Deutschland setzt in Mauretanien auf Sicherheit, LNG und grünen Wasserstoff

Der Außenminister wurde deshalb von einer deutschen Wirtschaftsdelegation begleitet. Nach seiner Einschätzung haben europäische Unternehmen die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes bislang nicht ausreichend genutzt.

Deutschland will seine Partnerschaft mit Mauretanien bei Sicherheit, Flüchtlingshilfe und Energie deutlich ausbauen. Die Gespräche fanden am Montag in Nouakchott statt. Außenminister Johann Wadephul bezeichnete das Land als wichtigen und verlässlichen Partner in einer von Terrorismus und Instabilität geprägten Region. Berlin prüft zugleich eine Zusammenarbeit bei Flüssigerdgas und grünem Wasserstoff.

Wadephul traf Präsident Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani sowie Außenminister Mohamed Salem Ould Merzoug. An den erweiterten Gesprächen nahmen auch Vertreter des öffentlichen und privaten Sektors aus Deutschland teil.

Beide Seiten vereinbarten, den politischen Dialog zu vertiefen und bestehende Absprachen stärker in konkrete Projekte zu überführen. Neben Sicherheit und Energie standen Investitionen, Entwicklungszusammenarbeit, Migration und regionale Krisen auf der Tagesordnung.

Berlin sieht Mauretanien als Stabilitätsanker im Sahel

Wadephul stellte Mauretanien als Gegenmodell zu den politischen und sicherheitspolitischen Entwicklungen in anderen Teilen des Sahel dar. Während bewaffnete Gruppen ihre Aktivitäten in der Region ausweiten, setzt die Regierung in Nouakchott nach seiner Einschätzung stärker auf Dialog, Prävention und diplomatische Lösungen.

Mauretanien sei eine „wichtige und verlässliche Partnerschaft“ für Deutschland in einer Region mit wachsenden Sicherheitsproblemen, erklärte der Außenminister. Er würdigte das Land als „Stimme der Weisheit, der Mäßigung und der Toleranz“.

Die Bundesregierung will den mauretanischen Ansatz gegen Radikalisierung und Extremismus weiter unterstützen. Dieser verbindet Sicherheitsmaßnahmen mit gesellschaftlichen Programmen, wirtschaftlichen Perspektiven und der Stärkung lokaler Gemeinschaften.

Berlin und Nouakchott teilen nach Wadephuls Worten ein gemeinsames Interesse daran, die Stabilität des Landes zu sichern. Deutschland hat sich unter anderem an der Ausstattung der mauretanischen Küstenwache und Marine beteiligt.

Mehr als 300.000 Geflüchtete aus Mali

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Aufnahme von Geflüchteten aus dem benachbarten Mali. Mauretanien beherbergt nach Angaben Wadephuls inzwischen mehr als 300.000 malische Flüchtlinge.

Die Zahl stellt das dünn besiedelte Land mit seinen begrenzten staatlichen und wirtschaftlichen Ressourcen vor erhebliche Herausforderungen. Viele Menschen suchen Schutz vor bewaffneten Konflikten, extremistischer Gewalt und den Folgen politischer Instabilität in Mali.

Wadephul bezeichnete die Aufnahme als Ausdruck großer humanitärer Solidarität. Deutschland werde seine Unterstützung über die Vereinten Nationen und Programme der Entwicklungszusammenarbeit fortsetzen.

Zusätzliche Mittel sollen auch den aufnehmenden Gemeinden zugutekommen. Berlin will Projekte fördern, die Arbeitsplätze für junge Menschen schaffen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und ein friedliches Zusammenleben zwischen Flüchtlingen und der einheimischen Bevölkerung unterstützen.

Mauretanisches Gas rückt in den Blick

Deutschland sieht Mauretanien zunehmend auch als möglichen Energiepartner. Das Land produziert seit 2025 gemeinsam mit Senegal Flüssigerdgas aus dem grenzüberschreitenden Gasfeld Greater Tortue Ahmeyim.

Wadephul erklärte, diese Entwicklung eröffne neue Möglichkeiten zur Diversifizierung der deutschen LNG-Versorgung. Konkrete Lieferverträge oder Abnahmemengen wurden bei den Gesprächen nicht bekannt gegeben.

Mauretanien verfügt neben Erdgas über große Eisenerzvorkommen und weitere Rohstoffe. Die Bundesregierung sieht darin zusätzliche Möglichkeiten für Handel und Investitionen.

Der Außenminister wurde deshalb von einer deutschen Wirtschaftsdelegation begleitet. Nach seiner Einschätzung haben europäische Unternehmen die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes bislang nicht ausreichend genutzt.

Grüner Wasserstoff als langfristiges Projekt

Beide Regierungen wollen außerdem ihre Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff vorantreiben.

Mauretanien verfügt über große unbewohnte Flächen sowie günstige Bedingungen für Solar- und Windenergie. Mehrere internationale Unternehmen prüfen dort Projekte zur Herstellung von Wasserstoff mit Strom aus erneuerbaren Quellen.

Die Produktion könnte langfristig sowohl den Aufbau einer heimischen Industrie unterstützen als auch Exporte nach Europa ermöglichen. Voraussetzung sind hohe Investitionen in Stromerzeugung, Wasseraufbereitung, Transportwege und Hafenanlagen.

Außenminister Ould Merzoug erklärte, die bilateralen Beziehungen hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich entwickelt. Zu den traditionellen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit seien inzwischen Sicherheit, Energie und grüner Wasserstoff hinzugekommen.

Neue Investitionen und konkrete Projekte

Die beiden Außenminister leiteten nach ihrem bilateralen Gespräch eine gemeinsame Arbeitssitzung der Delegationen. Dabei wurden wirtschaftliche, soziale und entwicklungspolitische Kooperationsfelder geprüft.

Nouakchott und Berlin wollen neue Partnerschaften zwischen staatlichen Institutionen, Unternehmen und Investoren anstoßen. Neben Energie und Rohstoffen geht es um den Austausch von Fachwissen und die Umsetzung bestehender Vereinbarungen.

Die mauretanische Regierung drängt darauf, dass aus politischen Absichtserklärungen konkrete Programme und Investitionen entstehen. Deutsche Unternehmen sollen sich stärker an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beteiligen.

Wadephul bezeichnete seine Reise als Fortsetzung eines Dialogs, den beide Außenminister bei einem Treffen am Rande eines Gipfels zwischen der Europäischen und der Afrikanischen Union in Brüssel begonnen hatten.

Zusammenarbeit bei regulärer und irregulärer Migration

Migration gehört ebenfalls zu den gemeinsamen Themen. Mauretanien liegt an einer der Routen, über die Menschen aus Westafrika versuchen, die Kanarischen Inseln zu erreichen.

Deutschland und Mauretanien wollen nach Wadephuls Worten Möglichkeiten regulärer Migration stärker nutzen. Gleichzeitig sollen Ursachen und Folgen irregulärer Migration verringert werden.

Dazu gehören Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen, Unterstützung für aufnehmende Gemeinden und eine engere Zusammenarbeit bei Grenz- und Küstenschutz.

Die Sicherheitslage im Sahel wirkt sich zunehmend auch auf die westafrikanischen Küstenstaaten und die Migrationsbewegungen in Richtung Europa aus. Wadephul verwies zudem auf Folgen der Krise im Nahen Osten, die sich über Lieferketten, Preise und politische Spannungen bis nach Westafrika ausbreiteten.

Der Besuch in Mauretanien ist die erste Station einer Reise, die Wadephul anschließend nach Nigeria und Südafrika führt. Es handelt sich um seine dritte Afrikareise im Jahr 2026.

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