Im Golf von Guinea führen 19 afrikanische Marinen und sieben internationale Partnerflotten, darunter Frankreich, ein gemeinsames Militärmanöver gegen Piraterie, Schmuggel und illegale Fischerei durch. Die Übung „Grand African NEMO 2026“ läuft vom 27. Oktober bis zum 6. November. Rund 60 Marineeinheiten und zehn Luftfahrzeuge sind an den Operationen zwischen Senegal und Angola beteiligt. Neben militärischen Einsätzen werden auch Ölunfälle, Seenotrettungen und die strafrechtliche Verfolgung von Verbrechen auf See simuliert.
Das Manöver gehört zu den größten multinationalen Sicherheitsübungen in West- und Zentralafrika. Frankreich organisiert die Operation gemeinsam mit der regionalen maritimen Sicherheitsstruktur von Yaoundé, über die afrikanische Küstenstaaten ihre Zusammenarbeit auf See koordinieren. Beteiligt sind neben den Streitkräften auch Küstenwachen, Justizbehörden und weitere staatliche Einrichtungen.
Nigeria mobilisiert Kriegsschiffe, Hubschrauber und Drohnen
Nigeria beteiligt sich mit fünf Kriegsschiffen, zwei Hubschraubern, zwei Drohnen und Spezialeinheiten seiner Marine. Die nigerianische Übungsphase wurde am 29. Oktober in Onne im Bundesstaat Rivers eröffnet. Eingebunden sind alle drei regionalen Einsatzkommandos der Marine sowie französische und weitere internationale Einheiten.
Marinechef Idi Abbas erklärte, dass die gemeinsamen Operationen insbesondere die Überwachung nigerianischer Hoheitsgewässer und der ausschließlichen Wirtschaftszone verbessern sollen. Zu den Übungsszenarien gehören die Bekämpfung illegaler Ölgeschäfte, bewaffneter Überfälle auf Schiffe sowie des Handels mit Drogen, Waffen und Menschen.
Für Nigeria ist die Sicherheit seiner Küstengewässer auch wirtschaftlich von Bedeutung. Das Land verfügt über große Öl- und Gasvorkommen vor seiner Küste. Illegale Ölförderung, Diebstahl und Schmuggel gefährden die staatlichen Einnahmen und die maritime Infrastruktur.
Benin und Ghana trainieren gegen Ölkatastrophen
In Benin konzentrieren sich die Übungen auf den Küstenabschnitt zwischen Ouidah und Sèmè-Podji. Vom 2. bis zum 4. November trainieren die Einsatzkräfte die Bekämpfung von Ölverschmutzungen auf See. Am 5. November soll ein simulierter Gerichtsprozess überprüfen, wie Justizbehörden Straftaten im maritimen Raum verfolgen und bearbeiten können.
Auch Ghana und die Elfenbeinküste erproben ihre Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden Umweltkatastrophen. Ein gemeinsames Szenario sieht einen Ölunfall vor, dessen Auswirkungen sich über die Seegrenze beider Staaten erstrecken. Die beteiligten Behörden müssen dabei Informationen austauschen, ihre Einsatzkräfte koordinieren und die rechtlichen Zuständigkeiten klären.
Die ghanaische Übungsphase wurde am 28. Oktober im multinationalen maritimen Koordinierungszentrum der Zone F in Accra eröffnet. Neben Ghana und Frankreich beteiligen sich in diesem Abschnitt die Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone und Guinea.
Frankreich baut maritime Sicherheitskooperation aus
Frankreich verbindet das Manöver mit seiner Marineoperation Corymbe, die seit 1990 im Golf von Guinea durchgeführt wird. Ursprünglich diente die Mission insbesondere dazu, französische Staatsangehörige im Krisenfall evakuieren zu können. Seit 2023 wurde ihr Auftrag teilweise neu ausgerichtet. Im Vordergrund stehen inzwischen die maritime Sicherheit und die Zusammenarbeit mit afrikanischen Küstenstaaten.

Das französische Verteidigungsministerium bezeichnet die Region als strategisch bedeutsam für den internationalen Handel und die europäische Sicherheit. Nach seinen Angaben passieren täglich etwa 1.000 Schiffe das Seegebiet. Zugleich sind Piraterie, illegale Fischerei sowie der Schmuggel von Drogen und anderen Gütern anhaltende Sicherheitsprobleme.
An Grand African NEMO beteiligen sich neben den Marinen auch internationale Organisationen. Die Europäische Union unterstützt die Kooperation unter anderem über ihre Programme EnMAR und SEACOP. Hinzu kommen das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), Interpol sowie europäische und afrikanische Fischereibehörden.
Gemeinsame Sicherheitsstruktur besteht seit 2013
Grundlage der regionalen Zusammenarbeit ist der sogenannte Yaoundé-Prozess. Bei einem Gipfeltreffen in Kamerun vereinbarten west- und zentralafrikanische Staaten 2013, ihre Maßnahmen gegen Piraterie und andere maritime Straftaten stärker zu koordinieren.
Daraus entstand ein Netzwerk regionaler Sicherheits- und Koordinierungszentren, das den Informationsaustausch zwischen den Küstenstaaten und gemeinsame Einsätze erleichtern soll. Frankreich unterstützt diese Struktur mit Ausbildung, militärischer Zusammenarbeit und technischen Fähigkeiten.
Die Übungsreihe Grand African NEMO wird seit 2018 durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Einsatzverfahren, die Kommunikation zwischen nationalen Marinekommandos und die Zusammenarbeit mit zivilen Behörden. Neben der Bekämpfung von Piraterie und Schmuggel gehören auch die Kontrolle von Fischereiaktivitäten, Umweltverschmutzungen und Rettungsoperationen zu den wiederkehrenden Szenarien.

