Kamerun: Paul Biya lässt Vizepräsidentenamt unbesetzt – Machtfrage bleibt offen

Kamerun hat ein Vizepräsidentenamt geschaffen, doch Präsident Paul Biya hat es bislang nicht besetzt. Zugleich bleiben eine Regierungsumbildung aus und mehrere Fragen zur politischen Nachfolge offen.

Kameruns Präsident Paul Biya hat trotz einer Verfassungsreform weiterhin keinen Vizepräsidenten ernannt und eine angekündigte Regierungsumbildung nicht umgesetzt. Auch Anfang November 2026 blieb die im April geschaffene neue Führungsposition unbesetzt. Der 93-jährige Staatschef steht damit an der Spitze eines politischen Systems, in dem wichtige Entscheidungen weiterhin stark auf seine Person konzentriert sind. Zugleich haben mehrere Todesfälle innerhalb der Staatsführung und anhaltende Konflikte mit der Opposition die institutionelle Unsicherheit verstärkt.

Die Verfassungsänderung vom 4. April sollte die Nachfolge an der Staatsspitze neu ordnen. Ein ernannter Vizepräsident könnte bei einer dauerhaften Verhinderung des Präsidenten dessen Amtszeit fortführen.

Neue Nachfolgeregelung ohne Amtsinhaber

Mit der Einführung des Vizepräsidentenamtes hat Kamerun seine bisherige Verfassungsordnung verändert.

Zuvor kam dem Präsidenten des Senats bei einer dauerhaften Vakanz an der Staatsspitze eine zentrale Rolle zu. Die neue Regelung sieht dagegen eine stärkere Bedeutung eines vom Präsidenten ernannten Stellvertreters vor.

Biya hat von dieser Möglichkeit bislang keinen Gebrauch gemacht.

Damit bleibt offen, welche politische Persönlichkeit er als möglichen Nachfolger innerhalb der Exekutive bevorzugt.

Nach Recherchen von Jeune Afrique begrüßten einzelne europäische Diplomaten die Verfassungsänderung als Möglichkeit eines geordneten Machtwechsels. Die Besetzung der neuen Position wäre jedoch Voraussetzung dafür, dass dieser Mechanismus tatsächlich zum Tragen kommen könnte.

Regierungsumbildung seit Februar angekündigt

Auch die Zusammensetzung der Regierung bleibt seit Jahren weitgehend unverändert.

Biya hatte am 10. Februar 2026 eine Regierungsumbildung angekündigt. Bis Anfang November wurde diese jedoch nicht umgesetzt.

Das Kabinett war zuletzt 2019 umfassender neu geordnet worden. Seither sind mehrere Minister verstorben, während zahlreiche politische und administrative Funktionen weiterhin von langjährigen Amtsinhabern ausgeübt werden.

Hinzu kamen Todesfälle in anderen wichtigen Staatsorganen.

Der langjährige Senatspräsident Marcel Niat Njifenji starb am 11. April 2026. Wenige Wochen später, am 6. Mai, starb auch der Präsident der Nationalversammlung, Cavaye Yeguié Djibril.

Im Oktober verstarb mit Clément Atangana zudem der Vorsitzende des Verfassungsrates, der eine zentrale Rolle bei Wahlentscheidungen und verfassungsrechtlichen Streitigkeiten spielt.

Die Veränderungen betreffen damit mehrere Institutionen, die für die politische Kontinuität des Landes verantwortlich sind.

Lange Auslandsabwesenheit sorgt für Diskussionen

Die eingeschränkte öffentliche Präsenz Biyas hat die Debatte zusätzlich verstärkt.

Der Präsident hielt sich zeitweise 74 Tage außerhalb Kameruns auf. Die Präsidentschaft versicherte während dieser Zeit, der Staatschef führe seine Amtsgeschäfte weiter.

Er sei auf medizinische Behandlungen in Genf angewiesen. Einzelheiten zu seinem Gesundheitszustand wurden von der Präsidentschaft nicht umfassend öffentlich dokumentiert.

Regierungsvertreter wiesen Spekulationen über eine politische Handlungsunfähigkeit zurück.

Biya ist seit 1982 Präsident Kameruns. Nach seiner erneuten Wahl im Oktober 2025 begann er eine weitere Amtszeit, während sein langjähriger Regierungsapparat weitgehend bestehen blieb.

Opposition nach umstrittener Wahl unter Druck

Die politische Unsicherheit wird von den Nachwirkungen der Präsidentschaftswahl 2025 begleitet.

Der frühere Minister Issa Tchiroma Bakary, der bei der Wahl gegen Biya angetreten war, bestritt das offizielle Ergebnis. Nach Protesten und Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften verließ er das Land.

Die Regierung bezeichnete die Wahl als rechtmäßig. Oppositionsvertreter erhoben dagegen Vorwürfe wegen Unregelmäßigkeiten und Repression.

Kamerun steht zugleich vor weiteren innenpolitischen Herausforderungen. Dazu gehören der seit Jahren andauernde Konflikt in den englischsprachigen Regionen und die Bedrohung durch islamistische bewaffnete Gruppen im Norden.

Neben den politischen Spannungen belasten Strom- und Wasserausfälle, Infrastrukturprobleme und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten Teile der Bevölkerung.

Nach den im Magazin genannten kanadischen Einwanderungszahlen ließen sich 2025 rund 10.355 Kameruner in Kanada nieder, etwa 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Kanada zählt damit zu den wichtigen Zielen kamerunischer Arbeits- und Bildungsmigration.

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