Spanien beansprucht WM-Finale – Marokko setzt auf Mega-Stadion in Casablanca

Spanien gewinnt gerade das WM-Finale – und denkt schon an 2030. Madrid oder Casablanca? Der Kampf um das nächste Endspiel hat längst begonnen.

Während Spanien gerade das Finale der aktuellen Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt, richtet sich der Blick im Land bereits auf das nächste große Ziel: das Finale 2030. Spaniens Fußballverbandschef Rafael Louzán beansprucht dieses Finale für sein Land, obwohl die FIFA den Austragungsort noch nicht festgelegt hat. Marokko hält mit dem geplanten Grand Stade Hassan II bei Casablanca dagegen, das mit 115.000 Plätzen zum größten Fußballstadion der Welt werden soll. Der Wettbewerb zwischen beiden Ländern um das wichtigste Spiel des Turniers wird zunehmend auch auf politischer Ebene geführt.

Louzán erklärte in den vergangenen Monaten mehrfach, dass die Weltmeisterschaft unter spanischer Führung stehen und das Finale in Spanien ausgetragen werde. Einen konkreten Spielort nannte der Präsident des spanischen Fußballverbandes dabei nicht.

Die FIFA hat bislang weder Madrid noch Casablanca den Zuschlag erteilt. Auch ein Zeitplan für die Entscheidung über den Austragungsort des Finales ist nicht bekannt.

Louzán erhöht den Druck auf die spanische Seite

Der spanische Verbandspräsident drängt Regierung, Fußballliga und weitere Institutionen zu einer stärkeren Beteiligung an der gemeinsamen Bewerbung. Nach seiner Darstellung mobilisiert Marokko entschlossener für das Finale als die spanischen Partner.

Louzán äußerte zudem seinen Unmut über Berichte, die Marokkos Chancen auf die Austragung des Endspiels hervorhoben. Eine Veröffentlichung am Tag eines marokkanischen Länderspiels bezeichnete er als gezielten Versuch, die Bewerbung des Königreichs erneut in den Vordergrund zu rücken.

Zugleich verwies er auf das Gewicht Spaniens innerhalb des gemeinsamen Projekts. Das Land trage nach seiner Darstellung 55 Prozent der Bewerbung. Die Zahl soll den spanischen Anteil an den Spielorten, der Infrastruktur und der Organisation des Turniers unterstreichen.

Spanien stellt mit elf Stadien mehr als die Hälfte der insgesamt 20 vorgesehenen Spielstätten. Marokko soll sechs Austragungsorte erhalten, Portugal drei.

Madrid erhält Unterstützung aus Regierung und Nationalmannschaft

Auch die spanische Regierung wirbt öffentlich für ein Finale im eigenen Land. Sportministerin Milagros Tolón erklärte Ende April vor dem Senat, die Regierung arbeite aktiv daran, das Endspiel nach Spanien zu holen.

Nationaltrainer Luis de la Fuente unterstützte diese Position ebenfalls. Damit treten der Fußballverband, die Regierung und die sportliche Leitung der Nationalmannschaft inzwischen gemeinsam für eine spanische Austragung ein.

Offen bleibt, welches Stadion Spanien offiziell für das Finale vorschlagen würde. Madrid verfügt mit dem modernisierten Santiago Bernabéu über eine der bekanntesten Fußballarenen Europas. Auch das Camp Nou in Barcelona wird umfassend umgebaut. Louzán legte sich bislang jedoch auf keinen der beiden Standorte fest.

Marokko setzt auf 115.000 Plätze bei Casablanca

Der marokkanische Fußballverband vermeidet dagegen eine öffentliche Festlegung. Verbandspräsident Fouzi Lekjaa erinnerte daran, dass die FIFA noch keine Entscheidung getroffen habe. Auf die wiederholten Aussagen seines spanischen Amtskollegen ging er nicht näher ein.

Marokkos stärkstes Argument ist der Grand Stade Hassan II, der in der Region Benslimane zwischen Casablanca und Rabat entsteht. Die Eröffnung ist für 2027 geplant. Mit einer angekündigten Kapazität von 115.000 Zuschauerinnen und Zuschauern würde die Arena sowohl das Santiago Bernabéu als auch das Camp Nou übertreffen.

Das Stadion wird gezielt auf die Anforderungen großer internationaler Fußballspiele ausgerichtet. Neben der Kapazität zählen die Verkehrsanbindung, Sicherheitskonzepte, Unterbringungsmöglichkeiten und die technische Ausstattung zu den Kriterien, die bei der Vergabe des Finales eine Rolle spielen.

Casablanca ist das wirtschaftliche Zentrum Marokkos und verfügt über den größten internationalen Flughafen des Landes. Die Hauptstadt Rabat und mehrere touristische Zentren wären ebenfalls vergleichsweise schnell erreichbar.

Erste Weltmeisterschaft auf drei Kontinenten

Spanien, Portugal und Marokko richten den größten Teil der Weltmeisterschaft gemeinsam aus. Drei Spiele sollen zudem in Uruguay, Argentinien und Paraguay stattfinden. Damit wird das Turnier erstmals Begegnungen auf drei Kontinenten umfassen.

Die südamerikanischen Auftaktspiele erinnern an die erste Weltmeisterschaft, die 1930 in Uruguay ausgetragen wurde. Insgesamt sind damit sechs Länder an der Jubiläumsausgabe beteiligt.

Der gemeinsame Bewerbungserfolg hatte die frühere Konkurrenz zwischen Spanien, Portugal und Marokko zunächst beendet. Marokko hatte sich zuvor mehrfach allein um die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft beworben. Für das Turnier schloss sich das Königreich schließlich der iberischen Bewerbung an.

Die Verteilung der Spielorte verschafft Spanien quantitativ die größte Rolle. Marokko verfügt mit dem Neubau bei Casablanca jedoch über das Stadion mit der höchsten geplanten Zuschauerkapazität.

FIFA entscheidet über den Austragungsort

Die FIFA arbeitet bei gemeinsam veranstalteten Weltmeisterschaften mit den nationalen Organisationskomitees zusammen. Über zentrale Turnierfragen entscheidet jedoch der Weltverband.

Dazu gehören der Spielplan, die Auswahl der Stadien für Eröffnungsspiel und Finale sowie die technischen Anforderungen an die Austragungsorte. Aussagen nationaler Verbandsvertreter ersetzen daher keinen formellen Beschluss.

Louzán bezeichnet die Bewerbung trotz des Streits um das Finale weiterhin als gemeinsames Projekt. Sie verbinde drei Kontinente und sechs Länder, die mit der FIFA an der Organisation arbeiteten.

Eine offizielle Bestätigung für ein Finale in Spanien oder Marokko liegt bislang nicht vor. Die FIFA hat auch noch keinen Termin genannt, an dem sie den Austragungsort bekannt geben will.

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