Marokko nutzt den Marrakech Air Show 2026, um seine militärische Modernisierung zunehmend mit dem Aufbau einer eigenen Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie zu verbinden. Vom 7. bis 10. Oktober treffen auf dem Stützpunkt der marokkanischen Luftwaffe in Marrakesch rund 200 Unternehmen aus 27 Ländern zusammen. Besonders stark vertreten sind die USA und Israel, die inzwischen den größten Teil der marokkanischen Importe großer Waffensysteme liefern. Zugleich werben Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich, der Türkei, China, Indien und Südkorea um Partnerschaften mit Rabat.
Die achte Ausgabe des Marrakech Air Show geht damit deutlich über eine klassische Luftfahrtausstellung hinaus. Im Zentrum stehen neben Kampfflugzeugen, Drohnen und Luftverteidigung auch künstliche Intelligenz, Weltraumtechnologien, industrielle Fertigung, Wartung und die Einbindung marokkanischer Unternehmen in internationale Lieferketten.
USA bleiben wichtigster Rüstungspartner Marokkos
Die größte Rolle bei der Modernisierung der marokkanischen Streitkräfte spielen weiterhin die Vereinigten Staaten.
Nach Daten des Stockholm International Peace Research Institute entfielen im Zeitraum 2021 bis 2025 rund 60 Prozent der marokkanischen Importe großer Waffensysteme auf die USA. Israel erreichte 24 Prozent, Frankreich zehn Prozent.
Marokko steigerte seine Waffenimporte gegenüber dem Zeitraum 2016 bis 2020 um zwölf Prozent und wurde damit im jüngsten Fünfjahresvergleich zum größten Importeur großer Waffensysteme in Afrika.
Diese Entwicklung ist auf dem Marrakech Air Show unmittelbar sichtbar. Lockheed Martin tritt als Platinum-Sponsor auf und präsentiert Fähigkeiten aus den Bereichen Kampfflugzeuge, Luftverteidigung und Präzisionswaffen.
Gezeigt werden unter anderem ein Cockpit-Demonstrator des F-35 sowie marokkanische F-16. Ein C-130J Super Hercules der US-Luftwaffe gehört ebenfalls zur Ausstellung. Das Unternehmen präsentiert zudem Systeme wie HIMARS, Javelin, PAC-3 MSE und ER GMLRS.
Lockheed Martin arbeitet seit rund fünf Jahrzehnten mit Marokko zusammen. Neben F-16-Kampfflugzeugen und C-130-Transportern lieferte der Konzern Radar- und Hubschraubertechnik.
2022 beteiligte sich das Unternehmen zudem an der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Wartung, Reparatur und Überholung marokkanischer F-16 und C-130H.
Washington genehmigt weitere Raketen und Präzisionsbomben
Die militärische Beschaffung läuft parallel zur Messe weiter.
2025 genehmigten die USA eine mögliche Lieferung von bis zu 600 Stinger-Flugabwehrraketen an Marokko. Das Paket wurde mit einem geschätzten Wert von 825 Millionen US-Dollar angegeben.
Hinzu kam die mögliche Lieferung von 500 GBU-39B-Präzisionsbomben im Wert von rund 86 Millionen Dollar.
Zu den bereits beschafften oder genehmigten US-Systemen gehören außerdem AH-64E-Apache-Kampfhubschrauber, HIMARS-Raketenartillerie sowie unterschiedliche Flugkörper-, Überwachungs- und Luftverteidigungssysteme.
Marokko besitzt seit 2004 den Status eines wichtigen Verbündeten der USA außerhalb der NATO. Washington bezeichnet das Land zudem als größten afrikanischen Käufer amerikanischer Militärausrüstung.
Israel wird zum zweiten Pfeiler der militärischen Modernisierung
Deutlich jünger als die amerikanische Partnerschaft ist die offen institutionalisierte Sicherheitskooperation mit Israel. In wenigen Jahren hat sie sich jedoch von diplomatischer Normalisierung zu einer Verbindung entwickelt, die Beschaffung, Nachrichtendienste, Cyberabwehr, Ausbildung, militärische Planung und zunehmend auch industrielle Zusammenarbeit umfasst.
Der politische Ausgangspunkt war die Wiederaufnahme offizieller Beziehungen Ende 2020. Sie erfolgte im Umfeld der von den USA vermittelten Abraham-Abkommen und war mit einer grundlegenden Veränderung der regionalen Beziehungen Marokkos verbunden.
Bereits im Juli 2021 vereinbarten beide Staaten eine Zusammenarbeit bei der Cybersicherheit. Sie umfasste operative Kooperation, gemeinsame Forschung und Entwicklung sowie den Austausch von Informationen und Fachwissen.
