Mosambik fordert Ende von Rohstoff-Exporte – Terrorismus in Cabo Delgado bleibt Risiko

Afrika liefert Rohstoffe für Energie- und Technologiewende, behält aber zu wenig von ihrer Wertschöpfung, kritisiert Mosambiks Präsident Daniel Chapo. Seine Forderung bei der UN: weniger reine Extraktion, mehr Verarbeitung, Technologie und Industrie auf dem Kontinent.

Mosambik will bei Rohstoffen vom Exporteur zum Verarbeitungsstandort werden und fordert dafür Investitionen in afrikanische Wertschöpfungsketten. Präsident Daniel Chapo stellte die Strategie am Mittwoch, 23. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York vor. Afrika sei reich an Ressourcen, behalte aber nur einen geringen Teil der daraus entstehenden Wertschöpfung. Parallel erklärte Chapo die Stabilisierung der von islamistischen Aufständischen betroffenen Provinz Cabo Delgado für unvollständig und verlangte verlässlichere internationale Unterstützung. 

Von Rohstoffexporten zu eigener Industrie

Chapo stellte die Verarbeitung natürlicher Ressourcen ins Zentrum der wirtschaftlichen Strategie seines Landes. Mosambik wolle seine Landwirtschaft modernisieren, die Industrialisierung vorantreiben, die Energieversorgung ausbauen und stärker in Infrastruktur, Bildung, Wissenschaft und Technologie investieren.

„Afrika steht vor einem Paradox: Es ist reich an Ressourcen, behält aber nur wenig von dem Wert, den diese erzeugen“, sagte der Präsident.

Investitionen müssten sich deshalb „von einfacher Förderung hin zur Wertschöpfung entwickeln, von Transaktionen zu Partnerschaften und vom Export von Rohstoffen zum Aufbau nationaler und regionaler Wertschöpfungsketten“.

Für Mosambik sollen Einnahmen aus natürlichen Ressourcen nicht allein den Staatshaushalt stärken. Sie sollen auch die wirtschaftliche Diversifizierung finanzieren und in Ausbildung sowie Arbeitsplätze fließen. Chapo bezeichnete das Talent der mosambikanischen Bevölkerung als das größte Kapital seines Landes. 

Die Forderung trifft auf eine Wirtschaft mit großen Vorkommen an Erdgas, Grafit und weiteren mineralischen Rohstoffen. Im Januar nahm Chapo eine chinesisch betriebene Grafit-Verarbeitungsanlage mit einer geplanten Jahreskapazität von 200.000 Tonnen in Betrieb. Einen Tag zuvor hatten die Regierung und TotalEnergies den Neustart des rund 20 Milliarden Dollar schweren LNG-Projekts in Cabo Delgado vereinbart. 

Afrika soll nicht nur Rohstoffe für die Technologiewende liefern

Chapo übertrug die Forderung nach lokaler Wertschöpfung ausdrücklich auf die digitale Transformation.

„Afrika darf sich nicht darauf beschränken, die Mineralien zu liefern, die die Innovationszentren der Welt antreiben“, sagte er.

Der Kontinent brauche Investitionen in digitale Netze, Rechenkapazitäten, wissenschaftliche Forschung und Ausbildung. Hinzukommen müssten Technologietransfer und eigene Fähigkeiten zur Entwicklung und Regulierung künstlicher Intelligenz.

Chapo forderte Partnerschaften, die afrikanische Kapazitäten aufbauen und mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit ermöglichen. Damit verband er die Rohstoffpolitik mit einer breiteren Debatte darüber, welchen Anteil afrikanische Staaten an den Wertschöpfungsketten der Energie- und Technologiewende erhalten.

Auch regionale Integration soll dabei eine größere Rolle spielen. Mosambik baut nach Angaben des Präsidenten Stromverbindungen mit Nachbarstaaten aus und arbeitet an gemeinsamen Grenzübergängen. Straßen, Energienetze und regionale Produktionsketten sollen Märkte verbinden und Investitionen erleichtern.

Cabo Delgado bleibt Sicherheitsrisiko

Die wirtschaftlichen Pläne treffen im Norden des Landes weiterhin auf erhebliche Sicherheitsprobleme.

„In Cabo Delgado haben wir Fortschritte bei der Bekämpfung des Terrorismus und bei der Stärkung der Sicherheit erzielt“, sagte Chapo. Er verwies dabei auf die mosambikanischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie die Unterstützung durch die Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika, die Europäische Union, Ruanda und Tansania.

Die Stabilisierung sei jedoch „noch nicht abgeschlossen“. Mosambik benötige deshalb verlässlichere und besser koordinierte internationale Unterstützung für Sicherheit, Wiederaufbau und Entwicklung. 

Die Europäische Union hält ihre militärische Unterstützungsmission EUMAM Mozambique weiterhin im Land. Ihr Mandat wurde im Mai bis Ende Dezember 2026 verlängert. Schwerpunkt sind Ausbildung, Beratung und die Einsatzfähigkeit schneller Eingreifkräfte der mosambikanischen Armee. Seit Beginn des aktuellen Mandats im September 2024 wurden nach EU-Angaben mehr als 40 Ausbildungsprogramme mit rund 1.200 Angehörigen der Streitkräfte durchgeführt. 

Noch Mitte September trainierte die EU mit einer Kommandoeinheit Szenarien für Einsätze im nördlichen Operationsgebiet um Cabo Delgado. Die Mission soll die mosambikanischen Streitkräfte schrittweise in die Lage versetzen, Operationen eigenständiger durchzuführen. 

LNG-Neustart verstärkt Verbindung von Sicherheit und Rohstoffen

Die Sicherheitslage in Cabo Delgado ist eng mit einem der größten Investitionsprojekte Afrikas verbunden. TotalEnergies hatte sein LNG-Projekt 2021 nach Angriffen islamistischer Kämpfer ausgesetzt.

Im Januar 2026 vereinbarten Mosambik und das französische Unternehmen die Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 20 Milliarden Dollar. 

Damit erhält Chapos Forderung nach stärkerer lokaler Wertschöpfung auch eine innenpolitische Dimension. Die Regierung will natürliche Ressourcen stärker für Beschäftigung, Staatseinnahmen und wirtschaftliche Diversifizierung nutzen, während ein Teil der bedeutendsten Vorkommen ausgerechnet in einer Region liegt, deren Stabilisierung weiterhin internationale militärische Unterstützung benötigt.

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