Russland will seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Afrika im Rohstoffsektor ausbauen und wirft westlichen Staaten zugleich vor, durch Interventionen und wirtschaftlichen Druck die Entwicklung des Kontinents zu behindern. Die Vorwürfe erhob Moskau im Oktober 2026 vor der UN-Generalversammlung in New York, während in St. Petersburg ein russisch-afrikanischer Rohstoffdialog stattfindet. Im Mittelpunkt der russischen Initiative stehen kritische Mineralien, deren Verarbeitung und neue Industriepartnerschaften. Parallel verfolgt die US-Regierung unter Präsident Donald Trump eine stärker an wirtschaftlichen Gegenleistungen orientierte Afrikapolitik, bei der Friedensverhandlungen mit Rohstoff- und Investitionsinteressen verbunden werden.
Russland will Rohstoffpartnerschaften mit Afrika vertiefen
Russlands Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete die Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten im Rohstoffsektor als einen wachsenden Bestandteil der bilateralen Beziehungen. In einer Grußbotschaft zum zweiten russisch-afrikanischen Rohstoffdialog an der Bergbauuniversität St. Petersburg verwies er auf die Bedeutung kritischer Mineralien, den Aufbau von Verarbeitungskapazitäten und die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte.
Die Konferenz bringt Vertreter von Regierungen, Bergbauunternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen zusammen. Nach Angaben der Organisatoren sind Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern und insgesamt über 500 Konferenzgäste vorgesehen.
Neben Investitionen und Bergbautechnologien stehen staatliche Regulierung, Wasserinfrastruktur und industrielle Wertschöpfung auf der Tagesordnung. Ziel ist es, gemeinsame Projekte zu entwickeln und bestehende Vereinbarungen umzusetzen.
Die Gespräche dienen zugleich der Vorbereitung des dritten Russland-Afrika-Gipfels, der am 28. und 29. Oktober in Moskau stattfinden soll. Dort will die russische Regierung insbesondere Handelsbeziehungen, Investitionen und die Umsetzung früherer Kooperationszusagen voranbringen.
Moskau macht westliche Interventionen für Afrikas Konflikte verantwortlich
Parallel zu den wirtschaftlichen Gesprächen verschärfte Russland bei den Vereinten Nationen seine Kritik an westlicher Einflussnahme in Afrika.
Der stellvertretende russische UN-Botschafter Dmitri Tschumakow erklärte im Zweiten Ausschuss der 81. UN-Generalversammlung, zahlreiche Konflikte auf dem Kontinent seien auf das koloniale Erbe zurückzuführen. Willkürlich gezogene Grenzen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und Eingriffe in gesellschaftliche Strukturen hätten langfristige Instabilität begünstigt.
Diese Probleme würden durch gegenwärtige Formen des Neokolonialismus fortgesetzt. Tschumakow kritisierte insbesondere militärische Interventionen, Einmischung in innere Angelegenheiten und einseitige Sanktionen, die nach russischer Darstellung Armut und soziale Spannungen verstärkten.
Als Beispiel nannte er Libyen. Die westliche Militärintervention von 2011 habe zum Zerfall staatlicher Strukturen beigetragen und die Sicherheitslage im gesamten Sahara-Sahel-Raum verschlechtert. Auch in Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und den Staaten der Allianz der Sahelstaaten sieht Moskau einen negativen Einfluss externer Akteure.
Russland fordert deshalb, bei internationalen Untersuchungen über Afrikas wirtschaftliche Entwicklung stärker zu berücksichtigen, inwieweit ausländische Interventionen den Aufbau nationaler Industrien verhindert oder erschwert haben.
Trumps Afrikapolitik verbindet Friedensverhandlungen mit Rohstoffinteressen
Während Russland westliche Einflussnahme grundsätzlich kritisiert, verfolgt die US-Regierung unter Donald Trump eine offen interessengeleitete Strategie bei der Vermittlung afrikanischer Konflikte.
Diese Entwicklung untersuchen Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in einer Folge des Podcasts „Megatrends Africa“. Im Zentrum stehen die amerikanischen Vermittlungsbemühungen zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda sowie die Verhandlungen über eine politische Neuordnung Libyens.
Die SWP-Forscherin Karoline Eickhoff beschreibt den Unterschied zu bisherigen Vermittlungsformaten vor allem mit der Rolle des Vermittlers. Während Friedensgespräche schon immer auf gegenseitigen Zugeständnissen der Konfliktparteien beruhten, fordere die vermittelnde Drittpartei nun verstärkt eigene wirtschaftliche oder außenpolitische Gegenleistungen.

Die Trump-Regierung gehe dabei besonders offen vor. In manchen Vereinbarungen erscheine der eigentliche Friedensprozess gegenüber Rohstoffgeschäften und anderen wirtschaftlichen Absprachen zunehmend nachrangig, erläutert Eickhoff.
Die amerikanische Strategie unterscheidet sich damit von der traditionellen Vorstellung eines Vermittlers, der vor allem die Konfliktparteien an einen Tisch bringt. Washington nutzt seinen diplomatischen Einfluss zugleich zur Durchsetzung eigener Investitions- und Sicherheitsinteressen.
Kongo: Friedensabkommen und Mineraliengeschäfte laufen parallel
Besonders sichtbar wird dieser Ansatz in der Demokratischen Republik Kongo. Die Vereinigten Staaten vermittelten 2025 zwischen Kinshasa und Kigali und verknüpften den diplomatischen Prozess mit wirtschaftlichen Vereinbarungen.