Der nächste Schritt folgte im November 2021. In Rabat unterzeichneten die Verteidigungsministerien ein Memorandum, das erstmals einen dauerhaften institutionellen Rahmen für die militärischen Beziehungen schuf. Er erfasste den Austausch von Informationen und Erfahrungen, Ausbildung, Rüstungsbeschaffung, Technologietransfer und Kooperation zwischen den Verteidigungsindustrien.
Damit änderte sich die Qualität der Beziehungen. Israel war nicht mehr nur ein möglicher Lieferant einzelner Systeme. Marokko erhielt direkten Zugang zu einem Verteidigungssektor, der besonders stark bei Drohnen, Luft- und Raketenabwehr, Sensorik, elektronischer Kampfführung und militärischer Aufklärung ist.
Für Rabat traf dieses Angebot auf einen laufenden Umbau seiner Streitkräfte. Marokko investiert gleichzeitig in Kampfflugzeuge und Präzisionswaffen aus den USA und in Technologien, die Aufklärung, Luftverteidigung, Drohnenkrieg und vernetzte Operationsführung stärken.
Westsahara verändert den militärischen Bedarf
Ein Teil dieser Modernisierung ist eng mit der Sicherheitslage im Maghreb verbunden.
Der Westsahara-Konflikt bleibt ein zentraler Faktor marokkanischer Verteidigungsplanung. Seit dem Ende des Waffenstillstands zwischen Marokko und der Polisario-Front im Jahr 2020 haben unbemannte Systeme, weitreichende Aufklärung und Präzisionswaffen zusätzlich an Bedeutung gewonnen.
Damit passen mehrere israelische Technologien genau in Fähigkeitsbereiche, die für Marokko wichtiger geworden sind. Drohnen können große Wüstenräume überwachen und Ziele über längere Zeit verfolgen. Elektronische Aufklärung erweitert die Fähigkeit, Kommunikations- und Radarsignale zu erfassen. Präzisionswaffen ermöglichen Angriffe auf größere Entfernung. Luftverteidigung und Systeme gegen Drohnen schützen wiederum militärische Einrichtungen und kritische Infrastruktur.
Die marokkanisch-israelische Zusammenarbeit lässt sich deshalb weniger über einzelne Waffenkäufe erklären als über eine Veränderung der gesamten militärischen Architektur. Rabat ergänzt seine amerikanischen Plattformen um israelische Sensorik, Drohnen, Luftverteidigung und Aufklärungssysteme.
Die beiden Partnerschaften konkurrieren dabei nicht zwingend miteinander. Sie decken teilweise unterschiedliche Ebenen derselben Modernisierung ab.
Algerien bleibt strategischer Gegenpol
Hinzu kommt der regionale Wettbewerb mit Algerien.
Die Beziehungen zwischen Rabat und Algier sind seit Jahren angespannt. Algerien brach 2021 die diplomatischen Beziehungen zu Marokko ab. Beide Staaten investieren erheblich in ihre Streitkräfte und verfolgen unterschiedliche Positionen im Westsahara-Konflikt.
Während Algerien traditionell stark auf russische Rüstungssysteme setzt, vertieft Marokko seine Verteidigungsbeziehungen mit den USA und Israel und verbreitert zugleich den Kreis seiner Lieferanten.
Die israelische Partnerschaft verschafft Rabat Zugang zu Fähigkeiten, die in diesem regionalen Kräfteverhältnis besonders relevant sind. Dazu zählen moderne Luftverteidigung, Drohnen, Präzisionsartillerie, elektronische Kampfführung sowie satellitengestützte Aufklärung.
Damit verändert sich nicht nur der Umfang des marokkanischen Arsenals. Auch die Fähigkeit, Informationen zu sammeln, Systeme miteinander zu vernetzen und Ziele über größere Entfernungen zu erkennen und zu bekämpfen, wächst.
Vom Waffenkauf zur vernetzten Aufklärung
Gerade diese Entwicklung lässt sich an den israelischen Beschaffungen ablesen.
Das International Institute for Strategic Studies führt seit 2021 eine breite Palette von Systemen mit Marokko-Bezug auf. Nicht jede öffentlich gemeldete Beschaffung ist gleichermaßen bestätigt. In ihrer Gesamtheit zeigen die Programme jedoch eine klare Richtung.
Zu den frühesten Bereichen gehörten unbemannte Fluggeräte und Systeme zur Drohnenabwehr. Hinzu kamen Panzerabwehrwaffen, elektronische Kampfführung und Luftverteidigung.
