Guinea eröffnet erste Goldraffinerie – Präsident Doumbouya verbietet Rohgoldexporte

Guinea will sein Gold nicht mehr überwiegend unverarbeitet ins Ausland verkaufen. Präsident Mamadi Doumbouya hat die erste Goldraffinerie des Landes eröffnet.

Guinea hat seine erste Goldraffinerie eröffnet und will künftig einen größeren Teil der Wertschöpfung aus dem Goldbergbau im eigenen Land behalten. Die Einweihung durch Präsident Mamadi Doumbouya fand am Sonntag, dem 1. November 2026, in der Hauptstadt Conakry statt. Die neue Nimba Gold Refinery verfügt nach Betreiberangaben über eine jährliche Verarbeitungskapazität von bis zu 733 Tonnen und soll auch Gold aus anderen westafrikanischen Staaten raffinieren. Damit setzt die Regierung ihre Strategie fort, den Export unverarbeiteter Rohstoffe zu begrenzen und Guinea zu einem regionalen Zentrum der Bergbauindustrie auszubauen.

Guinea will Gold nicht länger unverarbeitet exportieren

Die Raffinerie im Stadtteil Gbessia bildet einen zentralen Bestandteil der neuen Rohstoffpolitik Guineas. Das westafrikanische Land gehört zu den bedeutenden Goldproduzenten der Region, ließ sein Gold bislang jedoch überwiegend außerhalb des Landes raffinieren.

Mit einem im Juli verabschiedeten Dekret hat die Regierung deshalb vorgeschrieben, dass Gold vor der Ausfuhr in Guinea verarbeitet und zertifiziert werden muss. Die Übergangsfrist endete Anfang Oktober.

Bereits am 9. Oktober wurden die ersten in Guinea raffinierten Goldbarren ins Ausland verschickt. Die offizielle Einweihung markiert damit den Abschluss der ersten Phase des industriellen Aufbaus.

Bergbauminister Bouna Sylla bezeichnete die Anlage als einen grundlegenden Schritt in der Wirtschaftspolitik.

„Bisher hat Guinea sein Gold gefördert und in unverarbeitetem Zustand exportiert. Obwohl unser Land zu den bedeutenden Goldproduzenten Westafrikas gehört, profitierte es nicht von der Wertschöpfung durch die Raffination. Diese Zeit ist nun vorbei“, erklärte Sylla bei der Eröffnung.

Künftig sollen zusätzliche Einnahmen, qualifizierte Arbeitsplätze und technisches Fachwissen im Land entstehen. Die Regierung verbindet damit auch das Ziel, die bisher stark vom Rohstoffexport abhängige Wirtschaft breiter industriell aufzustellen.

Raffinerie kann ein Vielfaches der nationalen Goldexporte verarbeiten

Mit einer angegebenen Jahreskapazität von 733 Tonnen zählt die Nimba Gold Refinery zu den größten angekündigten Goldverarbeitungsanlagen Afrikas. Die Betreiber präsentieren sie als größte Goldraffinerie des Kontinents.

Die tatsächliche Auslastung dürfte zunächst deutlich geringer ausfallen. Nach den offiziellen Bergbaustatistiken exportierte Guinea 2025 insgesamt rund 72 Tonnen Gold. Die neue Raffinerie könnte nominell somit mehr als das Zehnfache dieser Menge verarbeiten.

Die Kapazität entspricht allerdings nicht der tatsächlich produzierten oder raffinierten Goldmenge. Die Betreiber wollen deshalb auch Gold aus benachbarten Ländern verarbeiten und Guinea als regionalen Standort für Raffination und internationale Vermarktung etablieren.

Moussa Magassouba, Vertreter der Raffinerie, betonte den Zusammenhang zwischen Rohstoffförderung und industrieller Entwicklung.

„Eine Nation, die so reich an Bodenschätzen ist wie unsere, kann ihren Wohlstand nicht dauerhaft allein darauf aufbauen, unverarbeitete Rohstoffe zu fördern. Sie muss über die Infrastruktur, Technologien und Fähigkeiten verfügen, diese selbst zu verarbeiten.“

Das Projekt wurde nach früheren Regierungsangaben im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft entwickelt. Guinea tritt damit in einen regionalen Wettbewerb mit Ghana, Mali und Burkina Faso, die ebenfalls ihre Kapazitäten zur Goldverarbeitung ausbauen.

Regierung will Goldhandel kontrollieren und Währungsreserven stärken

Neben der industriellen Verarbeitung will Guinea mehr Kontrolle über den Handel mit seinem Gold gewinnen.

Nach Angaben des Bergbauministeriums stammen rund 70 Prozent der nationalen Goldproduktion aus handwerklichem Kleinbergbau. Die weit verzweigten Handelswege erschweren die staatliche Überwachung und die vollständige Erfassung der Fördermengen.

Mit der neuen digitalen Plattform PINTO sollen Goldlieferungen künftig von der Gewinnung bis zum Export nachvollzogen werden können. Jedes erfasste Los erhält dafür eine eindeutige Kennung.

Der Staat will zudem bis zu 30 Prozent der Goldproduktion industrieller und halbindustrieller Bergbauunternehmen in guineischen Franc erwerben. Die Regierung verbindet diese Maßnahme mit dem Ziel, die Währungsreserven der Zentralbank zu stärken und einen größeren Teil des Goldhandels über offizielle Kanäle abzuwickeln.

Die Raffinerie soll dabei eng mit der Zentralbank, der Zollverwaltung und den staatlichen Prüfstellen zusammenarbeiten. Sie kontrollieren und zertifizieren das für internationale Märkte bestimmte Gold.

Goldraffinerie ist Teil einer größeren Industrialisierungsstrategie

Die Eröffnung fügt sich in das staatliche Entwicklungsprogramm Simandou 2040 ein, mit dem Guinea seine Bergbauindustrie ausbauen und mehr Verarbeitungsschritte im eigenen Land ansiedeln will.

Der Rohstoffsektor prägt die Wirtschaft des Landes. Neben Gold verfügt Guinea über große Bauxitvorkommen, die für die Aluminiumherstellung benötigt werden. Auch dort setzt die Regierung zunehmend auf eine Verarbeitung vor Ort.

Nach Angaben des Bergbauministeriums befinden sich derzeit drei Raffinerien zur Herstellung von Aluminiumoxid im Bau.

Guinea will damit neben der Förderung und Ausfuhr seiner Bodenschätze weitere industrielle Aktivitäten im Land ansiedeln. Die Regierung erwartet dadurch zusätzliche Beschäftigung, höhere Steuereinnahmen und eine stärkere Einbindung guineischer Unternehmen in internationale Rohstofflieferketten.

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