Nach Darstellung des kongolesischen Konfliktforschers Fred Bauma, Direktor des Forschungsinstituts Ebuteli in Kinshasa, umfassen die Washingtoner Vereinbarungen sowohl sicherheitspolitische Verpflichtungen als auch einen Rahmen für regionale wirtschaftliche Integration.
Hinzu kommen bilaterale Absprachen zwischen den USA und der Demokratischen Republik Kongo über die Nutzung mineralischer Rohstoffe und die Sicherheitszusammenarbeit.
Bauma sieht darin einen möglichen Interessenkonflikt. Die Vereinigten Staaten verfügten über den politischen Einfluss, beide Konfliktparteien zu Verhandlungen zu bewegen. Gleichzeitig verfolgten sie eigene wirtschaftliche Ziele in der Region.
Die bisherigen Ergebnisse beurteilt der Forscher zurückhaltend. Trotz diplomatischer Fortschritte in Washington habe sich die Sicherheitslage im Osten der Demokratischen Republik Kongo nicht entsprechend verbessert. Im Dezember 2025 sei während der Verhandlungen erneut eine größere Stadt unter die Kontrolle von Rebellen geraten.
Zwischen der Unterzeichnung politischer Vereinbarungen und konkreten Investitionen bestehe ebenfalls weiterhin eine erhebliche Lücke.
Libyen: Washington verhandelt mit Machteliten über politische Neuordnung
Auch in Libyen verbindet die Trump-Regierung diplomatische Initiativen mit wirtschaftlichen Interessen. Der amerikanische Berater für arabische und afrikanische Angelegenheiten, Massad Boulos, arbeitet an einer Vereinbarung zwischen den Machtzentren im Westen und Osten des Landes.
Nach Einschätzung des Libyen-Experten Emadeddin Badi konzentrieren sich die Gespräche auf das Umfeld von Ministerpräsident Abdul Hamid Dbeibah in Tripolis und die Familie des im Osten einflussreichen Militärführers Khalifa Haftar.
Verhandelt werde unter anderem über eine neue Regierungsstruktur und die Verteilung politischer Macht. Damit könnten zugleich Voraussetzungen für wirtschaftliche Vereinbarungen und die Rückkehr amerikanischer Unternehmen geschaffen werden.
Badi kritisiert allerdings den engen Kreis der Verhandlungspartner. Viele politische und gesellschaftliche Akteure blieben ausgeschlossen. Eine Vereinbarung zwischen einzelnen Machteliten könne deren Positionen festigen, ohne die institutionellen Ursachen der libyschen Krise zu beseitigen.
Gleichzeitig sieht er in der erneuten amerikanischen Beteiligung eine Möglichkeit, den seit Jahren bestehenden politischen Stillstand aufzubrechen. Entscheidend sei, ob eine Vereinbarung längerfristige politische Stabilität ermögliche oder neue Konflikte auslöse.

Die von Russland kritisierte westliche Einflussnahme und die gegenwärtige amerikanische Vermittlungspolitik betreffen damit teilweise dieselben Konfliktregionen. Die Trump-Regierung stellt wirtschaftliche Gegenleistungen offen in den Zusammenhang diplomatischer Initiativen, während Russland seine eigenen Rohstoffpartnerschaften als Beitrag zur wirtschaftlichen Souveränität afrikanischer Staaten präsentiert.
UN-Wirtschaftskommission fordert mehr Wertschöpfung in Afrika
Unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen Russlands und der Vereinigten Staaten drängt die UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA) auf eine stärkere Verarbeitung afrikanischer Rohstoffe innerhalb des Kontinents.
ECA-Exekutivsekretär Claver Gatete erklärte während der UN-Generalversammlung in New York, afrikanische Staaten müssten über die reine Förderung und Ausfuhr mineralischer Ressourcen hinausgehen.
„Seit Jahrzehnten sprechen wir über Afrikas riesigen Rohstoffreichtum und sein Potenzial. Wir müssen darüber hinausgehen und Industrien auf dieser Grundlage aufbauen“, sagte Gatete.
Dafür seien Investitionen in Stromversorgung, Eisenbahnen, Straßen und Häfen ebenso notwendig wie ein besserer Zugang zu Kapital. Hohe Finanzierungskosten, regulatorische Hindernisse und unzureichende Infrastruktur erschwerten bislang den Aufbau regionaler Produktionsketten.
Die ECA erörterte diese Fragen mit afrikanischen Regierungen, der Africa Finance Corporation und internationalen Investoren. Ein weiterer Schwerpunkt war die Mobilisierung heimischen Kapitals, um Investitionen weniger abhängig von ausländischen Finanzierungsquellen zu machen.
Auch die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone spielt dabei eine Rolle. Durch den Abbau von Handelshemmnissen und den Ausbau grenzüberschreitender Infrastruktur sollen afrikanische Unternehmen stärker miteinander wirtschaften und einen größeren Anteil der Wertschöpfung auf dem Kontinent halten.
Russland-Afrika-Gipfel soll wirtschaftliche Vereinbarungen voranbringen
Die russische Regierung knüpft mit ihren Initiativen an den zweiten Russland-Afrika-Gipfel von 2023 in St. Petersburg und die erste Ministerkonferenz des Russland-Afrika-Partnerschaftsforums von 2024 in Sotschi an.
Lawrow erklärte, der Rohstoffdialog solle konkrete wirtschaftliche Vereinbarungen vorbereiten und die Zusammenarbeit zwischen russischen und afrikanischen Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen ausbauen.
Beim Gipfel Ende Oktober in Moskau sollen Handels- und Investitionsbeziehungen sowie die praktische Umsetzung früherer Absprachen im Vordergrund stehen.

