Nigerias Präsident Tinubu betritt Kaaba in Mekka – und sendet politische Botschaft vor der Wahl

Seltener Zugang zum Inneren der Kaaba: Nigerias Präsident Bola Tinubu besucht das islamische Heiligtum in Mekka und betet für sein Land. Vor der Präsidentschaftswahl 2027 verbindet er die Pilgerreise mit politischen Botschaften über nationale Einheit und wirtschaftlichen Fortschritt.

Nigerias Präsident Bola Tinubu hat während einer Pilgerreise nach Saudi-Arabien die Kaaba in Mekka betreten und dort für Frieden, nationale Einheit und eine erfolgreiche Entwicklung seines Landes gebetet. Der Besuch des islamischen Heiligtums fand am Sonntag, dem 1. November 2026, statt. Die saudischen Behörden gewährten dem Präsidenten und seiner Delegation damit einen seltenen Zugang zum Inneren der Kaaba. Vor der nigerianischen Präsidentschaftswahl 2027 bekräftigte Tinubu zugleich seine politischen Ziele und kündigte weitere Investitionen in die junge Bevölkerung an.

Tinubu dankte dem saudischen König Salman bin Abdulaziz und Kronprinz Mohammed bin Salman ausdrücklich für die Möglichkeit, das Heiligtum betreten zu dürfen. Er bezeichnete die Erfahrung als historisch und als Ausdruck der langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Nigeria und Saudi-Arabien.

„Es ist eine Ehre, die ich erleben durfte. Es war großzügig, mir den Zutritt zum Inneren der Kaaba zu ermöglichen. Das ist Geschichte“, erklärte der Präsident nach seinem Besuch.

Tinubu bittet um Weisheit für die Führung Nigerias

Im Inneren der Kaaba betete Tinubu nach eigenen Angaben um Weisheit und Durchhaltevermögen für die weitere Führung Nigerias. Seine politische Verantwortung verband er dabei ausdrücklich mit seinem muslimischen Glauben.

Bereits am Freitag, dem 30. Oktober, hatte der Präsident die Umrah, die sogenannte kleine Pilgerfahrt, in Mekka absolviert. Anders als die jährlich zu einem festgelegten Zeitpunkt stattfindende Hadsch kann die Umrah zu verschiedenen Zeiten des Jahres durchgeführt werden.

Der Zugang zum Inneren der Kaaba gehört nicht zu den regulären Pilgerritualen. Das würfelförmige Gebäude im Innenhof der Großen Moschee ist das zentrale Heiligtum des Islam. Muslime weltweit richten ihre Gebete in seine Richtung. Während der Pilgerfahrten umrunden Gläubige die Kaaba, ohne sie normalerweise betreten zu können.

Tinubu erinnerte bei seinem Aufenthalt auch an eine frühere Pilgerreise vor der Präsidentschaftswahl 2023. Damals habe er um Gottes Beistand gebetet und versprochen, nach einem Wahlsieg aus Dankbarkeit zurückzukehren.

Präsident spricht über Wirtschaft und Zukunft der Jugend

Neben den religiösen Zeremonien nutzte Tinubu den Aufenthalt, um seine politischen Ziele für Nigeria zu bekräftigen. Er erklärte, seine Entschlossenheit zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Landes sei durch die Pilgerreise gewachsen.

„Mein Engagement für das Projekt Nigeria ist stärker geworden. Ich bin entschlossen, Wohlstand zu schaffen und das Land umfassend zu entwickeln, im Einklang mit dem Willen Allahs und mit der Unterstützung der Bevölkerung“, sagte Tinubu.

Auch zur wirtschaftlichen Lage äußerte sich der Präsident optimistisch. Die Grundlagen seien solide und die Wirtschaft habe eine schwierige Phase überwunden. Diese Einschätzung steht im Zusammenhang mit dem wirtschaftspolitischen Reformkurs seiner Regierung, der seit seinem Amtsantritt 2023 unter anderem auf Veränderungen im Energie- und Währungssektor setzt.

Besonders betonte Tinubu die Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen. „Wir müssen eine Zukunft für unsere Jugend schaffen. Wenn wir nicht in ihre Zukunft investieren, wie wollen wir dann in 50 Jahren als Führungspersönlichkeiten in Erinnerung bleiben?“, fragte er.

Konkrete neue Investitionsprogramme oder zusätzliche Finanzierungszusagen wurden während des Aufenthalts nicht bekannt gegeben.

Führende Politiker und Unternehmer begleiten Tinubu

An der Pilgerreise nahmen mehrere Mitglieder der nigerianischen Regierung, Gouverneure und führende Unternehmer teil.

Zur Delegation gehörten Justizminister Lateef Fagbemi, Gesundheitsminister Muhammad Ali Pate und der Nationale Sicherheitsberater Nuhu Ribadu. Ebenfalls vertreten waren die Gouverneure der Bundesstaaten Borno, Sokoto, Jigawa, Kaduna, Yobe und Kwara.

Unter den Wirtschaftsvertretern befanden sich Abdul Samad Rabiu, Vorsitzender des Industriekonzerns BUA Group, und Wale Tinubu, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens Oando.

Rabiu bezeichnete den gemeinsamen Eintritt in die Kaaba in einem am Sonntag veröffentlichten Facebook-Beitrag als außergewöhnliches religiöses Erlebnis.

„In diesem heiligsten aller Orte galten meine Gedanken und Gebete nicht nur mir und meiner Familie, sondern unserem gesamten Land“, schrieb der Unternehmer. Er betete für dauerhaften Frieden, Einheit und Wohlstand in Nigeria.

Bei einem gemeinsamen Abendessen mit der Delegation bekräftigte Rabiu zudem seine Unterstützung für den Präsidenten und dessen Regierung.

Nationale Einheit vor der Präsidentschaftswahl 2027

Während eines Abendessens in Mekka am Sonntag rief Tinubu dazu auf, Nigerias ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt als gemeinsame Stärke zu verstehen.

„Möge der allmächtige Allah Nigeria segnen und unsere Vielfalt in Wohlstand für unser Land verwandeln“, sagte der Präsident nach Angaben seines Sprechers Bayo Onanuga.

Er forderte die Bevölkerung auf, unabhängig von ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit zusammenzuarbeiten. Zugleich betete er für Frieden und ein Ende der Unsicherheit in Nigeria.

Seine Äußerungen fallen in die Vorbereitungen auf die Präsidentschaftswahl 2027, bei der Tinubu eine zweite Amtszeit anstrebt.

Der frühere Gouverneur des Bundesstaates Zamfara, Abdulaziz Yari, der den Präsidentschaftswahlkampf der regierenden Partei All Progressives Congress (APC) leitet, äußerte sich während des Aufenthalts in Mekka ebenfalls zu den Wahlchancen des Präsidenten.

Yari nannte Tinubus Glauben, seine bisherige Regierungsbilanz und die organisatorischen Fähigkeiten der Wahlkampagne als drei Faktoren, die aus seiner Sicht zu einer Wiederwahl beitragen könnten. Die Partei werde ihre Anhänger mobilisieren und die Wähler von den Leistungen der Regierung überzeugen.

Auch mehrere Gouverneure aus Tinubus Delegation sprachen sich während des Aufenthalts für seine politische Führung aus. Der Vorsitzende des nigerianischen Gouverneursforums, AbdulRahman AbdulRazaq, rief zu Gebeten für die Entscheidungen des Präsidenten auf. Bornos Gouverneur Babagana Zulum betonte insbesondere die Notwendigkeit dauerhafter Sicherheit und friedlicher Wahlen in Nigeria.

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