Mit Barak MX und weiteren israelischen Luftverteidigungssystemen rückte der Schutz vor Flugzeugen, Drohnen und anderen Bedrohungen aus der Luft stärker in den Vordergrund. Systeme wie Hermes 900, Harop und SpyX erweitern zugleich Aufklärung und unbemannte Angriffsmöglichkeiten.
Elbits ATMOS 2000 bringt weitreichende mobile Rohrartillerie in diesen Fähigkeitsmix. Systeme für elektronische Kampfführung und Fernmeldeaufklärung ergänzen die kinetischen Waffen um die Informationsdimension moderner Kriegsführung.
Besonders weit reicht die Zusammenarbeit im Weltraumbereich. 2024 wurde ein Geschäft über einen israelischen Aufklärungssatelliten im Umfang von rund einer Milliarde US-Dollar bekannt. Der Ofeq-13 soll nach damaligen Medienberichten bestehende französische Satelliten ersetzen.
Ein eigenes hochauflösendes militärisches Aufklärungssystem würde Marokkos Fähigkeit erheblich erweitern, Entwicklungen unabhängig zu beobachten und Aufklärungsinformationen für militärische Entscheidungen bereitzustellen.
Damit reicht die israelische Rolle inzwischen vom taktischen Gefechtsfeld bis zur strategischen Aufklärung.
Gemeinsame Militärplanung institutionalisiert die Partnerschaft
Parallel zu den Beschaffungen wurden die Kontakte zwischen beiden Streitkräften verstetigt.
Anfang 2026 vereinbarten Israel und Marokko bei der dritten Sitzung ihres gemeinsamen Militärausschusses einen militärischen Arbeitsplan für das laufende Jahr. Die Gespräche umfassten neben Arbeitstreffen auch Kontakte zu israelischen Einheiten und Rüstungsunternehmen.
Behandelt wurde insbesondere der Aufbau militärischer Fähigkeiten aus strategischer Perspektive.
Damit ist aus dem Verteidigungsabkommen von 2021 inzwischen ein regelmäßiger institutioneller Prozess geworden. Beschaffung und Ausbildung werden nicht mehr ausschließlich als einzelne Projekte behandelt, sondern in gemeinsamen Gremien koordiniert.
Diese Entwicklung unterscheidet die Beziehung von einem klassischen Käufer-Lieferanten-Verhältnis.
Gaza-Krieg hat Sicherheitsbeziehungen nicht beendet
Politisch bleibt die Kooperation zugleich anspruchsvoll.
Der Krieg im Gazastreifen hat in Marokko starke öffentliche Proteste und Kritik an den Beziehungen zu Israel ausgelöst. Die marokkanische Regierung hielt dennoch an der offiziellen Verbindung fest.
Die Sicherheitskooperation zeigt sich damit bislang widerstandsfähiger als die politischen Spannungen, die der Gaza-Krieg in Teilen der marokkanischen Öffentlichkeit ausgelöst hat.
Abraham-Abkommen schaffen einen neuen Verteidigungsraum
Marokko ist Teil einer größeren Entwicklung, die seit den Abraham-Abkommen entstanden ist.
Das International Institute for Strategic Studies beziffert die israelischen Verteidigungsexporte nach Bahrain, Marokko und in die Vereinigten Arabischen Emirate zwischen 2021 und 2025 auf insgesamt rund 8,8 Milliarden US-Dollar.
2022 erreichten die Lieferungen an die drei Staaten etwa drei Milliarden Dollar und damit 24 Prozent aller israelischen Verteidigungsexporte. 2025 waren es rund 2,88 Milliarden Dollar beziehungsweise etwa 15 Prozent.
Die Beziehungen unterscheiden sich jedoch deutlich.
Die Vereinigten Arabischen Emirate sind inzwischen tief in gemeinsame Investitionen und Entwicklungsprogramme mit israelischen Unternehmen eingestiegen. Emiratische Konzerne beteiligen sich an israelischen Technologieunternehmen, entwickeln gemeinsam Systeme und bauen Wartungs- und Produktionskapazitäten auf.
Marokko befindet sich auf einer früheren Stufe. Der Schwerpunkt liegt weiterhin stärker auf Beschaffung, militärischer Kooperation und dem Aufbau ausgewählter industrieller Fähigkeiten.
Eine Produktionsstätte von BlueBird Aero Systems in Rabat zeigt jedoch, in welche Richtung sich die Zusammenarbeit entwickeln könnte.
Marrakech Air Show wird zur Bühne dieser neuen Partnerschaft
Vor diesem Hintergrund erhält die israelische Präsenz beim Marrakech Air Show eine andere Bedeutung als die eines gewöhnlichen Messeauftritts.
