Volkswagen baut drittes Modell in Südafrika – Ramaphosa verspricht neue Regeln für Autoindustrie

Volkswagen baut seine Produktion in Südafrika aus: In Kariega soll künftig neben Polo und Polo Vivo auch der neue Tengo entstehen. Präsident Cyril Ramaphosa verbindet die Milliardeninvestition mit einer Reform der südafrikanischen Automobilpolitik.

Volkswagen erweitert seine Produktion in Südafrika und will neben Polo und Polo Vivo künftig ein drittes Modell im Werk Kariega bauen. Die Ankündigung erfolgte zum 75-jährigen Bestehen des Standorts am Montag. Präsident Cyril Ramaphosa bezifferte die damit verbundene Investition auf vier Milliarden Rand und kündigte zugleich eine Überarbeitung der südafrikanischen Automobilpolitik an. Das Werk im Ostkap ist bereits ein zentraler Exportstandort des deutschen Konzerns und produziert den Polo für internationale Märkte.

Das neue Modell trägt den Namen Tengo. Volkswagen Group Africa hatte den Ausbau der Modellpalette anlässlich des Jubiläums bestätigt. Der Konzern stärkt damit einen Standort, an dem seit 1951 mehr als 4,8 Millionen Fahrzeuge gebaut wurden.

Ramaphosa bezeichnete die neue Investition bei seiner Rede im Volkswagen-Werk als Vertrauensbeweis in die Beschäftigten, das Management und die industrielle Leistungsfähigkeit Südafrikas.

Vier Milliarden Rand für den Standort Kariega

Volkswagen produziert derzeit den Polo und den Polo Vivo in Kariega. Der Polo wird dort für den Export gebaut, während der Polo Vivo vor allem auf den südafrikanischen Markt ausgerichtet ist.

Mit dem Tengo kommt künftig ein drittes Modell hinzu. Einzelheiten zum Produktionsbeginn, zur geplanten Stückzahl oder zu den Zielmärkten wurden zunächst nicht genannt.

Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben Ramaphosas mehr als 156.000 Fahrzeuge in Kariega produziert. Knapp 120.000 davon gingen in den Export. Die Fahrzeuge aus Südafrika werden unter anderem nach Europa und in weitere internationale Märkte geliefert.

Volkswagen Group Africa beschäftigt rund 3.600 Menschen und arbeitet nach Angaben der südafrikanischen Präsidentschaft mit 1.440 Zulieferern zusammen. Das weitere wirtschaftliche Umfeld der Aktivitäten soll rund 50.000 indirekte Arbeitsplätze tragen.

Seit 2010 hat Volkswagen mehr als 13 Milliarden Rand in seine südafrikanischen Anlagen investiert.

Südafrika überarbeitet Regeln für Autoindustrie

Die neue Volkswagen-Investition fällt in eine Phase, in der Pretoria seine industriepolitischen Rahmenbedingungen für die Automobilbranche überprüft. Ramaphosa bestätigte, dass der South African Automotive Masterplan und der politische Rahmen für die Branche derzeit überarbeitet werden.

Regierung, Unternehmen und Gewerkschaften führten dazu Gespräche über ein gemeinsames Programm, mit dem Produktion und Beschäftigung gesichert und ausgebaut werden sollen.

Volkswagen habe gegenüber der Regierung insbesondere gleiche Wettbewerbsbedingungen eingefordert. „Wir haben Sie gehört. Wir haben Sie sehr deutlich gehört“, sagte Ramaphosa an die Adresse des Konzerns.

Die Regierung wolle stabile, vorhersehbare und unterstützende Rahmenbedingungen schaffen. Zugleich müsse Südafrika auf den technologischen Wandel der Branche reagieren. Elektrofahrzeuge, Hybridmodelle und andere neue Antriebstechnologien veränderten Produktion und Lieferketten.

Mehr Fahrzeugteile sollen in Südafrika entstehen

Ramaphosa verbindet die weitere Entwicklung der Automobilindustrie mit einer stärkeren lokalen Wertschöpfung. Südafrika solle künftig nicht nur Fahrzeuge montieren, sondern zunehmend auch Bauteile herstellen, Rohstoffe verarbeiten und Kompetenzen rund um neue Fahrzeugtechnologien aufbauen.

„Wir dürfen die Fahrzeuge der Zukunft nicht nur montieren“, sagte der Präsident. Komponenten, Materialien und technische Fähigkeiten sollten stärker im eigenen Land entstehen.

Die Automobilindustrie trägt nach seinen Angaben etwas mehr als fünf Prozent zur südafrikanischen Wirtschaftsleistung bei. Fahrzeuge aus südafrikanischen Werken erreichen 155 Exportmärkte.

Ramaphosa verwies zugleich auf die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone als möglichen Wachstumstreiber. Größere afrikanische Absatzmärkte sollen Herstellern ermöglichen, Produktionsvolumen und industrielle Wertschöpfung auf dem Kontinent auszubauen.

„Afrika ist unser Markt. Südafrika ist das Tor“, sagte Ramaphosa.

Kariega wird zum Anker für Volkswagens Afrikageschäft

Die Verbindung zwischen Volkswagen und Südafrika reicht bis zum 31. August 1951 zurück. Damals lief der erste in Südafrika gebaute Volkswagen Käfer im damaligen Uitenhage vom Band.

1956 übernahm das Volkswagenwerk in Deutschland die Mehrheit am südafrikanischen Werk. Es war damit das erste Volkswagen-Werk außerhalb Deutschlands. Seitdem wurden in Kariega fast 40 verschiedene Modelle gefertigt, darunter Käfer, Transporter, Golf, Jetta, Audi-Modelle, Polo und Polo Vivo.

Das Unternehmen firmiert seit 2025 als Volkswagen Group Africa. Neben dem südafrikanischen Werk gehören zum afrikanischen Produktionsnetz auch Montageanlagen in Kenia, Ruanda und Ghana.

Volkswagen-Markenchef Thomas Schäfer bezeichnete Südafrika zum Jubiläum als „strategischen Anker für unser Afrikageschäft“. Der Standort Kariega habe sich über 75 Jahre einen festen Platz im weltweiten Produktionsnetz des Konzerns aufgebaut.

VWGA-Vorstandsvorsitzende Martina Biene erklärte, Volkswagen wolle auf seiner Verankerung im Ostkap aufbauen und von dort die weitere Entwicklung der Marke auf dem afrikanischen Kontinent vorantreiben.

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