspiegel wird zur afrikanischen Sicherheitsfrage

Tansania schloss sich zugleich kleinen Insel- und Küstenstaaten an, die stärkere internationale Maßnahmen gegen den Anstieg des Meeresspiegels verlangen.

Ndejembi unterstützte eine geplante UN-Erklärung, die unter anderem die Fortgeltung maritimer Zonen und staatlicher Kontinuität auch bei physischem Landverlust festschreiben soll.

„Rechtzeitiges und dringendes Handeln ist notwendig, um die Zukunft unserer Küstengemeinden und Inselstaaten zu schützen“, sagte er. 

Tansania verlangt Ende einseitiger Sanktionen

Außenpolitisch bekräftigte die Regierung zudem ihre Ablehnung einseitiger Zwangsmaßnahmen gegen andere Staaten.

Tansania stehe weiterhin an der Seite Kubas, Simbabwes und weiterer Länder, die solchen Maßnahmen unterlägen, sagte Ndejembi. Sanktionen dieser Art müssten „unverzüglich und unmissverständlich“ aufgehoben werden, weil sie wirtschaftliche Entwicklung behinderten und Belastungen für die Bevölkerung verursachten.

Diese Position hatte Tansania bereits während der vorherigen UN-Generalversammlung vertreten. Auch damals wandte sich das Land gegen Sanktionen, die ohne Mandat des Sicherheitsrats verhängt werden. 

Gaza: Tansania hält an Zwei-Staaten-Lösung fest

Zum Krieg und zur humanitären Lage im Nahen Osten forderte Ndejembi den Schutz von Zivilisten, ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe und neue diplomatische Bemühungen.

Tansania halte an einer Zwei-Staaten-Lösung mit Israel und einem palästinensischen Staat fest. Das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser müsse gewahrt werden, zugleich müsse eine politische Lösung Sicherheit und legitime Interessen beider Bevölkerungen berücksichtigen. 

Die 81. Generalversammlung läuft seit dem 8. September 2026, die Generaldebatte begann am 22. September. 

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