Israel Aerospace Industries und Elbit Systems treten 2026 erstmals offiziell mit einer größeren Delegation auf. Hinzu kommen Rafael Advanced Defense Systems, XTEND, UVision und weitere israelische Unternehmen aus den Bereichen Drohnen, Sensorik, Kommunikation und Präzisionswaffen.
IAI zeigt unter anderem den Langstreckenflugkörper LORA, die Heron-MK-II-Drohne, Luftverteidigung, Satellitenkommunikation und Technologien zur vernetzten Operationsführung.
Elbit präsentiert Hermes 900, das Raketenartilleriesystem PULS, SkyStriker sowie autonome und elektronische Kampfsysteme.
Diese Angebote spiegeln jene Fähigkeitsfelder wider, die Marokko seit Beginn der Sicherheitskooperation systematisch ausbaut.
Der nächste Schritt für Rabat liegt deshalb weniger in der Zahl zusätzlicher Systeme als in der Frage, wie viel Entwicklung, Wartung und Produktion künftig im Land selbst stattfinden.
Emirate bringen eigenes Verteidigungsmodell nach Marrakesch
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate treten in Marrakesch mit einer umfangreichen Delegation auf.
Der nationale Pavillon vereint das Verteidigungsministerium, den Tawazun Council for Defence Enablement sowie Unternehmen wie EDGE, Generation 5 Holding, Resource Industries und Multi Level Group.
Die Emirate nutzen internationale Rüstungsmessen zunehmend, um ihre eigenen Unternehmen geschlossen als nationales Verteidigungsökosystem zu präsentieren.
Eine zentrale Rolle spielt EDGE. Der staatlich geprägte Konzern entwickelt unter anderem Präzisionswaffen, unbemannte Systeme, elektronische Kampfführung und maritime Plattformen.
EDGE hat zugleich enge industrielle Beziehungen mit israelischen Unternehmen aufgebaut. Der Konzern und mit ihm verbundene Einrichtungen investierten nach Untersuchungen des IISS in mindestens acht israelische Unternehmen, insbesondere aus den Bereichen Sensorik, künstliche Intelligenz, Drohnen und Raumfahrt.
Damit treffen in Marrakesch nicht nur Anbieter aus unterschiedlichen Ländern aufeinander. Teilweise sind ihre Verteidigungsindustrien bereits untereinander durch Beteiligungen, Gemeinschaftsunternehmen und gemeinsame Entwicklungsprogramme verbunden.
Marokko will vom Käufer zum Produzenten werden
Rabat verfolgt parallel eine eigene industrielle Strategie.
Im marokkanischen Luftfahrtsektor sind inzwischen mehr als 150 internationale Unternehmen tätig. Das Land verfügt über Produktions- und Wartungskapazitäten in Bereichen wie Flugzeugkomponenten, Elektronik, Engineering und digitale Systeme.
Der Marrakech Air Show soll diese industrielle Basis stärker mit dem militärischen Markt verbinden.

Lockheed Martin organisiert dazu Treffen mit marokkanischen Zulieferern und informiert über Voraussetzungen für eine Aufnahme in seine internationale Lieferkette. Boeing setzt ebenfalls auf die Entwicklung lokaler Zulieferunternehmen.
Auch zivile und militärische Luftfahrt wachsen dabei zunehmend zusammen. Der RTX-Konzern eröffnete über seine Tochter Pratt & Whitney im April eine neue Produktionsstätte in Casablanca. Dort werden Komponenten für Flugzeugtriebwerke gefertigt. Bis 2030 sollen rund 200 Arbeitsplätze entstehen.
Wettbewerb um Marokkos Verteidigungsindustrie wächst
Neben den USA, Israel und den Emiraten bauen weitere Staaten ihre Präsenz aus.
Der türkische Drohnenhersteller Baykar ist ebenso vertreten wie Airbus, Safran und Thales aus Europa, Embraer aus Brasilien sowie Unternehmen aus China, Indien und Südkorea.
Die Vereinigten Arabischen Emirate treten als strategischer Partner der diesjährigen Messe auf. Ihr Unternehmen Generation 5 Holding arbeitet inzwischen mit Embraer am Militärtransporter C-390 Millennium. Im Mai vereinbarten die Emirate die Beschaffung von zehn Maschinen mit Optionen auf zehn weitere.
Der Wettbewerb verlagert sich damit zunehmend von der reinen Lieferung fertiger Waffensysteme auf industrielle Partnerschaften, Wartung, Technologietransfer und lokale Produktion.
Für Marokko verbindet sich die Modernisierung seiner Streitkräfte dadurch mit einem zweiten Ziel: einen größeren Anteil der Wertschöpfung aus Luftfahrt- und Verteidigungsprogrammen im eigenen Land aufzubauen.

